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Grüne Beine hat der Kleine

Grüne Fassungsreste auf den Beinen

Nach der Restaurierung

Eingangszustand

Rote Malschichtreste am Reliefrand

Detail: Grüne Fassungsreste auf weißer Kalkgrundierung

Grüne Erde; Lichtmikroskop – Querschliff

Dunkle Krusten auf Stein- und Polychromieoberfläche (nach der Trocken- und Nassreinigung)

Vor der Reinigung

Nach der Reinigung

Die Konservierung und Restaurierung einer provinzialrömischen Stele mit Attisfigur aus Au am Leithagebirge

Eine über zwei Meter große Stele mit figuraler Gestaltung, deren überkreuzte grüne Beine und grüne Kopfbedeckung Aufmerksamkeit erregen, konnte im Zuge eines Vordiploms der Universität für Angewandte Kunst Wien – Institut für Konservierung und Restaurierung untersucht, konserviert und restauriert werden.
Bei einer Notgrabung des Bundesdenkmalamtes im Jahr 2004  wurde die in zwei Teile zerbrochene, mit Steckzapfen versehene Stele entdeckt. Nach vierjähriger Zwischenlagerung im Freien wurde sie zur Konservierung und Restaurierung in die Restaurierwerkstätten des  Bundesdenkmalamtes gebracht. Das Bodendenkmal stammt aus der Gegend des heutigen Au am Leithagebirge (NÖ), die zur römischen Provinz Pannonien gehörte; es wird auf das 3. - 4. Jahrhundert n. Chr. datiert.
Die Besonderheit des provinzialrömischen Fundes aus Kalksandstein ist die amüsante figurale Darstellung auf der Vorderseite und die gut erhaltene Fassung im Bereich der Relieffigur und deren Hintergrund.
Zu Beginn der ikonographischen Auseinandersetzung wurde angenommen, dass es sich um eine Figur des Mithraskultes handelt, worauf die phrygische Mütze und die überkreuzten Beine deuten würden. Im Laufe der Recherche kam aber eine andere Vermutung auf. Die ungewöhnliche Armhaltung - ein Arm berührt die Kinnpartie und wird vom anderen am Ellbogen gestützt - spricht für einen sogenannten Attis, der dem Kybele-Attis-Kult zuzuordnen ist. Der Kult stammt ursprünglich aus Kleinasien und wurde wie zahlreiche andere orientalische Religionen während der Romanisierung in die nördlichen Provinzen verbreitet. Die Figur Attis, die für Tod und Auferstehung steht, ist im Laufe der Zeit zur reinen Todessymbolik herabgesunken; die Verbindung zum Kybele-Kult ist verloren gegangen. Dabei entwickelte sich der spezielle Typ Attis funerarius – der trauernde Attis, der diese charakteristische Armhaltung aufweist. Der trauernde Typus ist meist als Einzelstück vorzufinden oder kommt verdoppelt in einem Grabmalkomplex vor. Ob die Stele zu einem Grabensemble gehört, ist jedoch nicht bekannt.
Neben der Attisfigur besticht der Bodenfund auch durch seine großflächig und gut erhaltene Polychromie. Auf dem weißen Kalkanstrich zeigen sich vereinzelt rote Malschichtreste und vor allem grüne Fassungsreste an den Beinen sowie an der phrygischen Mütze. Die roten Malschichtreste lassen aufgrund ihrer Positionierung auf eine Linien-Umrandung des Relieffeldes schließen.
Durch naturwissenschaftliche Untersuchungen konnte die Verwendung von grünem und rotem Erdpigment nachgewiesen werden. Die gute Haftung der Malschichten auf der weißen Kalkgrundierung geht auf eine freskale Maltechnik zurück. Weiters zeigen sich an der Hauptansicht minimale Reste eines kalkgebundenen Feinputzes auf der Natursteinoberfläche, die auf einen großflächigen Überzug schließen lassen.
Das Ziel der Konservierung und Restaurierung war die Sicherung des Bestandes und die Wiederherstellung der Lesbarkeit der Stele mit ihrer interessanten figuralen Darstellung und Polychromie.
Zu den wesentlichen Schadensbildern zählten Ausbrüche, Fehlstellen, Auflagen von Mikroorganismen sowie harte dunkle Krusten auf Stein- und Polychromieoberfläche, die aufgrund von Lösungsprozessen im Erdreich entstanden.
Zu den durchgeführten Maßnahmen gehörten die vorsichtige Entfernung der großflächigen Erdauflagen samt Reinigung der Polychromieoberfläche und eine anschließende Biozidbehandlung. Die dunklen und harten Krusten, welche das Erscheinungsbild und die Lesbarkeit der Stele wesentlich beeinträchtigten, wurden vorsichtig mittels Mikrosandstrahlen reduziert bzw. entfernt. Um die teils umliegende Polychromie dabei zu schützen, kam eine Schmelze aus Cyclododecan zur Anwendung. Anschließend erfolgte die kraftschlüssige Verklebung, um die Stele wieder in ihrer ursprünglichen senkrechten Position präsentieren zu können.

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