Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Angeordnetes Gedenken„Den Kampf bestanden sie mit Leib und Seele, und in einem kurzen Augenblick verschieden sie“ (Perikles)

Das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf im Jahr 2009

Das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf im Jahr 2009 © BDA

Das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf, 1938-45

Das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf, 1938-45 © privat

Der Husarentempel bei Mödling, 1813

Der Husarentempel bei Mödling, 1813

Das Kyffhäuserdenkmal bei Bad Frankenhausen, D

Das Kyffhäuserdenkmal bei Bad Frankenhausen, D, 1896 © www.deutsche-schutzgebiete.de

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, 1898 - 1913

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, 1898 - 1913 © privat

Bismarcksäule

Bismarcksäule bei Hildesheim, D, 1906 © Seele S. / Kloss G., Bismarck-Türme und Bismarcksäulen, Petersberg 1997

 

Oskar Strnad formulierte die auch für das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf gültigen Richtlinien zur E

Oskar Strnad formulierte die auch für das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf gültigen Richtlinien zur Errichtung eines Kriegerdenkmals © ÖNB, Bildarchiv

Entwurf von Oskar Strnad für ein Kriegerdenkmal "in waldiger Talgegend"

Entwurf von Oskar Strnad für ein Kriegerdenkmal "in waldiger Talgegend" aus: Soldatengräber und Kriegsdenkmale", 1915 © privat

Das Wappenschild Österreich-Ungarns mit dem verbindenden Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen

Das Wappenschild Österreich-Ungarns mit dem verbindenden Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen © BDA

Feier der Deutschmeister zum Gedenken an die Schlacht bei Sokal 1915

Nach der Feier der Deutschmeister zum Gedenken an die Schlacht bei Sokal 1915 - in der ersten Reihe ist Erzherzog Eugen erkennbar, der letzte weltliche Hochmeister des Deutschen Ordens, 1937 © ÖNB, Bildarchiv

Postkarte von Bruckneudorf

Postkarte, links oben das Kriegerdenkmal, zwischen 1938 und 1945 © privat

Das Kriegerdenkmal in Bruckneudorf wird restauriert.

Das Kriegerdenkmal von Bruckneudorf ist als bemerkenswertes Beispiel gebauten Gefallenengedenkens im Burgenland von singulärer Bedeutung. Es wurde von offizieller Seite im Ersten Weltkrieg initiiert, auch zur Betonung des Zusammengehörigkeitsgefühls im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Die Anwendung historischer Zitate durch den Ingenieurarchitekten machte aus der „sprechenden Architektur“ ein Monument, das auch nachfolgende Regierungen ihren Ansprüchen gemäß adaptieren konnten.


Das älteste bekannte Zeugnis des Gefallenengedenkens stellt die Rede des Perikles zur Erinnerung an die im Krieg gegen Sparta gefallenen Athener dar. Das früheste dem unbekannten gefallenen Soldaten gewidmete Kriegerdenkmal in Österreich ist der Husarentempel auf dem Kleinen Anninger bei Mödling. Er wurde 1813 von Josef Kornhäusel auf Initiative von Fürst Johann Liechtenstein errichtet. Anders als etwa in Preußen blieb die Ehrung des gefallenen Soldaten in Österreich im 19. Jahrhundert ein Einzelfall: In Tirol wurde in bescheidenem Ausmaß der in den Freiheitskämpfen gefallenen Bürger gedacht, 1858 wurde mit dem „Löwen von Aspern“ von Anton Dominik Fernkorn den 1809 gegen die Truppen Napoleons gefallenen Kriegern ein Erinnerungsmal gesetzt. Der mit dem Werden des Deutschen Kaiserreichs 1871 in Deutschland einsetzende Denkmalboom sollte im österreichischen Kaiserreich keinen Widerhall finden. Monumentale Anlagen, wie das Kyffhäuser-Denkmal (1896), das dem deutschen Reichsgründungsmythos geweiht ist, oder das Völkerschlachtdenkmal von Leipzig (1898-1913) finden sich auf dem Gebiet der ehemaligen Monarchie nur wenige: etwa das zum Gedenken an die Schlacht bei Austerlitz 1805 in den Jahren 1910/12 errichtete "Monument des Friedens" bei Brünn (Mohyla miru Prace u Brno).


