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Maria Plain Wallfahrtsort vor den Toren Salzburgs

Wallfahrtskirche Maria Plain (Photo: Wolfgang Strasser)

Maria Plain mit dem Kalvarienberg

Ölbergkapelle: Restaurierte Skulpturengruppe „Christus am Ölberg“

Die Ursprungskapelle war der erste Standort des Maria Plainer Gnadenbildes.

Das Deckengemälde der Ursprungskapelle stellt Rudolf von Grimming, den Begründer der Wallfahrt, vor dem Gnadenbild kniend dar

Die Grabeskapelle mit der wiederhergestellten Kalkfassade

Seit 2003 betreibt die Erzabtei St. Peter in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskonservatorat für Salzburg die schrittweise Sanierung der Wallfahrtskirche und des Kalvarienberges von Maria Plain in Bergheim. Im Juni 2009 wurde mit der Außensanierung der Grabeskapelle ein weiterer wichtiger Bauteil abgeschlossen.

Beliebtes Wallfahrtsziel mit markantem Gebäudeensemble
Die weithin sichtbare Wallfahrtskirche mit Zweiturmfassade wurde 1671-1674 für das Gnadenbild „Maria Trost" errichtet. Dieses Bild eines unbekannten Künstlers hatte – so die Legende – im Dreißigjährigen Krieg eine Brandschatzung im niederbayerischen Regen unversehrt überstanden und war von Rudolf von Grimming 1650 nach Salzburg gebracht worden. Erzbischof Guidobald Thun ließ für das Gnadenbild 1652 eine hölzerne Kapelle auf dem Plainberg errichten, die sog. Ursprungskapelle. Als die Zahl der Wallfahrer wuchs, wurde die heutige Kirche nach Plänen des Giovanni Antonio Daria errichtet und 1674 von Erzbischof Max Gandolph Kuenburg geweiht. Im Westen wurde unmittelbar anschließend an die Kirche ein Superioratsgebäude erbaut.

Die folgenden Jahrzehnte brachten einen schrittweisen Ausbau des Wallfahrtsortes: Von 1686 bis 1692 wurde am letzten Anstieg zur Wallfahrtskirche ein Kalvarienberg mit vier Kapellen und einer Kreuzigungsgruppe als Abschluss angelegt. Den historischen Pilgerweg aus der Stadt Salzburg bis zur Wallfahrtskirche markieren noch heute 15 steinerne Bildsäulen mit der Darstellung der Rosenkranzgeheimnisse; sie gehen auf eine Stiftung durch einen Salzburger Bürger aus dem Jahr 1705 zurück. Schließlich wurde 1734 als jüngste der Maria Plainer Kapellen die Schmerzenskapelle mit einer Pietà-Gruppe von Franz Schwanthaler fertig gestellt. Im Zuge des Aufschwunges der Wallfahrt nach Maria Plain entstanden seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts außerdem eine Reihe weiterer Gebäude im Umkreis der Kirche – etwa das auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückgehende Gasthaus – die heute das Aussehen dieses Wallfahrtsortes mitbestimmen.

Mit der Wallfahrtsseelsorge in Maria Plain waren ursprünglich die Benediktiner betraut, die in Salzburg die Universität führten. Nach der Säkularisation und dem vorläufigen Ende der Salzburger Universität gelangte Maria Plain 1824 an das Erzstift St. Peter, zu dem Wallfahrtskirche und Kalvarienberg noch heute gehören.

Die 1952 zur "Basilica minor" erhobene Kirche hat sich auch in der Musikgeschichte ihren Platz gesichert: hier soll 1779 Wolfgang Amadeus Mozarts »Krönungsmesse« zur Erstaufführung gekommen sein.


Rückkehr zum barocken Aussehen
Im Laufe ihrer Geschichte veränderten die Wallfahrtskirche und ihr Umfeld immer wieder die Erscheinung. Die auf zeitgenössischen Darstellungen der Erbauungszeit erkennbare Fassade in Weiß und hellem Ocker war um 1900 einem grau-weißen Aussehen gewichen. Auch bei den Kapellen am Kalvarienberg - ursprünglich zur Gänze weiß getüncht - waren die Gliederungselemente grau gestrichen worden. Bei den Sanierungen des 20. Jahrhunderts ging man darüber hinaus von der früheren Kalktechnik ab und es kamen moderne Putze und Anstriche zum Einsatz.

Nachdem zuletzt 1973/74 eine Restaurierung der Kirche und des benachbarten Superioratsgebäudes erfolgt war, begann man 2003 erneut mit einer Fassadensanierung der Wallfahrtskirche, wobei man sich nach genauen Untersuchungen für eine Rückkehr zur ursprünglichen Farbigkeit entschied. Dabei entschlossen sich Eigentümer und Bundesdenkmalamt trotz der exponierten Lage der Kirche, die Hauptfassade wieder in reiner Kalktechnik aufzubauen - ein Vorhaben, das zu dieser Zeit wegen der Schadensanfälligkeit von Kalkfassaden vielfach mit Skepsis betrachtet wurde.

Die unter ständiger Begleitung des Bundesdenkmalamtes umgesetzte aufwändige Sanierung – Abnahme der Zementputze und dispersionshaltigen Anstriche, Beseitigung verschiedener Bauschäden und Wiederherstellung der historischen Kalkfassade mit Rückkehr zur ursprünglichen Farbgebung – erwies sich jedoch als Erfolg. Die weithin strahlende Fassade hielt der Witterung bislang unbeschadet stand und kann als Musterbeispiel für eine gelungene Sanierung in Kalktechnik gelten.

