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Bad Radkersburg-Hauptplatz 12
Funde während der Bauarbeiten

© Bad Radkersburg, Museum im alten Zeughaus.

© Museum im alten Zeughaus, Bad Radkersburg

Gotische Türe.

Fresken - Vorzustand vor Restaurierung.

Bad Radkersburg, Hauptplatz 12-Bauforschung


Türe in die Vergangenheit


Hauptplatz 12-Katalog der Kostbarkeiten


Wandmalereien und eine gotische Türe wurden bei bauhistorischen Forschungen entdeckt.

Das heutige Erscheinungsbild des Hauses Hauptplatz 12 (so genanntes Wurmbrandhaus) entspricht dem eines über zahlreiche historische Epochen gewachsenen Denkmalensembles, in dem sich die wechselvolle Geschichte der Stadt Radkersburg widerspiegelt. Besonders hervorzuheben ist die Geschlossenheit und Dichte an historischer Bausubstanz. Aufgrund der geplanten Neunutzung als Teil des Veranstaltungszentrums der Stadt wurde die Voruntersuchung  durchgeführt.
Die äußerst zahlreichen Baudetails aus unterschiedlichen Bauphasen lassen bei diesem Bürgerhaus auf wohlhabende Besitzer schließen.
Die Mauerstrukturen des Gebäudekomplexes lassen sich bis ins Mittelalter (13. Jh.) zurückführen. In die Spätgotik (spätes 15. Jahrhundert und frühes 16. Jahrhundert) fällt die nächste Bauphase. Diese ist sowohl im Erdgeschoß als auch im 1. Obergeschoß fassbar und zeigt sich in Form charakteristischer spätgotischer Werksteinprofile, der Tür- und Fenstergewände sowie der entsprechenden Gewölbeformen. In diese Zeit datiert auch eine Holztüre mit Malereien und mit einem gotischen Türschloss.
Diese mittelalterliche Grundsubstanz wurde in der Renaissancebauphase (Mitte des 16. Jahrhunderts) umfassend überarbeitet. Auch hier sind neben den Gewölben zahlreiche Werksteinelemente wie beispielsweise Gewölbekonsolen hervorzuheben.
Das 2. Obergeschoß des Vorderhauses stellt eine Aufstockung des 18. Jahrhunderts dar. Der etablierte Name Wurmbrandhaus bezieht sich auf den ehemaligen Besitzer des späten 18. Jahrhunderts Franz Joseph Graf von Wurmbrand-Stuppach (*1753, †1801, u. a. Herr der Herrschaft Oberradkersburg), der das Haus im Jahr 1798 von Konstanzia Khlun gekauft hatte.
Im östlichen platzseitigen Erdgeschossraum wurden während der Bauarbeiten durch KR Bürgermeister Peter Merlini Wandmalereien entdeckt. Die Bauarbeiten in diesem Bereich wurden unterbrochen und unter Beiziehung eines Restaurators wurden die Wandmalereien, die in zwei segmentbogenförmigen Nischen liegen, vorsichtig freigelegt. In weiterer Folge kam es zu einer Restaurierung der Malereien, sowie weiterer restauratorischer Untersuchungen im gesamten Raum. Aufgrund der Funde wurde beschlossen, dem Raum eine öffentliche Nutzung zukommen zu lassen und ihn an das nebenan liegende Informationscenter des Hauses Hauptplatz 10 anzubinden. Es wird nun darin die Geschichte des Hauses mit den Wandmalereien, der gefundenen gotischen Türe und offen liegenden Mauerstrukturen präsentiert.

