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Linz: Mittelalterlicher Wehrturm gefundenErgebnis der archäologischen Untersuchungen am Pfarrplatz in Linz

Das Grabungsteam ist winterfest!

Bei der archäologischen Untersuchung wurden die Fundamentreste eines mittelalterlichen Wehrturmes aufgefunden. Der hufeisenförmige Turm (1) ist an die Stadtmauer (2) angebaut. Der Wehrturm ist auf einigen historischen Ansichten eingezeichnet.

Ansicht Matthäus Merian 1649
Im Zentrum die Stadtpfarrkirche, davor die mittelalterliche Stadtmauer mit dem Wehrturm. Weiter vorgelagert die mächtige neuzeitliche Befestigung und der Graben.

Fundmaterial Grabung Pfarrplatz:
Blau dekoriertes Steinzeug des 18. Jhs. – "Importstücke" aus dem Westerwald

Bei der Errichtung der Tiefgarage am Pfarrplatz in Linz werden zur Zeit archäologische Untersuchungen durchgeführt. Das Grabungsteam stieß dabei auf die Fundamentreste eines mittelalterlichen Wehrturms.

An der Stelle des Platzes befand sich bis zum frühen 19. Jahrhundert die Linzer Stadtbefestigung. Da die mittelalterliche Stadtmauer den militärischen Anforderungen nicht mehr genügte, wurde im 16. Jahrhundert unmittelbar davor eine mächtige Befestigung mit Mauer und Graben errichtet, die auch Kanonen standhalten sollte.
Nach der Bewährungsprobe in den Bauernkriegen (1626) und während den Belagerungen der Stadt Linz zur Zeit des Österreichischen Erbfolgekrieges (1742) verlor die Befestigung nach den Franzosenkriegen (1800-1809) ihre Bedeutung. Ab 1822 wurden die Mauern geschleift und die Gräben einplaniert.
Seine heutige Form erhielt der Pfarrplatz im Jahre 1872 durch die Abtragung des Lateinschulgebäudes und des dazugehörigen „Schulertürls“, das lange als wichtiges Eingangstor in die Stadt diente.

Nach längerer Planung wurde 2005 mit der Errichtung einer viergeschossigen Tiefgarage am Pfarrplatz begonnen. Im Vorfeld des Baues wurden bereits im Mai die Erdarbeiten für die Leitungsverlegung und im September der Vorhaushub für die Errichtung der äußeren Schlitzwände archäologisch begleitet. Dabei zeigte sich, dass im Bereich des alten ehemaligen Friedhofes an der NO-Seite der Kirche keine Gräber vorhanden waren. Offenbar wurden diese 1872 bei der neuen Platzgestaltung  restlos entfernt.
Erst nach der Fertigstellung der äußeren Schlitzwände der Tiefgarage konnte am 9. Dezember mit mehrmonatiger Verspätung mit der archäologischen Untersuchung begonnen werden. Unter massiven Planierschichten aus dem 19. Jahrhundert kamen im Südwest-Eck des Pfarrplatzes in rund 2,5 m Tiefe erste Mauer- und Fundamentreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der Stadtmauer und eines angebauten Turmes, zu Tage.

Das Fundmaterial der Grabung zeigt einen bunten Querschnitt der Sach- und Alltagskultur der späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Neben zahlreichen Keramikbruchstücken gelangten auch Glas- und Eisenfragmente sowie Tierknochen als Abfall in die Verfüllungs- und Planierschichten des ehemaligen Stadtgrabens. Neben unglasierter Schwarzhafnerkeramik des 15. und 16. Jahrhunderts kamen auch Bruchstücke importierter Steinzeuggefäße des 18. Jahrhunderts aus dem Westerwald zum Vorschein. Wie die Funde zahlreicher bunt glasierter Ofenkacheln zeigen, wurden bei der Verfüllung der Stadtgräben zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch aus der Mode gekommene Rokoko-Kachelöfen entsorgt.

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