Gleichzeitig mit der Kirchenfassade wurde 2003 auch die Restaurierung der Schmerzenskapelle – ebenfalls in Kalktechnik - als erster Schritt zur Instandsetzung der zahlreichen Kapellen rund um die Kirche in Angriff genommen.

Hinter Büschen versteckter Kalvarienberg
Der Sanierung der Kirchenfassade und der Schmerzenskapelle folgte 2005 bis 2007 eine schrittweise Instandsetzung des Kalvarienberges, der von seinem dichten Heckenbewuchs befreit wurde und nunmehr wieder weithin sichtbar den Anstieg zur Wallfahrtsbasilika anzeigt. Die im Hang stehenden und von der Feuchtigkeit zum Teil arg in Mitleidenschaft gezogenen Kapellen wurden trocken gelegt, die Kupferdächer erneuert, die Fassaden saniert und ebenso wie das Innere in Kalkfarbe gestrichen. Um rasche erneute Schäden an der Substanz der Kapellen zu verhindern, wurden zudem erstmals Saumrinnen an den Dächern angebracht, da im Bereich der Dachgesimse offenbar seit der Erbauungszeit regelmäßig eine Schadenszone bestand.

Augrund des augenscheinlich guten Zustandes beließ man es bei den meisten der Kalvarienbergkapellen bei einer einfachen Überprüfung und Reinigung ihrer Ausstattung. Einzig in der Ölbergkapelle wurde die barocke Skulpturengruppe der Ölbergszene aufwändig restauriert. Leider war der für derartige Ölbergdarstellungen typische Hintergrund mit dem nächtlichen Jerusalem nicht mehr vorhanden und sein genaues Aussehen konnte auch nicht rekonstruiert werden.

Innenrestaurierung der Ursprungskapelle
Die Maria Plainer Ursprungskapelle, der erste Standort des Gnadenbildes, liegt unterhalb der Wallfahrtskirche und etwas abseits der übrigen Kapellen. Das heutige gemauerte Kirchlein war im Jahre 1710 von Sebastian Stumpfegger anstelle des hölzernen Vorgängerbaues neu errichtet worden und trägt am Altar in einem herzförmigen Rahmen eine von Johann Franz Pereth Mitte des 17. Jahrhunderts angefertigte Kopie des Gnadenbilds. Ein 1742 von Johann Zick angefertigtes Deckengemälde zeigt Rudolf von Grimming im Gebet vor dem Gnadenbild.

Auch bei dieser Kapelle hatten Feuchtigkeit und ungeeignete Materialien früherer Sanierungen zu erheblichen Schäden geführt, die im Zuge einer Innensanierung und der Restaurierung der Ausstattung im Jahr 2008 behoben wurden.

Die Heilig-Grab-Kapelle erhält ihr Gesicht zurück
Mit der Fassadensanierung der aus dem Jahr 1692 stammenden Grabeskapelle wurde im Juni 2009 ein weiterer wichtiger Abschnitt der Restaurierung dieses Wallfahrtsortes umgesetzt. Heilig-Grab-Kapellen wurden seit dem Mittelalter nach dem Vorbild des Heiligen Grabes in der Grabeskirche von Jerusalem errichtet und stellen verkleinerte Kopien des Jerusalemer Originals dar. Sie bildeten den Endpunkt für Prozessionen, in der die Wallfahrer den Leidensweg Jesu nachvollzogen.

Langjährige Abwitterung und eine starke Salzbelastung hatten der Fassade stark zugesetzt, die Ausbesserungen, Zementüberputzungen und Übermalungen ihr ursprüngliches Aussehen weitgehend verdeckt.

Eine Untersuchung der Putze und Farbschichten ergab, dass die Kapelle sich mit ihrer Weiß- und Ockerfärbelung ursprünglich an der Wallfahrtskirche orientiert hatte, die zuletzt steinsichtigen Konglomeratsäulen waren damals ebenfalls ocker geschlämmt.

Nachdem bereits in den Jahren zuvor durch Drainagierungsmaßnahmen sowie eine Dachsanierung die Hauptschadensquellen beseitigt worden waren, erfolgte im Vorjahr die Abnahme des Zementsockels um die Kapelle. Im Frühjahr 2009 wurden dann die Fassaden in Kalktechnik saniert und entsprechend der ursprünglichen Farbgebung in Kalk getüncht. Mit ihrem frischen, leuchtenden Aussehen bildet die Kapelle nunmehr wieder einen Blickfang für alle Wallfahrer und Spaziergänger, die über die Sandsteinstiegen des Kalvarienbergs zur Kreuzigungsgruppe hinaufsteigen.

Mit der Außensanierung dieser Kapelle ist eine wichtige Etappe in der Restauriergeschichte Maria Plains abgeschlossen worden. Jedoch haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass bei einem Ensemble von der Größe, Vielfalt und Qualität Maria Plains nie ein Schlusspunkt bei der Konservierung und Restaurierung erreicht wird.

Die gemeinsamen Bemühungen der Erzabtei St. Peter und des Bundesdenkmalamtes haben die Sanierungsarbeiten inzwischen aber so weit vorangetrieben, dass Maria Plain seinen Besuchern wieder das eindrucksvolle Bild eines barocken Wallfahrtszentrums vermittelt.  Die Unterstützung durch die Gemeinde Bergheim, den Tourismusverbandes, das Land Salzburg, den Ritterorden vom Heiligen Grab und aus Bundesmitteln für die Denkmalpflege hat wesentlich zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen.

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