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Eine "neue" Farbgebung für das "große Refektorium" in Wernberg

Detail der Gewölbestukkatur

Das „große Refektorium“ nach Abschluss der Restaurierung 2006

Deckenspiegel mit Darstellungen des Stiftes Ossiach und des Klosters Wernberg

Rekonstruktion der Originalfarbigkeit, Beibehaltung der Letztfärbelung oder Rückkehr zu einem historisch relevanten "gewachsenen" Zustand?

Nach intensiver Diskussion über das Restaurierungsziel entschied man sich beim Refektorium des Klosters in Wernberg für die dritte Variante – mit überzeugendem Ergebnis!

Das über einem mittelalterlichen Vorgängerbau beherrschend auf einer Hochterrasse über dem „See“ der gestauten Drau errichtete Renaissanceschloss Wernberg wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Stift Ossiach erworben und bis zur Aufhebung unter Joseph II. für Ordenszwecke genutzt. Den Ossiacher Äbten verdankt das Schloss mehrere Prunkräume und eine Kirche, deren Stukkaturen und Malereien zu den künstlerisch bedeutenden Leistungen der Barockzeit in Kärnten zählen. 

Nach einer wechselvollen Besitzergeschichte, die u. a. für das Jahr 1929-34 Leo Graf Zeppelin, einen Verwandten des Erfinders des Luftschiffes, nennt, wurde das Schloss 1935 nach Erwerb durch die Missionsschwestern „Vom kostbaren Blut“ wieder einer Nutzung als Kloster mit angeschlossenem Landwirtschafts- und Fremdenverkehrsbetrieb zugeführt. Die Wiederherstellung des nach der Säkularisierung abgewirtschafteten Schlosses sollte Jahrzehnte in Anspruch nehmen: die 1962-64 durchgeführte Freilegung der Fresken des Kärntner Barockmalers Josef Ferdinand Fromiller in der zeitweise als Pferdestall genutzten Schlosskirche stellte zweifellos einen Höhepunkt innerhalb der langwierigen Restaurierungsgeschichte dar.

Das so genannte „große Refektorium“ des Nordost-Traktes, ein Saal mit Holzvertäfelungen und Stuckgewölben, wies zuletzt eine Farbgebung des Jahres 1974 mit Stuckdekor in gebrochenem Weiß auf ocker-grauem Grund auf – eine, wie eine Untersuchung durch die denkmalpflegerisch erfahrene Firma Brandstätter ergab, nicht schlüssige Rekonstruktion der Originalfarbigkeit aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit weiß gebrochenem Stuck auf ocker-grau-rosa Grund.
Nach Rückkehr zur „gewachsenen“ jüngeren Raumfassung, einer Uni-Farbgebung in einem hellen steinfarbenen Ton, die zum Zeitpunkt der Holzvertäfelung schon bestanden hatte und seit der Zweitfassung der Gewölbe mehr als 250 Jahre lang das Erscheinungsbild prägte, beeindruckt das Refektorium jetzt durch eine hervorragende Licht-Schatten-Wirkung der Gewölbe und den farblichen Kontrast von Stuck und Deckenspiegel.


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