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Sierning – Milwaukee – Steyr Ein „lustiger Amerikaner“ im Dienste der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn

Garsten, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn

Garsten, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW © BDA

Die Staatsbahnverbindung Triest-Prag/Wien

Die Staatsbahnverbindung Triest-Prag/Wien © Elmar Oberegger

Das Netz der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn

Das Netz der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn © Elmar Oberegger

Trasse bei Großreifling

Trasse bei Großreifling © Elmar Oberegger

Franz Hölzlhuber (1826 - 1898)

Franz Hölzlhuber (1826 - 1898) ©

"Gegenden längs der k.k. priv. Kronprinz Rudolf Bahn", Druck, S. 1 in Buch I.: Kronprinz Rudolf-Bahn

"Gegenden längs der k.k. priv. Kronprinz Rudolf Bahn", Druck, S. 1 in Buch I.: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW © BDA

Ruine Dürnstein, II. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn

Ruine Dürnstein, II. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW ©  BDA

Ternberg, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn

Ternberg, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW © BDA 

Losenstein, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn

Losenstein, Aquarell, I. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW © BDA

Ratschach, Zeichnung, II. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW

Ratschach, Zeichnung, II. Buch: Kronprinz Rudolf-Bahn, TMW © BDA

Die drei Skizzenbücher des Malers, Dichters und Musikers Franz Hölzlhuber (1826-1898) dokumentieren auf eindrucksvolle Weise die Bahnstrecke der k.k. Kronprinz Rudolf-Bahn in teilweise bisher unbekannten Ansichten.

Die Gründung der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn im Jahre 1866 erfolgte aus ganz unterschiedlichen Motiven. Zum einen sollte die österreichische Eisenindustrie gefördert werden, zum anderen die Rudolfsbahn als dritte Nord-Süd-Alpenquerung neben der Südbahn und der Brennerbahn die direkte Verbindung von Prag nach Triest bilden. Dieser Plan wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt.
Die Konzession vom 11. November 1866 umfasste die Errichtung einer Eisenbahnlinie von St. Valentin über Steyr – Rottenmann – St. Michael – Judenburg – St. Veit an der Glan bis Villach sowie die Errichtung mehrerer Zweiglinien. Zudem verpflichtete sich die Gesellschaft – seit 1867 als Aktiengesellschaft unter dem Namen „k.k.priv. Kronprinz Rudolf-Bahn“ tätig – zum Bau einer Strecke, die von St. Valentin in das Netz der Kaiser Franz Joseph-Bahn mündete, einer Linie von Villach nach Triest, sowie einer Linie, die von der Staatsgrenze nach Udine führte. Der Staat förderte den Bau mit einem Vorschuss von 5 Millionen Gulden; tatsächlich ging das Vorhaben rasch voran. Bis 1873 wurden weite Teile des Streckennetzes eröffnet und weitere Konzessionen, z.B. für die Strecken Laibach-Tarvis, Villach-Tarvis und Hieflau-Eisenerz, erteilt. 1879 war auch die Verbindung bis zur italienischen Grenze bei Pontebba und damit zum italienischen Netz hergestellt.

Mit der Wirtschaftskrise von 1873 verschlechterte sich jedoch auch die Lage der Kronprinz Rudolf-Bahn zusehends. Die österreichische Eisenindustrie war bei weitem nicht so profitabel wie erhofft, der Güterverkehr stagnierte. Auch der stetig steigende Personenverkehr konnte die Bahn nicht mehr retten. 1880 übernahm der Staat den Betrieb auf Kosten der Gesellschaft, 1884 wurde die Bahn schließlich gänzlich verstaatlicht, das Netz modernisiert und später in den Betrieb der österreichischen, der italienischen und der jugoslawischen Staatsbahnen eingegliedert.

Franz Hölzlhuber, in seinem späteren Leben eng mit der k.k. Kronprinz Rudolf-Bahn verbunden, wurde am 22. September 1826 im oberösterreichischen Gründberg geboren und war ein Lebenskünstler, wie er im Buche steht. Schon während seiner Kindheit in Sierning wurde sein großes musikalisches Talent deutlich. In seinem Brotberuf als Lehrer war er nur kurz tätig. Auch seine Laufbahn als Gerichtsangestellter in Bad Hall, Leonstein und Linz war von wenig Erfolg gekrönt, da seine musikalischen Nebenbeschäftigungen, unter anderem im Männergesangsverein Liedertafel Frohsinn, einen weiteren Aufstieg verhinderten.
1851 ging er nach Wien, wo er sich vor allem mit privaten Musikstunden und kleineren Engagements am Kärntnertortheater und im Theater an der Josefstadt über Wasser hielt. Als er sich jedoch bald wieder ohne reguläres Einkommen fand, half ihm sein Zeichentalent zu überleben. Im Sommer fertigte er Landschaftsansichten von Sommerfrischeorten wie Bad Ischl, Bad Hall oder Bad Reichenhall und im Winter gab er kleine Konzerte und Liederabende in Linz, Graz, Innsbruck oder Bayern.
Auf Drängen einer befreundeten Familie wagte er 1856 den großen Schritt und wanderte nach Milwaukee, Wisconsin aus. Eine Stelle als Musikdirektor des Deutschen Theaters in Milwaukee, die ihm bereits zugesagt worden war, war bei seiner Ankunft jedoch schon anderweitig vergeben - der Dampfer mit seinem Vertrag war im Atlantik gesunken. Doch auch dieses Mal war guter Rat nicht teuer, und Hölzlhuber versuchte sich als Schildermaler, Autor und Zuckerbäcker und soll sogar die Linzertorte in den Vereinigten Staaten eingeführt haben.
Auch musikalisch war er weiterhin tätig; er spielte und sang im Theater, schrieb die Musik zu mehreren Bühnenstücken und komponierte Messen, ein Requiem und sogar eine Oper, „Das neue Donaureich“.
An der Deutsch-Englischen Akademie in Milwaukee unterrichtete er Singen und Malen; in den Ferien unternahm er ausgedehnte Reisen per Zug und Schiff, die ihn zum Oberen Mississippi, nach Louisiana, Texas und Kanada führten. In unzähligen Zeichnungen, Aquarellen und Skizzen dokumentierte er dabei die Landschaft und das Leben von Pionieren und amerikanischen Ureinwohnern. Zahlreiche Aufenthalte in deren Siedlungen förderten und verstärkten Hölzlhubers tiefes Verständnis für Kultur und Leben der Ureinwohner. Seine detaillierten Studien und Veröffentlichungen in amerikanischen und österreichischen Zeitschriften gelten auch heute noch als bedeutende ethnologische Zeugnisse.

