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Modern, aber nicht neu. Eine Nachlese

Franz-Novy-Hof, Mosaik von Rudolf Schatz, 1957.
© BDA, Bettina Neubauer

Präsidentin  Barbara Neubauer diskutiert mit Landeskonservator Friedrich Dahm und Ministerialrat Bruno Maldoner nach einem Vortrag im Rahmen der LandeskonservatorInnentagung 2011 im Böckl Saal der TU Wien.
© BDA, Bettina Neubauer

Diskussion im Böckl Saal der TU Wien.
© BDA, Bettina Neubauer

Am Weg zum 1969-1976 von Roland Rainer geplanten Komplex des ORF Zentrums am Küniglberg.
© BDA, Bettina Neubauer
 

Generaldirektor Alexander Wrabetz begrüßt Präsidentin Barbara Neubauer, Landeskonservator Friedrich Dahm und die TagungsteilnehmerInnen des Bundesdenkmalamts im ORF Zentrum. 
© BDA, Bettina Neubauer

Besuch der TagungsteilnehmerInnen auf der Großbaustelle des 1970-1974 von Roland Rainer errichteten Stadthallenbades.
© BDA, Bettina Neubauer
 

Architekt Georg Driendl erklärt die Lichtführung im neugestalteten Gardarobengeschoß des Stadthallenbades.
© BDA, Bettina Neubauer

Blick in die offene Halle des 1958/1962 von Karl Schwanzer für die Weltausstellung in Brüssel geplanten und später nach Wien transferierten 20er Hauses.
© BDA, Bettina Neubauer

Intensive Gespräche zwischen dem Bundesdenkmalamt und Architekt Krischanitz ermöglichten die entwurfskonforme Neuherstellung der architektonisch prägenden Glasfassaden des 20er Hauses.
© BDA, Bettina Neubauer
 

Besichtigung des denkmalgeschützten ehemaligen Bürogebäudes Hoffmann-La Roche (1962 von Arch. Georg Lippert), das 2011 von Atelier Heiss Architekten zu einem Hotel adaptiert wird.
© BDA, Bettina Neubauer

Geschäftsführer Florian Weitzer und Direktor Michael Pfaller konnten bereits die Musterzimmer im neuen Hotel Daniel im ehemaligen Hoffmann-La Roche Gebäude (1962 von Georg Lippert) beim Belvedere präsentieren.  
© BDA, Bettina Neubauer
 

Nach teilweiser Zerstörung des Bundeskanzleramtes durch einen Bombentreffer im  Weltkrieg bekam Oswald Haerdtl 1948 den Auftrag zur Umgestaltung der Repräsentationsräume. Unzählige von ihm zeittypisch entworfene und trotzdem zeitlos elegante Ausstattungsdetails, wie z. B. eine Uhr, konnten aus der Nähe bestaunt werden.
© BDA, Bettina Neubauer
 

Ein Highlight der Exkursionen war die Fahrt mit der Donaupark-Liliputbahn zum höchsten Gebäude Österreichs, dem denkmalgeschützten Donauturm (1962-1964 von Hannes Lintl).
© BDA, Bettina Neubauer
 

Bei der Besichtigung verschiedener architektonisch bedeutender Innenstadt- und Geschäftslokale (z.B. von Hans Hollein) stand natürlich auch das Kleine Café (1974) von Architekt Hermann Czech auf dem Programm.
© BDA, Bettina Neubauer

In der Eingangshalle des von Oswald Haerdtl geplanten und 1959 eröffneten Wien Museums begrüßte Direktor Wolfgang Kos die TagungsteilnehmerInnen. 
© BDA, Bettina Neubauer

Bei der Besichtigung des Wien Museums vor den Ausstellungsplakaten der 1960er Jahre verabschiedet Präsidentin Barbara Neubauer die TagungsteilnehmerInnen.
© BDA, Bettina Neubauer

Blick auf die TeilnehemerInnen der Podiumsdiskussion im Rahmen der LandeskonservatorInnentagung 2011 mit Adolf Krischanitz, Barbara Neubauer, Christoph Chorherr, Hermann Czech, Wolfgang Kos und Franziska Leeb.
© BDA, Bettina Neubauer
 

 

Publikumsandrang bei der Podiumsdiskussion im Prechtl Saal der TU Wien.
© BDA, Bettina Neubauer

Präsidentin Barbara Neubauer und Landeskonservator Friedrich Dahm begrüßen die Architekten Hans Hollein, Dimitris Manikas und Karl Mang. 
© BDA, Bettina Neubauer
 

Team des Landeskonservatorats für Wien im 1951 von Oswald Haerdtl im Volksgarten errichteten Milchpavillon.
© BDA, Bettina Neubauer

Die LandeskonservatorInnentagung 2011 des Bundesdenkmalamts beschäftigte sich vom 17. bis 20. Mai 2011 mit der Architektur nach 1945 in Wien.

