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Nach 200 Jahren wieder Galerie!"Lange Galerie" der Erzabtei St. Peter in Salzburg wieder erŲffnet

Die "Lange Galerie" nach der Restaurierung

Das Portal zum Wallistrakt der Residenz

Die Domplatzfassade von St. Peter

Portraitbüste Guidobald Graf Thuns über dem Balkon

Mit der feierlichen Eröffnung des Galerieganges in der Erzabtei St. Peter wurde die mehrjährige Sanierung der ältesten Salzburger Gemäldegalerie abgeschlossen. Nach mehr als 200 Jahren wird der Gang nunmehr wieder zur Gemäldepräsentation verwendet.

Der Salzburger Erzbischof Guidobald Graf Thun (1654-1668) hatte es sich im Rahmen seiner ehrgeizigen Baupläne zum Ziel gemacht, den Salzburger Domplatz einheitlich zu gestalten. Der Landesfürst ging dabei wenig zimperlich mit seinem Grundnachbarn, dem Kloster St. Peter um: Er plante, dem mittelalterlichen Kloster einen Gebäudetrakt bis unmittelbar an die Grundgrenze vorzusetzen – mit einer Latrine direkt vor dem Refektorium und den Zellen des Klosters.

Abt Amand Pachler (1657-1673) gelang es schließlich mit verschiedenen Zugeständnissen den Erzbischof zu einer anderen Lösung zu bewegen: Ein neuer, auf Kosten des Kloster St. Peter errichteter Trakt zum Domplatz sollte in seiner Nutzung zwischen Erzbischof und Kloster aufgeteilt werden und den bisherigen nordseitigen Klostertrakt mit Refektorium und Dormitorium ersetzen. Der Erzbischof trat dem Kloster einen Streifen Baugrund und Baumaterial ab, ihm mussten aber der Keller und der Gang im 2. OG des neuen Gebäudes überlassen werden.

Erzbischof Guidobald – auf ihn als Bauherren gehen auch die beiden Dombögen sowie der Residenzbrunnen zurück – bestand zudem auf einer mit der gegenüberliegenden Fassade der Residenz identischen Fassadierung des neuen Traktes. Und: der Konvent von St. Peter musste auf sein Vorgangsrecht bei öffentlichen Prozessionen zugunsten der Domherren verzichten.

Galerie und Mineraliendepot
Von 1657 bis 1661 dauerten die Abbrucharbeiten und die Errichtung des Neubaues am Domplatz, an dessen Fassade der Erzbischof sich mit einer Portraitbüste verewigen ließ.

Bei der künstlerischen Ausgestaltung seines Anteils an diesem neuen Trakt – für die der Erzbischof selbst aufkam – wurde nicht gespart: Der Boden des 70m langen Ganges im 2. Obergeschoß wurde mit Untersberger und Adneter Marmor ausgelegt, das Gewölbe mit kostbaren Stuckaturen durch den aus einer Tessiner Familie stammenden Johann Peter Spätz (1668) ausgestattet. Genutzt wurde der von Norden durch große Fenster ausgezeichnet belichtete Gang für die Gemäldesammlung Guidobalds und seiner Nachfolger auf dem Salzburger Bischofsstuhl, weshalb er bald als "Lange Galerie bey Hof" bezeichnet wurde.

Als in den Wirren der napoleonischen Kriege Salzburg 1803 vorübergehend an Kurfürst Ferdinand III. von Toskana fiel, ließ dieser einen fast 60 Meter langen, verglasten Bücherkasten im Galeriegang aufstellen, in dem fortan verschiedene Sammlungen aufbewahrt wurden. Mehr als 200 Jahre sollten vergehen, ehe der Lange Gang wieder zur Galerie wurde.

Zuletzt bewahrte man die umfangreiche Mineraliensammlung des Stiftes St. Peter in diesem Schrank auf. Denn der Abtei war der Galeriegang 1819 von Kaiser Franz I. von Österreich – dem neuen Landesherren, nachdem Salzburg 1816 an Österreich gefallen war – zugesprochen worden.

Lichte Gemäldegalerie als Teil eines Museumsrundganges
Im Zuge der jetzigen, in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskonservatorat für Salzburg abgeschlossenen Restaurierung des Galerieganges wurden die Malschichten und Putzergänzungen wieder entfernt, die im Laufe der Jahrhunderte vor allem das Aussehen der stukkierten Gewölbe deutlich verändert hatten. Die nunmehr nur mit einer dünnen Kalklasur überzogenen Stukkaturen erhielten so ihre ursprüngliche Prägnanz zurück. Durch den Abbau des langen Vitrinenschrankes, der den Gang durch seine Masse und seine Holzfärbung stark eingeengt hatte, und durch die helle Kalklasur präsentiert sich der Galeriegang heute wieder in seiner ganzen Größe und Helligkeit , eine Offenheit, die durch die hohen feingliedrigen Barockfenster noch betont wird: Ein würdiges Ambiente für die großformatigen Leinwandbilder aus der Kunstsammlung der Erzabtei St. Peter, die hier nunmehr ihren Platz gefunden haben.

In Zukunft soll der Galeriegang seinen Platz im Rahmen des Salzburger Museumsleitplanes finden: Der Gang wird in einen Museumsrundweg eingebunden, der die Residenz über die Dombögen mit dem Dom, dem Wallistrakt der Residenz und dem Galeriegang von St. Peter verbindet und so einen einmaligen Rundgang um den Domplatz im Kernbereiche des barocken Salzburg ermöglicht.

Mit dem Galeriegang hat die Erzabtei St. Peter einen wichtigen ersten Abschnitt dieses Projektes umgesetzt. Für Besucher zugänglich ist der Galeriegang über das Dommuseum Salzburg.

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