Nach vier Jahren in den Vereinigten Staaten kehrte Franz Hölzlhuber nach Sierning zurück, wo er zunächst Mitglied im Männergesangsverein Kränzchen in Steyr wurde, für den er auch einige Singspiele komponierte. 1862 wurde Hölzlhuber als Arrangeur der Weltausstellung in London engagiert, wo er in erster Linie die Metallproduktion der Stadt Steyr repräsentierte, aber auch in der Musikinstrumentenabteilung tätig war. Für seine Arbeit bei den Weltausstellungen 1873 in Wien und 1878 in Paris als Vertreter der österreichischen Metallproduktion erhielt Hölzlhuber zunächst das Goldene Verdienstkreuz und später das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone.
Von 1863 bis 1867 war Hölzlhuber als „lustiger Amerikaner“ höchst erfolgreich mit seinem Wandelpanorama unterwegs: 144 Aquarelle, die einen Querschnitt durch seine Reisen von Amerika bis zur Londoner Weltausstellung boten und die er mit selbst geschriebenen Gedichten wie „D’Amerika Roas“ begleitete. Auf einer dieser Stationen lernte er auch seine spätere Frau Karoline Woitsche kennen, mit der er zwei Kinder haben sollte.
Schließlich führte ihn sein Weg 1867 zur Kronprinz Rudolf-Bahn nach Wien und weiter nach Steyr, wo er ab 1872 in seiner ersten festen Stellung als „Casse-Controlor“ der Rudolfsbahn angestellt war. Im Auftrag der Bahn fertigte er eine Serie von Landschaftsansichten, die die Bahnstrecke illustrieren sollten.
Als die Bahn-Verwaltung in Steyr 1887 aufgelöst wurde, zog Franz Hölzlhuber mit seiner Familie zurück nach Wien, wo er ab 1890 als Bibliothekar und erster Kustos des k.k. Eisenbahnmuseums, ab 1896 unter dem Titel eines Oberoffizials, tätig war.
Franz Hölzlhuber starb am 4. Februar 1898, seine Grabstätte auf dem Baumgartner Friedhof in Wien wurde 2006, wohl in Unkenntnis seiner Bedeutung, aufgelassen.

Einige der zahllosen Skizzen und Aquarelle, die Franz Hölzlhuber im Laufe seines langen und ereignisreichen Lebens anfertigte, sind erhalten geblieben und wurden zum Teil in Buchform veröffentlicht. Darunter fallen auch die „Ansichten zur k.k. Kronprinz Rudolf Bahn längs der Strecke von Kastenreith durch’s Gesäuse bis Selzthal-Liezen“, die um 1876 erstmals erschienen.
Die drei Skizzenbücher, die im Dorotheum versteigert wurden, enthalten jedoch eine weitaus größere Anzahl von Ansichten als die publizierte Version, viele von ihnen gänzlich unbekannt. In teils detailliert ausgeführten, teils nur skizzenhaften Ansichten dokumentiert Hölzlhuber Bahnstationen, Lokomotiven und Landschaften aus dem Verlauf der Strecken St. Valentin bis Leoben (Band I, 51 Aquarelle und Zeichnungen, weiters liegen dem Band 40 Landkarten und Ausschnitte der Broschüre „Kronprinz Rudolf Bahn von der Donau bis zur Save“ bei), Knittelfeld bis Thörl-Maglern (Band II, 24 Zeichnungen sowie weitere 30 Blätter) und Tarvis bis Laibach (Band III, 36 Zeichnungen, tw. Panoramen und 46 weitere Blätter).
Da sämtliche Aquarelle und Zeichnungen aus der nur spärlich dokumentierten Gründungszeit der k.k. Kronprinz Rudolf-Bahn stammen, kommt ihnen eine ganz besondere, durch die Position Franz Hölzlhubers auch durchaus offiziell-dokumentarische Bedeutung zu. Im Zuge einer Auktion im Wiener Dorotheum wurden die Skizzenbücher, deren Unterschutzstellung angekündigt war, vom Technischen Museum ersteigert.








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