Ein Wandmosaik von Rudolf Schatz erinnert eindrucksvoll an den Aufbruch der Stadt Wien in die architektonische Moderne. 1957 inszenierte Schatz in der Koppstraße 97-101 (Wien, 16.) die ArchitektInnen als Helden jener Zeit. Die Geschichte hat die Utopie des Bauens für eine neue, bessere Welt mittlerweile eingeholt. Die öffentliche Rezeption der Architektur nach 1945 ist gespalten, die Gebäude selbst sind in die Jahre gekommen. Es liegt nicht zuletzt am Bundesdenkmalamt, die gebauten Zeugnisse jener Zeit zu erforschen und ihre Erhaltung in enger Abstimmung mit den EigentümerInnen abzusichern. Eine Vielzahl von Unterschutzstellungen und Veränderungsverfahren bezeugen die immer intensivere amtliche Beschäftigung mit diesem Thema. Ebenso spiegelt sie sich in der Teilnahme von VertreterInnen des Bundesdenkmalamts an entsprechenden Konferenzen oder Kursen und der Mitorganisation der internationalen Fachtagung „Nobodys Darling?“ zur Nachkriegsarchitektur im Jahr 2010 wieder. Das hehre Anliegen der Bewahrung der Architektur der Nachkriegszeit wird freilich nur dann zum Erfolg führen, wenn ein gesellschaftlicher Konsens über die historische und baukünstlerische Bedeutung der Nachkriegsarchitektur hergestellt werden kann.

Diesem Ziel verpflichtete sich die vier Tage dauernde LandeskonservatorInnentagung 2011 des Bundesdenkmalamts in Wien. Die amtsinterne Tagung versammelte über 60 KollegInnen aus den Bundesländern und den zentralen Fachabteilungen sowie zahlreiche Gäste aus den Denkmalämtern der Nachbarländer. Die Fachvorträge und das Exkursionsprogramm der MitarbeiterInnen aus dem Landeskonservatorat für Wien sollten der inneramtlichen Verständigung über den Umgang mit den denkmalpflegerischen Problemstellungen mit der Architektur nach 1945 dienen. Die Tagung wurde nach einer Begrüßung durch Präsidentin Barbara Neubauer (BDA) durch Ministerialrätin Elsa Brunner (bmukk, Sektion IV – Kultur) eröffnet. Nach einer umfassenden architekturhistorischen und denkmaltheoretischen Einführung in das Thema wurden am ersten Tag Fragen der Unterschutzstellung der Nachkriegsarchitektur diskutiert. Beispielhaft beleuchteten zwei Vorträge die Geschäftsausstattungen von Hans Hollein in der Wiener Innenstadt und die Bewertung der Denkmalqualitäten des ORF Zentrums von Roland Rainer. Bei der Exkursion auf den Küniglberg ließ es sich der Hausherr, Generaldirektor Alexander Wrabetz (ORF), nicht nehmen, die TagungsteilnehmerInnen persönlich zu begrüßen und sie über die komplexen Rahmenbedingungen der Standortentscheidung des ORF zu informieren.