Die gotischen Wandmalereien (Restaurierung Claudio Bizzarri)
Die in Secco (Kalktechnik) ausgeführten Malereien sind frei gemalt (keine Vorzeichnungen) unter Verwendung einer geringen Farbpalette von Rot, Schwarz, gelber Ocker, Grün und Holzkohlegrau. Bei den fragmentarischen Darstellungen handelt es sich um religiöse Inhalte, in der linken Nische ist die „Anbetung der Hl. Dreikönige“ auf einem mit roten Ranken dekorierten Hintergrund zu sehen, in der rechten Nische die vier „Virgines Capitales“ (die wichtigsten Jungfrauen: Hl. Margareta, Katharina von Alexandria, Dorothea und Barbara), wiederum auf einem mit roten Ranken dekorierten Hintergrund.
Stilistisch kann eine Entstehung der Malereien Anfang des 15. Jahrhunderts angenommen werden.
Im Zuge der Restaurierung wurden die Malereien zunächst aufwändig nachfreigelegt und gereinigt. Danach kam es zur Sicherung von Schollen und Rändern und Hinterfüllung von Hohlstellen. Putzfehlstellen wurden ergänzt und der Oberflächenstruktur des reduzierten originalen Putzes angepasst (raue Oberfläche), die zu hellen Oberflächenfehlstellen wurden in „aqua sporca“ Technik integriert. Insgesamt konnte eine bessere Lesbarkeit und Verbindung der Wandmalereifragmente, sowie eine Beruhigung der großen störenden Fehlstellen ohne weitere farbige Ergänzungen erreicht werden.
Auch der Gewölbeputz mit unterschiedlichen historischen Putz- und Farbschichten und Resten eines roten, breiten Randstreifens wurde zunächst von jüngeren, dispersionsgebundenen Farbschichten befreit, danach gekittet und gefestigt und abschließend mit einer Kalktünche lasiert, neue Putzflächen wurden entsprechend dem Bestand ausgeführt. Insgesamt konnte damit hinsichtlich der Oberflächen ein stimmiges Gesamtbild erreicht werden, das der Bedeutung der gotischen Wandmalereien gerecht wird.

Das Gotische Türblatt (Restaurierung Carl Maria Stepan)
Das Türblatt, dessen Entstehung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angenommen wird, war an seinem Fundort im Erdgeschoß des Hinterhauses bereits in Zweitverwendung. Es ist aus drei stumpf gefügten Pfosten in Weichholz (wohl Fichtenholz) mit zwei schlossseitig zur Stabilisierung durchgenagelten Kanthölzern in Kiefernholz gearbeitet.
Aus den in der farbig gefassten Seite ausgesparten Bändern lässt sich schließen, dass die Türe ursprünglich anders herum angeschlagen war. Im Zuge des Umbaues für eine Wiederverwendung wurde der rechte Pfosten des Türblattes beidseitig beschnitten. Schlossseitig wurde das Türblatt teilweise abgehobelt und mit brauner Ölfarbe gestrichen. Nur im oberen Bereich zeigt sich ein etwa 12 cm breiter, ausgesparter Streifen der wohl originalen Graufassung.
Aus der Phase der Zweitverwendung des Türblattes stammen ein gotisches Aufsatzschloss mit einfachem viereckigem Schlüsselschild auf der Gegenseite und zwei, in Rauten endende, außenseitig aufgenietete Bänder in geschmiedetem Eisen.
Die Dekoration der Innenseite des Türblattes war ursprünglich gestaltet in einem von einem breiten weißen Band eingefassten schwarzen Feld und darin durch Vorzeichnung ausgesparten, holzsichtigen Blüten mit stilisiertem Blattwerk, je drei in einer Reihe.
In einer späteren Überarbeitung wurden Blüten und Blätter über einer zweiten, wachshaltigen Schwarzfassung, ohne erkennbares System mit wechselweise Bleimennige (Saturnrot) und Blei-Zinn-Gelb (Massicot) ausgemalt.

Der gotische Baukern (Bauforschung Markus Zechner)
Der unverputzt verbliebene Wandabschnitt in diesem Raum ermöglicht einen Einblick in die frühe Baugeschichte des Hauses.
Das aufgehende Konglomerat - Bruchsteinmauerwerk dürfte aufgrund seiner Schichtung dem 14. Jahrhundert zuzuordnen sein, überlagert aber bereits eine ältere Mauer (schräger Wandrücksprung).
Die an den Mauersteinen ablesbaren Brandspuren bezeugen die verheerenden Feuersbrünste, welche die Stadt vielfach zu bewältigen hatte. Das ebenfalls in Stein gemauerte Gewölbe verweist auf die Zeitepoche vor 1400, als der Ziegel als Baustoff in Radkersburg noch selten zum Einsatz kam.
Die anschließende Wand zum Hof wurde zeitgleich errichtet, erfuhr aber ab der für das Objekt bestimmenden Renaissancebauphase mehrere Veränderungen durch den Einbau von Wandöffnungen.

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