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Hügelgräber auf der Schnellstraße Bedeutende Grabungsfunde auf der Mühlviertler Schnellstraße S10.

Fotogrammetrische Dokumentation der Grabkammer in Hügel 5.

Luftbild eines Grabhügels während der Ausgrabung: Untersuchung in tortenförmigen Segmenten. Foto: E. Weinlich.

Manuelle Ausgrabung auf der Großbaustelle.

Archäologen als Forstarbeiter: Die Entfernung der großen Wurzelstöcke auf den Hügelgräbern.

HiTech-Einsatz im Winter: Digitale Vermessung mit einem 3-D Laserscanner.

Die mehr als 3.000 Jahre alten Gefäße aus Grabhügel 6 nach der Restaurierung.

Die typischen doppelkonischen Gefäße dienten als Graburnen und waren mit Leichenbrand gefüllt.

Die Grabung auf der Trasse der Mühlviertler Schnellstraße S10 verlief erfolgreich: bronzezeitliche Hügelgräber konnten vom BDA dokumentiert werden.

Erste Präsentation der restaurierten Funde von den Ausgrabungen in Unterweitersdorf am 13. Oktober 2010 um 19.30 Uhr im Kulturhaus Bruckmühle Pregarten.

Archäologische Fundzone auf Straßentrasse
Die Trasse der S 10 - Mühlviertler Schnellstraße quert im Gemeindegebiet von Unterweitersdorf ein bisher undatiertes Hügelgräberfeld.
Bereits während der Planungsphase für die Trassenfindung wurden die Belange der Denkmalpflege zwischen dem Bundesdenkmalamt, dem Land Oberösterreich und der ASFINAG abgestimmt.
Archäologische Fundzonen und Verdachtsflächen wurden nach luftbildarchäologischen Befliegungen und Trassenbegehungen parzellengenau festgelegt. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung und des Genehmigungsverfahrens betreute ein eigener Fachgutachter für Kulturgüter alle Bau- und Bodendenkmale.

Dokumentation mit Laser-Scans
Aufgrund der technischen Anforderungen für den Straßenbau (wie Kurvenradius und Steigungswinkel) war es leider nicht möglich, die denkmalgeschützten Hügelgräber vor Ort zu erhalten. Die archäologische Ausgrabung sollte das Denkmal vor Ort ersetzen und die bisher im Boden gespeicherten Informationen in neuer Form zugänglich machen. Vorrangiges Ziel der Untersuchung war daher die fachgerechte Dokumentation der archäologischen Befunde und Fundmaterialien.
Im Ablauf des Bauprojektes wurde eine entsprechende Vorlaufzeit für die Ausgrabung eingeplant. Damit stand nicht nur ein ausreichender Zeitraum für die Archäologen zur Verfügung, sondern dies gewährleistete auch die Einhaltung der Termine für den Straßenbau.

Harte (Bau-)Arbeit und bedeutende Funde
Nach der Rodung des Hochwaldes begann das Bundesdenkmalamt im Oktober 2008 mit den Untersuchungen. Bis Sommer 2010 konnten insgesamt 12 Hügelgräber mit einem Durchmesser von bis zu 28 m und einer Höhe von maximal zwei Meter dokumentiert werden.
Um mögliche Zerstörungen von Grabeinbauten oder Funden zu vermeiden, mussten die gesamten Erdarbeiten manuell durchgeführt werden. Die Entfernung der großen Wurzelstöcke auf den Grabhügeln erforderte von den ArchäologInnen nicht nur vollen Körpereinsatz, sondern auch Kälteresistenz: die Arbeiten wurden auch nach Wintereinbruch bei Bodenfrost und Schnee fortgeführt.
In mehreren Hügeln kamen dabei aus Granitsteinen gesetzte Grabkammern zu Tage. Darin befanden sich Brandbestattungen mit Grabbeigaben. Neben Resten von Leichenbrand wurden zahlreiche Keramikbruchstücke freigelegt, die sich im Zuge von aufwendigen Restaurierungen teilweise wieder zu Ganzgefäßen zusammenfügen ließen.
Nach Untersuchung der obertägig sichtbaren Grabhügel wurde auch auf den Flächen dazwischen der Humus maschinell entfernt. Dabei konnten zur großen Überraschung mehr als 20 in die ehemalige Erdoberfläche eingetiefte Urnengräber freigelegt werden.
Wie die Ausgrabungen zeigen, ist das Unterweitersdorfer Hügelgräberfeld in die späte Bronzezeit, in den Zeitraum zwischen dem 13. und 11. Jahrhundert vor Christus, zu datieren.
Mit der Ausgrabung gelang in Oberösterreich erstmals der Nachweis, dass vor etwa 3200 Jahren die Sitte der aufwendig errichten Grabbauten zugunsten von einfachen Urnengräbern aufgegeben wurde und beide Bestattungsweisen gleichzeitig vorkommen. Das Hügelgräberfeld markiert damit genau den Übergang von der späten Bronzezeit zur frühen Eisenzeit.

Ausstellung der Funde
In Kooperation mit den Dorf- und Stadtentwicklungsvereinen der Gemeinden Hagenberg, Pregarten, Wartberg und Unterweitersdorf werden nun die restaurierten Funde am 13. Oktober 2010 um 19.30 Uhr im Kulturhaus Bruckmühle Pregarten erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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