Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Den Alltag der Kelten ausgraben

Keltischer Widderkopfring aus Bronze, der als Amulett getragen wurde

Auf dem Luftbild sind als große dunkle Verfärbungen die eingetieften Grubenhäuser zu erkennen. Die rechteckig angelegten Gräbchen stammen von Zäunen, die einzelne Gebäude parzellenartig umgrenzen.

Keltische Münze (Westkelten-Sequani) aus Silber

Rettungsgrabungen in der größten keltischen Freilandsiedlung Oberösterreichs

Im Vorfeld der geplanten Errichtung des Straßenprojektes B1-Umfahrung Neubau wurden im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit der Straßenbauabteilung des Landes Oberösterreich großflächige archäologische Untersuchungen durchgeführt.

Rund 1 km nördlich der Ortschaft Neubau wurde zwischen 20. Juni und 16. Dezember 2005 ein etwa 600 m langer und 8-10 m breiter Streifen entlang der B1-Wiener Bundesstraße archäologisch untersucht. Es fanden sich dabei dichte Siedlungsbefunde der mittleren und jüngeren La-Tène-Zeit (2.-1. Jh. v. Chr.). Ingesamt konnten etwa 1300 Befunde dokumentiert werden.

Neben zahlreichen Pfostensetzungen hölzerner Ständerbauten zeigten sich auch dutzende eingetiefte Befunde von Grubenhäusern, Öfen und Brunnen. Darüber hinaus waren großflächige, annähernd rechtwinkelig angeordnete Gräbchensysteme zu erkennen, die auf eine parzellenartige Umgrenzung einzelner Haus- bzw. Gehöftareale hinweisen. Im Bereich der dicht verbauten Siedlung des 2. und 1. vorchristlichen Jahrhunderts konnte auch der Einfassungsgraben eines älteren Hügelgrabes dokumentiert werden. Die Siedlungsbefunde enthielten umfangreiches Fundmaterial. Neben großen Mengen an Tierknochen und Keramikbruchstücken (graphitierte Keramik, Kammstrichware und bemalte Keramik) sind Mahlsteine, Spinnwirtel aus Keramik und zahlreiche Fibeln aus Bronze und Eisen zu erwähnen. Besondere Beachtung verdienen ein Amulettanhänger mit Widderköpfen aus Bronze und mehr als hundert keltische Münzen, die zum überwiegenden Teil aus archäologischen Befunden stammen. Streufunde einer Vasenkopfnadel und mehrerer kaiserzeitlicher Münzen belegen eine Begehung des Areals von der Urnenfelderkultur bis in die Spätantike.

Im südlichen Bereich der Fundstelle kamen auf dem Grundstück 1426 zudem sieben spätantike Körpergräber, darunter eine Doppelbestattung, zu Tage. Sämtliche Gräber sind alt beraubt, von den Grabbeigaben sind lediglich Keramikgefäße und einige Kleinfunde erhalten. Aus einem Frauengrab stammt ein Schminkset mit langer Bronzespatel und einer kleinen rechteckigen Steinplatte zum Zerreiben von Farbpigment.

Ausgegraben in Oberösterreich - weitere Beiträge:
Linz: Mittelalterlicher Wehrturm entdeckt
Römische Villa in Moosdorf
Pipeline in die Eisenzeit


Druckersymbol Druckversion