Mit dem Ersten Weltkrieg veränderte sich die Einstellung zum Gedenken an die Gefallenen entscheidend. Auf den anfänglichen Hurrapatriotismus zu Kriegsbeginn folgte alsbald die Desillusionierung: Bis Dezember 1914 waren bereits 115.000 Tote, 385.000 Verwundete sowie hunderttausende Kriegsgefangene und Vermisste zu verzeichnen. Diese traumatische Erfahrung musste mittels gezielter Heroisierung des Kriegstodes kompensiert werden. Bereits im zweiten Kriegsjahr wurden daher Leitsätze für die Errichtung von Gefallenendenkmälern erstellt und an die Gemeinden verteilt. Von Bedeutung war die Initiative des k.k. Gewerbeförderungsamtes in Zusammenarbeit mit der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, wo als Lehrer wirkende Künstler wie Josef Hoffmann, Franz Barwig oder Oskar Strnad mit ihren Schülern Kriegerdenkmäler entwarfen. Das im folgenden Jahr gemeinsam herausgegebene Werk „Soldatengräber und Kriegsdenkmale“ sollte richtungsweisend werden. Strnad (1879 – 1935), Architekt und Bühnenbildner, formulierte die auch für das Kriegerdenkmal Bruckneudorf gültigen Richtlinien zur Errichtung eines Kriegerdenkmals: „Nicht die Form an und für sich gibt den Ausschlag; auch nicht die zufällige Symbolik durch figürlichen Schmuck oder der Text kann die Würde des Denkmals ausmachen, sondern vor allem anderen das vollbeherrschte und richtig festgehaltene Maßverhältnis der Form zur umgebenden Natur, also zum umgebenden Luftraum und zur umgebenden Bewegung zufälliger Naturlinien… Im Freien hat sich das Denkmal gegen die Natur zu behaupten; schwierig ist diese Aufgabe und selten gelingt sie, weil der Maßstab der Natur dazu verführt, dem Denkmal einen unmöglichen Maßstab oder konstruktiv unmögliche Formen zu geben. Daher mag man das Denkmal im Freien so lassen und rahmen, daß es für sich einen Platz bildet, entweder durch Mauern, durch Bäume oder durch Wasser.“  Strnad forderte ein architektonisches Denkmal mit klarer, ausgewogener Komposition, bei Verzicht auf reichen Dekor.


Dieser Forderung folgt auch das seit 1916 geplante und 1917 auf dem Truppenübungsplatz von Bruck-Kiralyhid (Bruck-Neudorf) auf Initiative und nach Entwurf des Kriegsministeriums erbaute Kriegerdenkmal. In seiner Monumentalität mit sehr reduziertem Dekor und der Gestaltung als raumgreifender Denkmalanlage mit einem zentralen Baukörper, dem ein von Bänken flankiertes Bassin vorgelagert ist, entspricht es weitgehend den Vorgaben von Oskar Strnad. Leitmotiv war – wie im anlässlich der Einweihung 1917 publizierten „Entwurf für die Kriegsfürsorge-Aktion und Einweihungsfeierlichkeiten“ erwähnt, der – im Hinblick auf die vielen im Brucker Lager auszubildenden Soldaten - erzieherische Gedanke: „Durch die Aufstellung im Brucker-Lager gewinnt dieses Denkmal noch besondere Bedeutung dadurch, daß dieses Lager alljährlich Söhne aller Länder unserer Monarchie zur Ausbildung in Wehr und Waffen aufnimmt, denen dasselbe ein Sinnbild des Dankes und der Anerkennung der geleisteten Taten ihrer gefallenen Brüder sein wird und ihnen als leuchtendes Symbol dient, wie das Vaterland seine Helden ehrt.“
Im Brucker Lager erhielt insgesamt fast die Hälfte der im Ersten Weltkrieg eingesetzten Soldaten Österreich-Ungarns ihre Schießausbildung. Im Gegensatz zu den zahlreichen nach dem Ersten Weltkrieg in ganz Österreich errichteten Denkmälern sollte das unter der Leitung des Militärbauleiters Ing. Leutnant Max Mauracher von russischen Kriegsgefangenen erbaute Denkmal nicht des namentlich angeführten Individuums gedenken, sondern – wie es auch in der ursprünglich auch auf Ungarisch verfassten Inschrift heißt – ganz allgemein „Den im Weltkrieg Gefallenen“.
Zwei Wege führen am axialsymmetrisch angelegten, von Bänken flankierten Bassin zu einer Treppenanlage. Auf dem dreiseitig angelegten, von Pfeilern gesäumten Stufenpodest ruht ein hoch aufragender, aus Quadern in Sichtbeton gebildeter Turm, in dessen Basis ein von drei Seiten zugänglicher Weiheraum eingerichtet ist. Der mit Lünettenfenstern und Halbsäulen sowie einem bekrönendem offenen Baldachin architektonisch gegliederte turmartige Aufsatz wirkt wuchtig und wehrhaft. Gegen den landschaftlichen Hintergrund schließt die Denkmalanlage mit zwei Flügelmauern ab. Neben der Inschrift beschränkt sich der schmückende Dekor auf das Doppelwappen von Österreich-Ungarn und ein Kreuz an der Hauptfassade. Das bunt gefasste Schild der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit dem verbindenden Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen sowie der Devise „Unteilbar und Untrennbar“ (auf Latein Indivisibiliter ac Inseparibiliter) sollte den hier – im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn - auszubildenden Soldaten aller Nationalitäten der Monarchie die Einheit Österreich-Ungarns beschwörend vor Augen führen. Das 1917 angebrachte Wappen wurde 1959 durch die Wappen Niederösterreichs und des Burgenlands und erst zu Beginn der 1980er Jahre wieder durch das ursprüngliche heraldische Motiv ersetzt. Da im Ständestaat 1934-38 die Heldenehrung im Sinne einer auf Österreich bezogenen Traditionspflege intensiv betrieben wurde, erfolgten neben Neuerrichtungen von Denkmälern auch Umbauten von bestehenden Monumenten. Damals wurde das letzte erhaltene Wiener Stadttor, das Burgtor, zum „Ehrenmal für Alt-Österreichs Heldensöhne von 1618-1918“ (aus der Gedenkschrift anlässlich der Weihe im September 1934) umgestaltet. Auch das Brucker Denkmal wurde in dieser Zeit neu dekoriert: Der Dekorationsmaler Gottlieb Günther schuf für die Flachkuppel des Weiheraums ein – nicht mehr erhaltenes und leider auch nicht in Abbildungen überliefertes – Wandgemälde. Der ansonsten schlichte Sakralraum wird lediglich durch eingestellte dorische Säulen gegliedert.


