Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

ImmerlichtEin über 400 Jahre altes Meisterwerk der Goldschmiedekunst in der Josefskapelle der Wiener Hofburg

Bild der Grundplatte mit Gravur des Künstlers

„HANS PETZOLT 1598“, sowie sein Meisterzeichen, ein Widderkopf im Wappenschild, steht auf der mit Bajonettverschluss montierten Grundplatte geschrieben.

In der Josefskapelle der Wiener Hofburg befindet sich eine Ewig-Licht-Ampel, die bis heute in ihrer Bedeutung unbemerkt blieb. Es handelt sich dabei um ein Werk eines der bedeutendsten Nürnberger Silberschmiede des späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts.

Die besondere Bedeutung dieser Ewig-Licht-Ampel besteht nicht nur in der außergewöhnlichen formalen Ausführung mit den in alle Richtung weisenden geometrischen Spitzkörpern und ihrem besonderen Alter - sie wurde 1598 geschaffen -  sondern vor allem in der feingliedrigen, ornamentalen, hochwertigen Silberarbeit eines der bedeutendsten Silberschmiede seiner Zeit, die man nun erst nach Reinigung und der jetzt stattfindenden Restaurierung aus der Nähe erkennen kann. Die millimeterfeinen Silberarbeiten, in aufwändigen Verfahren und mit speziellen Werkzeugen durch Schlagen, Schmieden, Ziselieren oder durch Gießen hergestellt, sind von hervorragender Qualität.

Die Ewig-Licht-Ampel ist eine mit Öl gespeiste, Tag und Nacht brennende Lampe in einer Synagoge, Kirche oder Moschee. Der Brauch des Ewigen Lichts, das auf dem siebenarmigen Leuchter brannte und vor der Lade mit dem Gesetz hing, bestand schon in der Antike. Nach rabbinischer Lehre ist - wie im christlichen Glauben - das Ewige Licht ein Symbol der ständigen Gegenwart Gottes.

Der Brauch, Grabampeln Tag und Nacht in Altarnähe brennen zu lassen und sie als Ewiges Licht oder Immerlicht zu bezeichnen, ist seit dem 11. Jahrhundert bezeugt. In den Basiliken wurde nach den Bestimmungen der Synode von Aachen, 836,  das Ewige Licht aus den Spenden der Gläubigen unterhalten.
Die Forschungslage über die noch im Gebrauch befindlichen Ewigen Lichter ist bis auf wenige Ausnahmen dürftig. Die Ewige-Licht-Ampel aus der Josefskapelle der Wiener Hofburg zählt zu den ältesten bekannten und den bedeutendsten Werken dieser Art.

Die Ausformungen für die Gefäße, die das Ewige Licht beinhalten, veränderten sich über die Zeit. Der Typ des Mittelalters besteht aus einem einfachen Glaseinsatz, der mittels einer Metallhalterung aufgehängt wird. War dieser Glaseinsatz in der Romanik noch beutelförmig, lässt sich eine Entwicklung zu einer gestraffteren, kantigeren Form in der Spätgotik erkennen. Ein Typus, der bis gegen 1700 vorkommt, weist einen durchbrochenen Ampelkörper auf, in den das Glasgefäß so eingefügt wird, dass das Licht hindurchscheint. Geschlossene Ampelkörper mit sichtbar aufgesetztem Glasgefäß gibt es bereits im ausgehenden 16. Jahrhundert.

Ornamentaler Schmuck wurde vor allem auf der Wandung der Ampelgefäße und am Ansatz der Aufhängevorrichtung angebracht, die man meist als mehr oder weniger ausladende Henkel formte und häufig figürlich ausbildete.

Für die über 400 Jahre alte Lampe lassen sich drei Restaurierphasen belegen. Nach mehr als 100 Jahren seit der letzten Instandsetzung ist nun eine weitere Restaurierung notwendig geworden. Die Arbeiten werden derzeit von der Wiener Metallrestauratorin Mag. Elisabeth Krebs mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt.


Druckersymbol Druckversion