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Der Steinerwirt in LoferGeglückte Verbindung von Denkmalpflege und moderner Nutzung:

Durchhaus im EG

Ein Gewölbegang im 1. Obergeschoß erschließt die Gästezimmer

Auch in den Gästezimmern wurde viel Wert auf die Erhaltung der historischen Ausstattung gelegt.

Die Wirtshaustür aus dem 19. Jahrhundert

Fensterdetail

Das Hausschild trägt die Jahreszahl 1606.

Mittel aus dem Denkmalpflege-Sonderförderungstopf des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur trugen dazu bei, dass nach 25jährigem Dornröschenschlaf ein Traditionsgasthof in der Salzburger Gemeinde Lofer wieder revitalisiert werden konnte.

Fehlende Nutzung gefährdet Erhaltung
Erst im Jahr 2000 war der markante Steinerwirt im Zentrum der Mitterpinzgauer Gemeinde Lofer unter Schutz gestellt worden, aber schon lange zuvor hatte das Bundesdenkmalamt ein Auge auf das stattliche Gebäude geworfen. Denn der aus dem 16. Jahrhundert stammende spätgotische Landgasthof weist in seinem Inneren eine reiche Gewölbestruktur, historische Holzbalkendecken mit eingeritzten Ornamenten, gediegene Holz- und Marmorböden, barocke Fenster sowie Türen aus verschiedenen Epochen auf. Bemerkenswert ist auch die biedermeierliche Stuckfassade – für Salzburg eine Rarität.

Ungeachtet dieser qualitätvollen Bausubstanz war jedoch jahrelang vergeblich ein Käufer und Nutzer für das Haus gesucht worden, vereinzelt meinte man in der Region sogar, im Denkmalschutz liege das Haupthindernis für eine Revitalisierung des Gasthofes.

Erst ein Besitzerwechsel im Jahr 2007 schuf die Möglichkeit einer Restaurierung und Revitalisierung des Hauses. Einer sorgfältigen Bestandsaufnahme und restauratorischen Befundung folgten detaillierte Planungen und vorsichtige Sanierungsmaßnahmen und Eingriffe zur Modernisierung des Hauses.

Moderner Anbau als Problemlösung
Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Aufgabe dar, die Ansprüche der Denkmalpflege mit der Notwendigkeit einer zeitgemäßen touristischen Nutzung mit all ihren Annehmlichkeiten und gesetzlichen Auflagen in Einklang zu bringen. Es gelang schließlich in enger Zusammenarbeit mit der Architekturabteilung des Bundesdenkmalamtes, durch einen modern gestalteten aber zurückhaltenden Anbau die für einen zeitgemäßen Gastronomiebetrieb notwendige Infrastruktur ohne größere Eingriffe in die Denkmalsubstanz umzusetzen.

Bewahrtes Erscheinungsbild
Bei seiner Wiedereröffnung im Vorjahr hat das Gasthaus mit seinen Gewölben in Gängen und Gasträumen, mit den restaurierten historischen Türen in die Gästezimmer und den denkmalgerecht sanierten Holzböden sein unverwechselbares Gepräge bewahrt. Der Besucher findet allenthalben liebevoll bewahrte und restaurierte Details: Das biedermeierliche Gasthaustor mit Weintrauben, stilisierten Blüten und Schuppenmotiven; den schmiedeeisernen Ausleger an der Straßenfassade, der ein Hausnamensschild mit Doppeladler und einen Bären mit Beutetier zeigt und am Wandarm mit der Jahreszahl 1606 bezeichnet ist; oder die mit Rötel in die Gewölbeansätze geschriebenen Haussprüche aus der Erbauungszeit(!).

Der 2008 abgeschlossenen Restaurierung gelang es, im Inneren die klare Grundstruktur mit den zahlreichen Gewölben beizubehalten und den großen Bestand an alten Türen, Fenstern, Böden, Holzdecken und Steingewänden zu erhalten. Heute präsentiert sich das Gebäude wieder in seiner eindrucksvollen historischen Erscheinung im ländlich geprägten Ortsgefüge von Lofer.

Mit der gelungenen Verbindung von historischer Substanz und moderner gastronomischer Ausstattung sollte der Steinerwirt beispielgebend für die ganze Region sein – ein Erfolg dieser Revitalisierung, den erst das konstruktive Zusammenwirken von Eigentümer, Architekten und Bundesdenkmalamt ermöglicht hat.

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