Typologisch orientiert sich das Monument militärischen Totenkults am tradierten Formenkanon deutscher Monumentalanlagen nach der Reichsgründung 1871: Dem 1898 bis 1913 errichteten Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig vergleichbar ist etwa der dem Monument vorgelagerte Teich, der „Tränenteich der gefallenen Soldaten“, wo sich der turmartige Bau widerspiegelt; ähnlich auch die gedrückten Detailformen, wie das Lünettenfenster im unteren Bereich des Turmaufbaus. In den Dimensionen erinnert das Bruckneudorfer Denkmal an die um 1900 an vielen Orten in Deutschland aus Naturstein errichteten Bismarcktürme. Gemeinsam ist all diesen Bauten, auch dem Bruckneudorfer Monument, der Ausdruck der „Wehrhaftigkeit“. Der entwerfende Ingenieurarchitekt wandte im gegenständlichen Fall ausgiebig historische Zitate an: Derartige „sprechende Architektur“ findet sich im französischen Revolutionsklassizismus, wo massive, stereometrisch geformte, sparsam gegliederte Bauteile aneinander gereiht wurden. Das Motiv des gedrückt wirkenden, von Quadern umrahmten Lünettenfensters wurde vom Stararchitekten des Revolutionsklassizismus, Etienne-Louis Boullée (1728 - 1799), öfters verwendet und in der Folge im 19. Jahrhundert bevorzugt bei Militär- und Befestigungsbauten eingesetzt.

Diese dem Reichskanzler Bismarck (1815 – 1898) gewidmeten deutschen „Wehrtürme“ wurden im Gegensatz zum Völkerschlachtdenkmal und auch der Bruckneudorfer Anlage zur Gänze aus Stein errichtet. Bei Letzterem kam ebenso wie beim Völkerschlachtdenkmal, das zumindest an den sichtbaren Stellen mit Natursteinblöcken verkleidet wurde, ausschließlich Stahlbeton zur Anwendung, der jedoch das Erscheinungsbild bossierter Quader vortäuscht.
Obwohl die Steinbrüche des Leithagebirges nicht weit entfernt sind, erschien es in der Kriegszeit wohl preisgünstiger und einfacher, mit dem damals noch relativ neuartigen Material Beton (Grauzement) zu arbeiten, der vor Ort verarbeitet werden konnte. Trotz der damaligen Notzeit ist ein hoher Ausführungs- und Verarbeitungsstandard erkennbar. Die Sichtbetonelemente haben sich in weiten Bereichen nach fast 100 Jahren in gutem Zustand erhalten.

Bei der in mehreren Jahresetappen durchgeführten Restaurierung lag das Augenmerk daher auf der Sicherung der statischen Basis, da die Fundamente aufgrund des hohen Grundwasserspiegels bereits unterspült waren. Im Sockelbereich mussten aufgrund der gegebenen Grundfeuchtigkeit einige Teile ausgewechselt werden, ebenso eine bereits eingestürzte Flügelmauer. Auch das vorgelagerte Wasserbecken wurde weitgehend erneuert. Ansonsten umfasste das Restaurierprojekt, das 2011 abgeschlossen werden soll, die Reinigung und Hydrophobierung des Turmes sowie die Restaurierung der originalen Eingangstüren.


Weiterführende Literatur: Christina Seidl u.a., Wo sind sie geblieben...? Kriegerdenkmäler und Gefallenenehrung in Österreich, Wien 1992



Druckersymbol Druckversion