Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Barocke Wasserspiele und Bierfontänen Die Präsentation des restaurierten Residenzbrunnens in Salzburg

© Stefan Zenzmaier

© Stefan Zenzmaier

Der Residenzbrunnen nach der Restaurierung - eingerahmt von einer Flusskieselpflasterung (© Stefan Zenzmaier)

Der Residenzplatz bei Nacht: Italienisches Flair nördlich der Alpen!
(© Stefan Zenzmaier)

Verlegung der Flusskiesel im Mörtelbett
(© Stefan Zenzmaier)

Der eingehauste Brunnen während der Sanierung vor dem Hintergrund von Dom und Residenz (© Stefan Zenzmaier

Detail auf den Felsbrocken an der Basis des Brunnens
(© Stefan Zenzmaier)

© Stefan Zenzmaier

Im Kubus: Der oberste Teil des Brunnens während der Restaurierung
(© Stefan Zenzmaier)

© Stefan Zenzmaier

Nach einer acht Monate dauernden Einhausung präsentieren das Landeskonservatorat für Salzburg und die Burghauptmannschaft bei einem Festakt das Ergebnis der Restaurierung einer der schönsten barocken Brunnenanlagen nördlich der Alpen.

Ende des 16. Jahrhunderts plante der Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau den großzügigen barocken Umbau der Residenzstadt Salzburg. Im Dombezirk wurden die mittelalterlichen Bürgerhäuser südlich der Michaelerkirche abgebrochen und eine rechteckige Platzanlage zwischen Dom, Residenz und Residenz-Neugebäude angelegt.

Ein halbes Jahrhundert später war es Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein, der 1656 den Auftrag zur Errichtung einer barocken Brunnenanlage im Zentrum des Residenzplatzes gab. 1661 fertig gestellt, orientiert sich der Brunnen an Gian Lorenzo Berninis römischen Meisterwerken der Brunnenbaukunst. Wie die Fontana del Tritone oder die Fontana dei Quattro Fiumi die Herrschaft der päpstlichen Familien der Pamphilj und der Barberini rühmen, so bewahrt der Residenzbrunnen das Andenken der fürstlichen Herrschaft der Erzbischöfe in Salzburg.

Auf einem in der Platzmitte hervorgehobenen Podest erhebt sich das im Grundriss zwei Kreuze und einen Kreis verschränkende Brunnenbecken mit gebauchter, reich profilierter Brüstung, auf der die Wappenkartuschen des Fürsterzbischofs angebracht wurden. Im Zentrum des Brunnens türmen sich mehrere Felsbrocken, vier Hippokampen sprengen in alle Himmelsrichtungen. Auf dem Felsen tragen drei, mit den Beinen ineinander verschränkte Giganten eine erste, große Brunnenschale, in der drei Delphine eine zweite, kleinere Brunnenschale mit ihren Schwanzflossen stützen. Zuoberst bläst ein Triton einen Wasserstrahl mit seinem Muschelhorn in den Salzburger Himmel. Der Name des entwerfenden Bildhauers, möglicherweise Tommaso di Garona, ist fraglich, als leitender Ingenieur des Brunnenbaus wird in den Quellen Giovanni Antonio Dario genannt.

Seit der letzten Restaurierung dieses Meisterwerks der barocken Brunnenbaukunst ist mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen. Ein halbes Jahrhundert, in dem dunkle Versinterungen und Schmutzablagerungen Schicht für Schicht auf den Steinoberflächen verkrusteten. Frost und schädliche Umwelteinflüsse führten zu Ausbrüchen der Steinteile, die originalen Bleirohre der Wasserführung waren durch Risse beeinträchtigt, das Brunnenbecken selbst verlor mehr Wasser als es zurückhielt. Voraussetzung der seit mehreren Jahren geplanten Generalrestaurierung der Brunnenanlage war die messtechnische Erfassung der skulpturalen Anlage und eine genaue Kartierung des vorliegenden Schadensbildes.

Die schließlich umgesetzte digitale, dreidimensionale Aufnahme des Brunnens gehört zu den herausragenden Leistungen der Vermessungstechnik zum Zwecke der Denkmalpflege. 27 Millionen Messpunkte digitalisierten ein räumliches Abbild des Brunnens, das die Voraussetzung der genauen Schadensanalyse durch die Steinrestauratoren bildete. Ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren und die denkmalpflegerische Projektsteuerung garantierten die hohe Qualität der folgenden, restauratorischen Arbeit. Eingehaust in einem Gerüstkubus konnte die eigentliche Restaurierung des Brunnens in acht Monaten ab Oktober 2008 abgeschlossen werden. Im schonenden Partikelstrahlverfahren wurden die verkrusteten Verunreinigungen ausgedünnt, verrostete Eisenklammern durch Edelstahlklammern ersetzt. Herausragend war wohl der digitale Scan der Bruchflächen ausgebrochener Steinteile und das anschließende computergesteuerte Nachfräsen der passenden Vierungen, die dort wieder eingesetzt werden konnten.

Die Restaurierung der wassertechnischen Anlagen des Brunnens barg ebenfalls restauratorische Herausforderungen. So konnten die erneuerten Wasserzuleitungen als Kunststoffrohre innerhalb (!) der erhaltenen, alten Bleileitungen verlegt werden, das undichte Becken wurde mit einer korrosionsbeständigen Bleiwanne ausgekleidet. Um den Eindruck eines gleichmäßig aus den oberen Becken in die Tiefe fallenden Wasservorhangs zu erzeugen, musste der Wasserfluss mit einer Vielzahl von Düsen exakt gesteuert werden.

Abgeschlossen wurde die restauratorische Arbeit am Brunnen mit der Gestaltung der gepflasterten Fläche mitten am Residenzplatz. Der unglücklichen Vorgeschichte mancher Experimente zur Oberflächengestaltung dieses prachtvollen Platzes stellt die Denkmalpflege die gelungene Umsetzung einer bescheidenen und unaufdringlichen Flusskieselpflasterung im engeren Bereich rund um die Brunnenanlage entgegen, die dem Brunnen wieder einen Rahmen gibt, der nicht zuletzt als denkmalgerechter Stein des Anstoßes den künftigen Nachdenkprozess über die Oberflächengestaltung der verbleibenden Platzfläche begleiten soll.

Nach der fast ein Jahr dauernden Verhüllung hinter einem Baugerüst wurde das gewaltige Wunderwerk barocker Wasserkunst nach seiner jüngsten Gesamtrestaurierung am Freitag, den 17. Juli 2009, von 11 – 13 Uhr in einem Festakt der Öffentlichkeit präsentiert. Vier Salzburger Brauereien erklärten sich spontan bereit, für diesen besonderen Anlass in vier rund um den Brunnen platzierten Zelten Freibier für die Salzburger Bevölkerung und ihre Gäste auszuschenken.

Druckersymbol Druckversion