Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Verschüttet, nicht vergessen

Reste des Gewölbeansatzes und eines ehemaligen Wehrturms.

Gesamtansicht des "verschütteten Raums" unter dem Linzer Schloss.

Im Vordergund: Stahlkonstruktion für die zukünftige BesucherInnen-Ebene.

Lose Teile werden händisch vom Bruchsteinmauerwerk abgebürstet.

Fahrender Streinmetz beim Entfernen von Zementplomben.

Ein bisher verschütteter Bereich im Kellergeschoß des Linzer Schlosses wird nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

Dem großen Brand vom 18. August 1800 fielen der gesamte Südflügel und Teile des Mitteltraktes des Linzer Schlosses zum Opfer. Sie wurden nicht mehr wieder hergestellt. Im Zuge der Ausgrabungen 2006-2009 anlässlich des Neubaues des Schloss–Südtraktes konnten seitens der Oberösterreichischen Landesmuseen diese Areale unter Leitung von Dr. Christine Schwanzar untersucht werden, den Abschluss der Ausgrabungen bildete die Freilegung des verschütteten Raumes unter dem Westtrakt.

Spannende Baugeschichte

Dieser entstand auf den verbliebenen Kellermauern des Südtraktes, war mit Sand und feinem Schutt angefüllt und diente als zusätzlicher Unterbau für den hölzernen Boden des darüber liegenden Raumes. Damals konnte man in diesem Fundamentbereich unter dem Boden des Erdgeschosses durch einen schmalen hölzernen Stollen das Schloss unbemerkt verlassen oder betreten. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte man diesen Gang durch Zumauern außer Betrieb. Das Bodenniveau wurde angehoben und auf die Mittelpfeiler eine Betonkonstruktion mit Moniereisen gelegt, darüber kam dann der eigentlichen Boden, den man beim Umbau des Schlosses zum Museum mit einem neuen Betonestrich übergoss.

Adaptierung als Ausstellungsraum

Nun wird in Zusammenarbeit mit dem Landeskonservatorat OÖ die bis zu 9 Meter hohe „Halle“ sanft saniert und für eine Dauerausstellung über das Schicksal Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma vorbereitet.
Neben dem Einbau einer Stahlgitterebene für die BesucherInnen wird zur Raumtemperierung und Reduzierung der Feuchtigkeit eine Fußbodenheizung in einem Estrich aus Kalkmörtel verlegt. Die historischen Bruchsteinmauern werden derzeit vorsichtig von Erde und Staub gereinigt. Sie zeigen neben ihrer faszinierenden Konstruktion und Dimension auch gut die wechselhafte Baugeschichte des Linzer Schlosses.

So lassen sich verschiedene Gewölbe und Türausbrüche im Wandbild ablesen. In die Zeit Anfang 16.Jhs., also beinahe 100 Jahre vor dem Neubau des Schlosses, sind die Reste des teilweise erhalten Rundturms im verschütteten Raum zu datieren. Sein äußerer Durchmesser beträgt 9,5 Meter, die Mauerstärke 2,5 Meter. Stellenweise ist er noch mehr als fünf Meter hoch erhalten. Im Inneren finden sich Pfostenlöcher von vierkantigen Balken, die den alten Holzboden des ersten Geschosses getragen hatten.

Für die Arbeiten kommen neben den MitarbeiterInnen des Schlossmuseums und des Bundesdenkmalamtes auch wieder fahrende Handwerker zum Einsatz, die nach Abschluss der Arbeiten an der Burgruine Falkenstein nun nach Linz weiter gezogen sind.

Der „verschüttete Raum“ wird am 3. November 2011 eröffnet. Am 4. November 2011 findet ein Symposium zum Thema „Dem Verschütteten Raum geben – Ein Erinnerungs-Update“ statt. Der Raum ist ab 4. November der Öffentlichkeit zugänglich. 

Druckersymbol Druckversion