Die drei folgenden Tage standen im Zeichen der Denkmalpflege. Wie kann der denkmalgeschützte Bestand der Architektur nach 1945 nachhaltig in Stand gesetzt werden und als lebendiges architekturhistorisches Zeugnis an künftige Generationen weitergegeben werden? Fragen zur Entwicklung geeigneter Nutzungskonzepte sowie einer entwurfs- und materialgerechten Planung zeigen die Herausforderungen der denkmalpflegerischen Veränderungsverfahren. Im Rahmen der Vorträge und Exkursionen wurden so unterschiedliche Gebäude wie die Reihenhaussiedlung von Roland Rainer in der Veitingergasse, sein Stadthallenbad, das 20er Haus von Karl Schwanzer, das ehemalige Hoffmann-LaRoche Gebäude von Georg Lippert, die Konzilsgedächtniskirche von Josef Lackner, die Plattenbausiedlung in der Siebenbürgerstraße von Oskar und Peter Payer, der Donauturm von Hannes Lintl oder das Wien Museum und die Ausstattung des Bundeskanzleramts von Oswald Haerdtl vorgestellt und besucht. Als besonders fruchtbar erwies sich das Einbeziehen der EigentümerInnen und ArchitektInnen im Rahmen der Exkursionen. Adolf Krischanitz (20er Haus), Georg Driendl (Stadthallenbad) oder Christian Heiss (Hotel Daniel im ehem. Hoffmann-LaRoche Gebäude) erläuterten aus der Sicht der Architekten ihre Zusammenarbeit mit den Eigentümern und dem Bundesdenkmalamt im Planungsprozess. Wolfgang Kos (Wien Museum), Helmut Jerabek (Stadthallenbad), Larry Williams (Fertighaussiedlung Veitingergasse), Florian Weitzer und Michael Pfaller (Hotel Daniel im ehem. Hoffmann-LaRoche Gebäude) schilderten die Herausforderungen im Umgang mit der Nachkriegsarchitektur aus Eigentümersicht.

Ein Novum im Rahmen der LandeskonservatorInnentagungen war das Nachmittagsprogramm des 19. Mai. Das Bundesdenkmalamt öffnete die Tagung für die Allgemeinheit und versuchte in der Diskussion mit VertreterInnen aus Politik, Architektur und Kulturgeschichte Impulse für die nachhaltige Sicherung des architektonischen Erbes der Nachkriegszeit zu geben und auf der anderen Seite Anregungen aus den Diskussionen zum denkmalpflegerischen Umgang mit der Architektur jener Zeit mitzunehmen. Nach der einleitenden Begrüßung durch Präsidentin Barbara Neubauer (BDA) wurde die Tagung vom Sektionschef Michael P. Franz (bmukk, Sektion IV – Kultur) eröffnet. Bruno Maldoner (bmukk, Sektion IV – Kultur) stellte den Bestand der österreichischen Nachkriegsarchitektur aus einer kulturpolitischen Perspektive vor. Franz Kobermaier (Stadt Wien, MA 19 - Architektur und Stadtgestaltung) informierte gemeinsam mit Vladimir Slapeta (TU Brünn) über ein gemeinschaftliches Inventarisierungsprojekt der Städte Wien und Brünn. Astrid Hansen (Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein), Ulrike Wendland (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt) und Catherine Dumont d’Ayot (ETH Zürich) weiteten den Blick über die Grenzen nach Deutschland und in die Schweiz. Mit den Vorträgen wurde der Boden für die Podiumsdiskussion am Abend bereitet. Christoph Chorherr (in Vertretung von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou), Hermann Czech (Architekt), Wolfgang Kos (Wien Museum) und Adolf Krischanitz (Architekt) diskutierten unter der Leitung von Franziska Leeb (Publizistin) mit Präsidentin Barbara Neubauer (BDA), die nicht zuletzt die Bedeutung der öffentlichen Vermittlung der Anliegen des Denkmalschutzes betonte. Ein Blick in den übervollen Prechtl Saal der TU Wien bestätigte eindrucksvoll, dass die Anliegen der Denkmalpflege von großem gesellschaftlichen Interesse sind.

Dem intensiven Bemühen aller MitarbeiterInnen aus dem Landeskonservatorat für Wien und der externen UnterstützerInnen unter der Leitung von Landeskonservator Friedrich Dahm ist es zu verdanken, dass die Tagung erfolgreich organisiert werden konnte. Lebhafte Diskussionen während der Pausen sorgten für einen intensiven und fruchtbaren Gedankenaustausch unter den TeilnehmerInnen. Eine Vorführung historischer Filmaufnahmen aus den Beständen des Filmarchivs Austria und des ORF war der Höhepunkt des abwechslungsreichen Abendprogramms. Zur guten Stimmung trug auch das prachtvolle Frühsommerwetter bei.  

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