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Das Anwesen Zuggawald Nr. 172 in Gargellen/Vbg.Ein Montafoner Paarhof als Beispiel für ein aktuelles Unterschutzstellungprojekt

Detail der Außenwand mit Kellertür

Detail der Außenwand mit Kellertür

Ansicht SW

Plan der Südostansicht

Plan der Südostansicht © BDA Architekturabteilung

Spätbarockes Schloss

Spätbarockes Schloss © BDA

Nord West Ansicht

Nordwest Ansicht © BDA Architekturabteilung

Plan des Obergeschosses

Plan des Obergeschosses © BDA Architekturabteilung

Gemauerte Treppe ins Obergeschoss

Gemauerte Treppe ins Obergeschoss ©BDA

Barocke Eingangstüre

Barocke Eingangstür mit geschnitzten Inschriften und Verzierungen ©BDA

Feuerstelle und Herdanlage

Feuerstelle und Herdanlage © BDA

Wohnhaus und Stall

Wohnhaus und Stall  © BDA

Dendrochronologisches Gutachten


Bauaufnahme


An einem alten Säumerpfad von Vorarlberg in die Schweiz, der sogenannaten Via Valtellina, liegt der eindrucksvolle Montafoner Paarhof "Zuggawald".  Er ist in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet und hat sich auf Grund der stetigen Bemühungen seiner Besitzer heute noch in tadellosem Zustand erhalten.

Vom Montafon in Vorarlberg bildet das Schlappinerjoch die Verbindung in die Schweiz und weiter nach Mailand. Hier wurden auf Saumrossen unzählige Handelsgüter zuerst nach Klosters ins Prättigau und dann weiter in den Süden gebracht. In der Gegenrichtung folgt heute der Weitwanderweg „Via Valtellina“ den Spuren der Säumer. An diesem Säumerweg ist das Anwesen „Zuggawald“ gelegen, das in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet ist.  
Durch einen in dicken Bruchsteinen gemauerten und verputzten Vorbau mit einem offenen Rundbogen betritt man den zweigeschossigen Wohnteil der in einer sehr steilen Hanglage erbauten Anlage. Bereits im Flur ist die schmale gewendelte Treppe ins Obere Geschoss in ihrer reinen Steinbauweise ein besonderer Blickfang. Dem massiven Teil des Wohngebäudes - Flur und der daran anschließenden Küche mit offenem Rauchabzug - ist ein Wohnbereich in Holzblockbauweise vorgelagert. Unter der Stube und der Nebenkammer befindet sich ein ursprünglich einräumiger Kellerraum, der von der Küche über eine Treppe erreicht werden kann.
Das - wie bei Paarhöfen üblich - ursprünglich nicht direkt verbundene Wirtschaftsgebäude ist wie der vordere Wohnbereich in Holzblockweise errichtet. Hier kommt auf Grund der unterschiedlichen Bearbeitung der Rundhölzer die spezielle Charakteristik der Montafoner Stallgebäude zum Ausdruck: Zur besseren Winddichtheit für die Viehställe wurden die Stämme behauen, tiefer ausgekerbt und zusätzlich die Zwischenräume mit Moos ausgestopft. Im Gegensatz dazu wurden im oberen Bereich des Heulagers zur besseren Durchlüftung die Balken mit größerem Abstand eingebaut. Die Dreiteilung der Heukammern im seitlich auskragenden Obergeschoss ist noch erhalten, wobei die mittlere davon als Dreschtenne gedient hat.
Dem Wohntrakt und dem Wirtschaftsgebäude wurde nun durch die im Auftrag des BDA ausgeführten dendrochronologischen Untersuchungen (sieh PDF) ein Entstehen um 1611/12 nachgewiesen.
Eine Seltenheit ist der in den Hang – zwischen Wohn und Wirtschaftsgebäude - an die Küche angebaute, tonnengewölbte Kellerraum. Dieser jedoch könnte früher entstanden sein: Eine Baufuge zwischen den beiden Räumen weist darauf hin, ebenso lässt die eingekerbte Jahreszahl 1590 an einem Stubenwandbalken und wieder verwendete Holzbalken (auf 1545 datiert) auf einen Vorgängerbau aus der Mitte des 16. Jh. schließen.
In einer weiteren Bauphase um 1730 wurde neben kleinen Änderungen im vorderen Kellerraum bergseitig die bestehende Stallscheune durch den Anbau eines Kleinviehstalles erweitert. Nordseitig wurde in den 1950er Jahren noch ein Anbau getätigt.
Auffallend gut erhalten ist die historische Ausstattung des „Zuggawald Hofes“:
Schon beim Eintreten sticht einem das barocke Türblatt der Eingangstüre, das neben geschwungenen Füllungen mit Christus und Marienmonogramm ein barockes Türschloss mit offener Mechanik besitzt, ins Auge. Die andern Türrahmen in beiden Geschossen zeichnet ein besonders niedriger Eselsrücken mit einem eingegerbten Kreuz als Türstock aus.
Als Heizung dient heute noch ein für die Region typischen gemauerten Ofen in der Stube und auf die Herdstelle in der Küche mit offenem Rauchabzug hat sich ebenfalls erhalten.
Die kunstvoll weiß umrandeten Sprossenfenster heben sich mit ihren grünen Läden vom dunklen Holz des Hauses ab und unterstreichen das Gesamterscheinungsbild des Hofes in traditioneller Montafoner Bauweise.
Beim Anwesen Zuggawald ist Dank des verantwortungsbewussten Umganges der Besitzer eine sehr seltene Verbindung von rätoromanischem Steinbau und alemannischem Holzbau erhalten geblieben. Im Hinblick auf die sich ansonsten durch den Tourismus stark verändernden Baulandschaft im Montafon zeigt sich hier sehr deutlich, wie wichtig die Rolle jedes einzelnen Bürgers bei der Bewahrung der Zeugnisse der gebauten Geschichte ist.
Die Anlage steht nun seit dem Herbst 2009 unter Denkmalschutz.

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