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Kaiserin Elisabeths BrautkleidSisis Brautkleid - ein Pluviale - eine Paramentenkammer und Japan?

Die Wallfahrtskirche Maria Taferl in Niederösterreich birgt neben zahlreichen Kunstwerken einen ganz besonderen Schatz.

Unter den rund 1000 Paramenten findet sich ein Vespermantel, Pluviale, der – so die Überlieferung – aus dem Brautkleid der Kaiserin Sisi gefertigt wurde.
Die besondere Verbundenheit des Hauses Habsburg mit diesem Marienwallfahrtsort könnte durchaus der Hinweis dafür sein, wie das Pluviale mit seiner bemerkenswert aufwendig gestalteten Stickerei nach Maria Taferl kam.
 
Das Pluviale wurde aus Teilen des Brautkleides angefertigt. Einzelne gestickte Blatt- und Blütenmotive sind zusätzlich appliziert um eine harmonische Komposition zu erreichen.
Die Stickerei ist aus Silberplasch und Silberschnürchen, in Lege- und Sprengtechnik ausgeführt. Als Stickgrund wurde cremefarbiges Seidenripsgewebe verwendet. Diese Art der Sticktechnik kam ab der Mitte des 19. Jahrhunderts häufig zur Anwendung.
Bei einem Brandschaden Mitte des 20. Jahrhunderts, verursacht durch ein heißes Weihrauchfass, wurden Teile des Seidenripsgewebes beschädigt, diese Bereiche sind erneuert. Der Vespermantel wird seit diesem Ereignis nicht mehr verwendet.
 
Bevor das Pluviale nun als Exponat für die Ausstellung „Elisabeth von Österreich, Mensch und Mythos“ nach Japan reist, unterzog man es dafür einer restauratorischen Begutachtung. Dabei wurden auch einige Konservierungsmaßnahmen durchgeführt. So fertigte man etwa für den Transport in einer zweistufigen Klimakiste eine wattierte Decke an, in der das Pluviale eingeschlagen liegt.
 
Neben diesem kostbaren Pluviale werden aber noch weitere zahlreiche kostbare Paramente in der Paramentenkammer aufbewahrt. Sie bedeuten sowohl einen historischen als auch steigenden materiellen Wert, da es sich um außerordentlich kunstfertige Arbeiten handelt, die im Zusammenhang mit dem Wallfahrtsort Maria Taferl, der Wallfahrtskirche und ihrer Ausstattung des 18. und 19. Jahrhunderts stehen. Dieses in Material und Ausführung in hochwertiger Qualität gefertigte Kunsthandwerk, das in der Gegenwart so nicht mehr hergestellt und ersetzt werden kann, braucht zur Erhaltung eine auf hohem konservatorischem Niveau konzipierte Lagerung und Handhabung.
In Maria Taferl erfüllt die Konzeption der Paramentenkammer sämtliche aktuellen Zielsetzungen der Textilkonservierung. Die Paramente lagern liegend und ganzflächig ausgebreitet in Paramentenschränken mit ausziehbaren und mit Lüftungslöchern versehenen Laden. Die Laden selbst wurden vorher mit einem Baumwollstoff ausgelegt, und die Messgewänder durch säurefreies Seidenpapier von einander getrennt. Wesentliche Zielsetzung der Aufbewahrung ist, dass die wissenschaftliche Bearbeitung und konservatorische Begutachtung in der Paramentenkammer selbst möglich ist, ohne die Textile herausnehmen und berühren zu müssen und ohne zeit- und personalaufwendigen Transport an einen anderen Ort mit anderen Klimaverhältnissen. Für die fachgerechte Lagerung selbst fertigte man Pölster aus Baumwollgewebe, gefüllt mit Acrylwatte, an, die vor allem die Schulterpartien der liturgischen Gewänder stützen. Mit dieser Maßnahme werden Bruchstellen an den historischen Stoffen vermieden. Für einen ausreichenden Lichtschutz sorgen eigens angefertigte Fensterläden.
Da viele der in Maria Taferl gelagerten Paramente auch weiterhin für den Gottesdienst verwendet werden, wurde ein fahrbarer Tisch in gut handhabbarer Höhe angefertigt, mit dem die Textilien vom Depot in die Sakristei der Wallfahrtskirche gebracht werden.
 
Wenn das Pluviale aus dem Brautkleid der Kaiserin Elisabeth im Frühjahr 2013 aus Japan zurückkehren wird, wird es dank all der beschriebenen Maßnahmen möglich sein, dieses konservatorisch vorbildlich - in einem Brand geschützten und Alarm gesicherten Raum mit hygroskopischer Überwachung - zu lagern.
 
E. Macho, P. Weiss
 
Glossar:
Hygroskopische Überwachung, Überwachung der Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit zur Raumtemperatur, um in einem Depot möglichst konstante Bedingungen zu schaffen.
Paramente, textile kirchliche Gebrauchs- und Schmuckgegenstände zur Ausstattung des Kirchenraumes sowie liturgische Gewänder (Katalog „Paramente! historische liturgische Textilien“ Sonderausstellung 2011 Diözesanmuseum St. Pölten).
Pluviale (lat. Pluvia = Regen), liturgisches Gewand; halbkreisförmiger ärmelloser mantelähnlicher Umhang, der vorne mit einer Schnalle verschlossen wird. Auf der Rückseite befindet sich meistens ein reich verzierter Schild (Cappa), der sich aus der Kapuze entwickelt hat. Ein Pluviale ist oft sehr kunstvoll und kostbar bestickt. Es wird zur feierlichen Vesper, zur Andacht und zu Prozessionen getragen.

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