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Der wiedergefundene Blasebalg

Die ursprüngliche Dekoration kommt zum Vorschein

Der wiedergefundene barocke Keilbalg

Pfeifenwerk vor der Restaurierung

Pfeifenwerk nach der Restaurierung

Nach 70 Jahren erklingt die Orgel der Filialkirche hl. Katharina zu Oberdürnbach wieder mit ihrer ursprünglichen „Lunge“.

Schon in den 80er Jahren, als die Orgel bereits unspielbar war, erregte sie das Interesse der Denkmalpflege durch eine sehr seltene Besonderheit: Ihr Flötenregister bestand nicht, wie üblich, aus rechteckigen, aus vier Teilen zusammengeleimten Holzpfeifen, sondern aus gedrechselten Pfeifen aus Ahornholz. Schon durch diese sehr komplizierte und in Mitteleuropa nur in der Frühzeit der Orgelbaugeschichte gewählte Technik schien die Orgel außerordentlich; die Geheimnisse, die sie während der Restaurierung durch Orgelbaumeister Ferdinand Salomon aus Leobendorf preisgab, machen sie einzigartig.

Äußerlich kam unter der einfärbig blaugrünen Gehäusefassung ein diffiziles malerisches Dekorationssystem aus dem frühen 17. Jahrhundert zum Vorschein: der Oberkasten ist marmoriert und an der Prospektseite durch gemalte Säulchen gegliedert, die Wandfelder sind mit einem Rautenornament dekoriert. Nach Wiederherstellung dieses seltenen ursprünglichen Dekors wirkt die Orgel nicht nur äußerlich attraktiv, sie birgt auch in ihrem Innenleben fachlich hochinteressante Details.

Nach dem Zerlegen offenbarte sich die Entstehungsgeschichte der Orgel von Unterdürnbach. An der Federleiste der Windlade fand sich die handschriftliche Signatur des Orgelbauers:“Me Fecit Lambartus Roprecht anno 1678 january“. Ruprecht, ein Wiener Orgelbauer, der 1667 auch das Instrument für die Pfarrkirche in Stockerau gefertigt hat, baute die heutige Orgel aus einem älteren, wohl um 1600 geschaffenen Tischinstrument zusammen. Er verwendete dabei das Gehäuse dieser Tischorgel mit Flügeltüren als Oberkasten weiter und baute auch die kunstvollen Pfeifen wieder ein. Dazu kam eine neue Windlade, die er auf einen Unterkasten stellte, in dem er die Windversorgung der vergrößerten Orgel unterbrachte.

Diese Windversorgung war in den 1930er Jahren durch eine verunglückte Modernisierung, bei der man die historische Balganlage durch eine bei Harmonien geläufige Windanlage mit Tretvorrichtung austauschte, abhanden gekommen. Im Zuge der Restaurierung sollte die ursprüngliche Anlage rekonstruiert werden; hierfür suchte Orgelbaumeister Salomon nach einem Vorbild. Er erinnerte sich, vor rund 10 Jahren bei der Werkstattauflösung der Wiener Orgelbaufirma Kauffmann einen siebenfältigen Keilbalg aus der Barockzeit sichergestellt zu haben, und begann, diesen zu studieren. Hierbei stellte sich heraus: gegen alle Wahrscheinlichkeit handelte es sich um den Originalbalg der Orgel von Oberdürnbach! Nicht nur passte die erhalten gebliebene Transmission für die Aufzieheinrichtung des Balges exakt mit den Befestigungslöchern im Gehäusekasten überein: selbst die Schleifspuren an der Innenwand entsprachen dem Radius des Keilbalges. Die Firma Kauffmann hatte den Balg von dem Orgelbauer Ferdinand Molzer übernommen, der ihn in den 1930er Jahren ausgebaut hatte. Drei Orgelbaumeister hatten, aus Respekt vor der handwerklichen Perfektion des authentischen Keilbalges, ohne eine praktische Verwendung für ihn zu haben, seine Existenz über 70 Jahre gesichert, bis er wieder an seinen angestammten Platz zurückgebracht werden konnte.

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