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Die № 1 in Sachen Tiergarten

© Franz Zwickl 2009

Blick in die Orang-Utan-Anlage
© Franz Zwickl 2009

ORANG.erie nach der Sanierung des Alten Palmenhauses
© Franz Zwickl 2009

Bestandsobjekt vor Baubeginn 2004.
© Wehdorn Architekten

ORANG.erie nach der Sanierung
© Franz Zwickl 2009

OANG.erie, Veranstaltungsraum mit Blick gegen Süden in die Orang-Utan-Anlage.
© Franz Zwickl 2009

ORANG.erie aus dem Blickwinkel der Orang-Utans.
© Franz Zwickl 2009

ORANG.erie mit Außenanlagen nach Sanierung.
© Franz Zwickl 2009

Historisches Foto um 1920.

Während der Freilegung der Eisen-Glas-Konstruktion
© Wehdorn Architekten 2006

Als bester Zoo Europas ging der Tiergarten Schönbrunn 2009 aus einer Studie der Zoological Society of London hervor. Mit der Neueröffnung der ORANG.erie setzt der älteste Tiergarten der Welt nun einen weiteren Meilenstein in seiner Entwicklung zu einem der modernsten Zoobetriebe. Und das alles im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt...

1745 beauftragte Franz Stephan von Lothringen Architekt Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey mit dem Entwurf für eine Menagerie im Park der neuen Habsburg-Lothringischen Sommerresidenz Schönbrunn. Kernstück der 1752 fertig gestellten Anlage ist bis heute der zentrale achteckig konzipierte Frühstückspavillon, um den die Tiergehege in Kreissegmenten angeordnet wurden. Der stete Zuwachs an exotischen Tieren löste wahre Publikumsanstürme aus und führte ab dem späten 19. Jahrhundert zu einer tier- und besucherfreundlicheren Umgestaltung der historischen Anlagen, die bis zum Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie im Privatbesitz der kaiserlichen Familie blieben. Die schrittweise Entwicklung der kaiserlichen Menagerie zu einem modernen „Zoologischen Garten“ gipfelte im Spitzenplatz in der diesjährigen unabhängigen Studie der Zoological Society of London. Dem Tiergarten Schönbrunn wurden unter den 40 bedeutensten Zoos in 16 Ländern in fast allen Kategorien von der Qualität der Gehege über die landschaftliche Gestaltung bis zum Personal höchste Bewertungen ausgestellt. Die Besucher schätzen besonders die historischen Pavillons und Zoogehege, deren Instandsetzungen seit Jahrzehnten vom BDA betreut werden.

Die erst kürzlich eröffnete ORANG.erie, ein Haus für Menschen und Menschenaffen, stellt die jüngste Erweiterung des Tiergartens Schönbrunn dar. Dabei handelt es sich jedoch um keinen Neubau, sondern um die Adaptierung des bereits verloren geglaubten ältesten noch erhaltenen Palmenhauses von Schönbrunn.
Untersuchungen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie am denkmalgeschützten Gebäude der Filmakademie im Botanischen Garten brachten im Jahr 2000 den Beweis, dass sich in dem stark veränderten Baukörper und hinter der geschlossenen Fassadenfront tatsächlich noch die historische Bausubstanz des Alten Palmenhauses im Wesentlichen erhalten hat.

Die um 1830 im Auftrag Kaiser Franz I. zur Überwinterung von exotischen Pflanzen und Tieren erbaute Orangerie bestach ursprünglich durch seinen repräsentativen Mittelbau mit mächtigen Arkadenöffnungen und seine durch Glas und Eisensäulen aufgelösten Fassaden der Seitentrakte. Erst durch die Errichtung des Großen Palmenhauses im Jahr 1884 verlor das Gebäude seine ursprüngliche Bedeutung. Zu- und Umbauten verwandelten es ab 1920 in ein Filmatelier, das ab der Mitte des 20. Jahrhunderts vom ORF und ab 1973 von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst verwendet wurde.

Im Rahmen der mit dem BDA abgestimmten Generalsanierung  gelangen die Rückführung des ursprünglichen Raumgefüges und die Bespielung des Gebäudes mit drei unterschiedlichen, dem Denkmal adäquaten Nutzungen.
Im ehemaligen Mittelrisalit entstand ein attraktiver Veranstaltungsraum mit Bibliothek auf der Galerie. Der nördliche Seitentrakt beherbergt die Zoopädagogische Abteilung des Tiergartens sowie eine Cafeteria. Im südlichen Gebäudeabschnitt mit anschließendem Freigehege wurde ein neuer großzügiger Lebensraum für Orang Utans geschaffen, deshalb auch die Bezeichnung ORANG.erie.

Besondere Sorgfalt wurde auf die Freilegung und Instandsetzung der für das beginnende 19. Jahrhundert innovativen Fassadenkonstruktion aus Eisen und Glas gelegt, die sich eingemauert im Original erhalten hat. Die historische Konstruktion hat nun gänzlich neue statische, sicherheitstechnische und bauphysikalische Anforderungen zu erfüllen, was nur durch ein ausgeklügeltes Konzept mit innenliegenden, beheizten Verstärkungen der Gusseisensäulen und speziellen Thermogläsern möglich war.
Nach Fertigstellung der Adaptierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen präsentiert sich das Alte Palmenhaus innerhalb des botanischen Gartens wieder in seinem ursprünglichen äußeren Erscheinungsbild und zeigt im Inneren des Mittelrisalits die statisch gesicherten und restaurierten Stahltragwerke kombiniert mit Baudetails in schlichter, zeitgenössischer Architektursprache. Die Verbindung zum Tiergarten erfolgt über einen kurzen unterirdischen Gang mit direktem Sichtbezug zur 750 Quadratmeter großen Freianlage mit bis zu elf Meter hohen Kletterbäumen, Netzen, Schwing− und Kletterseilen. 

Die diffizilen Nutzungsansprüche, insbesondere die Erfüllung der Anforderungen des österreichischen Tierschutzgesetzes für die Haltung von Menschenaffen, stellten neben den denkmalpflegerischen und zeitgemäßen sicherheitstechnischen Auflagen eine zentrale Aufgabe für die planenden Architekten und das BDA dar. Die Planung zur Gestaltung der Orang-Utan-Anlage basiert maßgeblich auf einem präzisen zoologischen und zoopädagogischen Konzept.

Der gelungene Wandel des beinahe zur Unkenntlichkeit veränderten Alten Palmenhauses zur modernen ORANG.erie als Veranstaltungs- und zoologisches Informationszentrum sowie als neue Orang-Utan-Anlage ist vor allem auf die enge Kooperation zwischen der Burghauptmannschaft Österreich, der Schönbrunner Tiergarten Ges. m. b. H., der Österreichischen Bundesgärten, dem BDA, den beteiligten Planern (Wehdorn Architekten ZT GmbH, Arch. DI Peter Hartmann) sowie Fachplanern und Firmen zurückzuführen.

In der interdisziplinären Zusammenarbeit liegt vermutlich auch das Rezept für einen mehr als 250 Jahre alten und erfolgreichen Zoobetrieb, der auch in Zukunft noch viele Auszeichnungen verdient.

Weitere Informationen über den Tiergarten Schönbrunn unter: www.zoovienna.at

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