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Salz und KunstSanierung des ehem. Salzamtes in Linz

Linz, Salzamt, nach Restaurierung 2009.

Linz, Salzamt und Schloss auf einer historischen Postkarte.

Fresko von Josef Fischnaller, entstanden bei der Sommerakademie 2005.

Josef Fischnaller bei der Arbeit an seinem vermutlich letzten Fresko.

Kurt Reiss unterstützte als baubegleitender Restaurator die Firmen vor Ort.

Die Außenmauer zur Oberen Donaulände ist Teil der spätmittelalterlichen Stadtmauer von Linz. Foto: E. Wahl

Neuerrichtung eines Kellers als bautechnische Herausforderung.

Zustand vor Sanierung

Blick in die Konstruktion des barocken Dachstuhls.

Fachgerechte Sanierung des Dachstuhls

Bei der archäologischen Voruntersuchung gefunden: das "Salztürl" der ehemaligen kaiserlichen Salzkammer.

Am 10. Juli 2009 eröffnet eines der bedeutenden Bauprojekte der Kulturhauptstadt Linz'09 seine Pforten: das ehemalige kaiserliche Salzamt wurde von der Stadt Linz angekauft und als Atelierhaus für Kunst und Künstler adaptiert.

Vom Spätmittelalter bis heute

Die mittelalterliche Stadt Linz war mit einer Stadtmauer und Stadttoren befestigt. So verlief im 12./13. Jahrhundert eine Befestigungsmauer zwischen Burg und Donau - eine Stelle, an der 1562 zuerst ein Salzstadel und 1563 die Salzkammer errichtet wurde. Die Wandstärke der Außenmauer zur Oberen Donaulände misst heute 2,2 Meter: Befunde lassen darauf schließen, dass beim Bau der Salzkammer lediglich eine ältere Mauer verstärkt wurde. Bis auf die Höhe von 4,4 Meter ist die Stadtmauer substanziell erhalten. Es gilt als wahrscheinlich, dass die heutige Oberkante der Bruchsteinmauer der Höhe des damaligen Laufgangs entspricht.

Der massive dreigeschossige Hauptbau schließt über schmale Innenhöfe an die Nachbarbauten an. Die geböschte Hauptfront an der Donauseite weist Stuckschnittdekor und geschwungene Verdachungen auf. Den Torbau betritt man über ein rundbogiges Einfahrtstor und gelangt in eine kreuzgratgewölbte Einfahrtshalle. Die Raumgliederung des Haupthauses verläuft parallel zur Donaufront mit einer hohen Erdgeschosshalle mit Stichkappentonnen. Im ersten Stock liegt ein weiträumiger kreuzgratgewölbter Mittelflur, in den donauseitigen Zimmern barockgeschwungene Deckenspiegel bzw. ein geometrischer Stuckfelderdekor um 1709.
Der mächtige barocke Dachstuhl überspannt rund 15 m und wird von liegenden Stühlen in zwei Ebenen getragen, die in der Mitte von einer Mittelwand von 5 Hängesäulen unterstützt werden. Die Außenwand zur Donaulände weist eine Stärke von rund 2,2 m auf und ist Teil der spätmittelalterlichen Stadtmauer von Linz. Ein aus Ziegeln gemauerter Sturzbogen zeigt ein älteres höher gelegenes Fenster an.

Archäologische Funde

Nach der Einführung des Salzmonopols wurde 1563 beim „Oberen Wassertor“ das so genannte „Salztürl“ in die Stadtmauer gebrochen und mit der Errichtung der Salzkammer begonnen.
Die Ausgrabung im Nordtrakt brachte interessante und unerwartete Ergebnisse. Es kam ein Befunde der römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh. n. Chr.) mit einer größeren Anzahl von Eisen- und Bronzegegenständen zum Vorschein. Zahlreiche weiter e römerzeitliche Funde aus neuzeitlichen Verfüllschichten bezeugen eine Verbauung der Donauuferzone im antiken Lentia. Im nordöstlichsten Raum des Erdgeschosses kam an der Außenmauer das vermauerte „Salztürl“ zum Vorschein. Hier konnte auch ein Stiegenaufgang freigelegt werden, über den früher das Salz von der Donaulände in das Salzamt gebracht wurde.

Nur wenige Gebäude des barocken Linz sind an der Oberen Donaulände erhalten: direkt an die mittelalterliche Stadtmauer angebaut und in den folgenden Jahrhunderten umgebaut und erweitert, ist das ehemalige Salzamt nun einer neuen Verwendung zugeführt worden.


Umbauplanung - Sommerakademie 2005

Paul Fischnaller und der Verein "Donauschule" nutzten das Gebäude seit 2002 als provisorisches Atelierhaus. Im Rahmen der Sommerakademie 2005, die das Landeskonservatorat für Oberösterreich gemeinsam Paul Fischnaller organisiert hatte, wurden erste Überlegungen zu einer Sanierung und Nutzung als Atelierhaus angestellt. Neben einem Kurs zur Baudenkmalpflege fanden Diskussionsrunden zur Architektur und Denkmalpflege statt. Eine Besonderheit ist das letzte Fresko des Malers und Bildhauers Josef Fischnaller (1927-2006), das bei dieser Sommerakademie entstand und im Erdgeschoss des Atelierhauses zu besichtigen ist.

Bautechnische Herausforderungen bei der Sanierung

Bei der Sanierung stellte der Einbau eines Kellergeschosses für Haustechnik und die benötigten Lagerflächen in bautechnischer Sicht  eine große Herausforderung dar. Eine zweite Schwierigkeit war die statische Absicherung des bauzeitlichen Gewölbes im Erdgeschoss: Das Originalgewölbe hängt nun an einer Sekundärkonstruktion aus Stahlbeton. Noch zum Schluss ergaben sich Probleme durch den bedenklichen Zustand der obersten Geschossdecke: Diese wurde durch eine dichte Aufbetonschicht nachhaltig in der Substanz geschädigt und musste saniert werden.

Restauratorische Befundung

Nach Entfernen der Zementschicht wurde die Fassade restauratorisch befundet. Danach erfolgte die Färbelung in gebrochenem Weiß mit dezent abgesetzten Stuckelementen. Außen aufschlagende Holzkastenfenstern vervollständigen das historische Erscheinungsbild. Der Lifteinbau im Inneren sorgt für eine barrierefreie Erschließung. In guter Zusammenarbeit zwischen dem Landeskonservatorat für Oberösterreich sowie einem baubegleitenden Restaurator, der die Arbeiten vor Ort betreute, und den Fachstellen der Stadt Linz ist ein einzigartiges, stadtbildprägendes Denkmal als Wahrzeichen der Kulturhauptstadt Linz09 fertig gestellt worden. 


Literatur:
Elisabeth Wahl, Linz, Obere Donaulände 15. Bauhistorische Untersuchung, Wien 2006

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