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Abgeschnittene Zöpfe und Schädelpieta

St. Michael, Karner, Zopfreihe (Foto: BDA)

St. Michael, Karner, Schädelpietá (Foto: BDA)

St. Michael, Karner, Schädelpietá (Foto: BDA)

St. Michael, Karner (Foto: BDA)

St. Michael, Karner, Innenraum (Foto: BDA)

St. Michael, Karner, Aussenansicht (Foto: BDA)

Der um 1400 erbaute Karner der Wehrkirche St. Michael in der Wachau birgt ein besonderes Kuriosum. In einer Nische an der nördlichen Wand findet sich eine Zopfreihe. Der Volksmund berichtet, es sei früher Sitte gewesen, sich das Haar als Zeichen der Trauer abzuschneiden. Die Witwen hinterließen ihre Haarpracht im Karner und trugen ab dann eine schwarze Haube.

St. Michael ist die Urpfarre der Wachau. Über viele Jahrhunderte pilgerten die Menschen aus der Wachau und dem südlichen Waldviertel hierher. Gerade nach der Schneeschmelze, also um die Osterzeit, setzte der Pilgerstrom besonders intensiv ein, um die während des Winters geborenen Kinder zu taufen, um getraut zu werden oder die Verstorbenen beerdigen zu lassen. Da der Kirche und Karner umgebende Friedhof aufgrund der Topografie des Geländes nur begrenzte Kapazität hatte, diente der Karner als Aufbewahrungsort für die Gebeine der Verstorbenen, um Platz auf dem Friedhof zu schaffen.

In St. Michael erinnert an diese ursprüngliche Bestimmung die so genannte „Schädelpietá“. Die fast bizarr angeordneten Schädel und Knochen symbolisieren, wie am Karfreitag Maria ihr toter Sohn ungefähr zur Zeit des Abendgebets in den Schoß gelegt wurde. Der Schädel zuoberst steht für Maria. Die liegend gelagerten und pyramidal geschichteten Knochen stellen den Leichnam Christi dar.
Die Gebeine in St. Michael stammen hauptsächlich von Gefallenen der Schlacht bei Loben, 1805. Einer der Schädel zeigt ein Einschussloch einer österreichischen Musketenkugel.

Im Frühsommer 2009 soll der Innenraum des Karners einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden. Die starke Mauerfeuchtigkeit macht es notwendig, das Schadensbild umfassend zu erheben und ein Restaurierkonzept zu erstellen. Für die Raumschale, die Zopfzeile und die Schädelpietá werden ebenfalls Restauriermaßnahmen erarbeitet werden.
 
Über diese und mögliche weitere Schritte werden wir Sie an dieser Stelle weiter informieren.

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