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Im Besitz der irdischen ResteZum 200. Todestag von Joseph Haydn: Wieder entdeckte Entwürfe für das Grabmal des Komponisten in der Bergkirche in Eisenstadt

Entwurf zum Grabmal Joseh Haydns in der Bergkirche in Eisenstadt, Entwurf Charles de Moreau

Entwurf zum Grabmal Joseh Haydns in der Bergkirche in Eisenstadt, Entwurf Charles de Moreau © BDA

Joseph Haydn (1732 - 1809), Porträt von Thomas Hardy, 1791/92, London, Royal College of Music

Joseph Haydn (1732 - 1809), Porträt von Thomas Hardy, 1791/92, London, Royal College of Music © london, Royal Collection of Music

Joseph Haydns Grabmal von 1820 in der Bergkirche in Eisenstadt

Joseph Haydns Grabmal von 1820 in der Bergkirche in Eisenstadt © BDA

Bergkirche in Eisenstadt, Federzeichnung von Michael Mayr, 1826

Bergkirche in Eisenstadt, Federzeichnung von Michael Mayr, 1826 © Eisenstadt, BLM

Das Grabmal Joseph Haydns in der Bergkirche in Eisenstadt, Entwurf vom Hofarchitekten Charles de Mor

Das Grabmal Joseph Haydns in der Bergkirche in Eisenstadt, Entwurf vom Hofarchitekten Charles de Moreau © BDA

Der fürstliche Hofarchitekt und Entwerfer des Grabmals: der Franzose Charles de Moreau (1758 - 1841)

Der fürstliche Hofarchitekt und Entwerfer des Grabmals: der Franzose Charles de Moreau (1758 - 1841), Porträt von Georg Ferdinand Waldmüller, 1822, Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien © Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien

Fürst Nikolaus I. der Prachtliebende, um 1770

Fürst Nikolaus I. der Prachtliebende, um 1770 © Stiftung Esterházy

Fürst Nikolaus II. Esterházy (1765 - 1833): elf Jahre nach dessen Tod ließ er Joseph Haydn nach Eise

Fürst Nikolaus II. Esterházy (1765 - 1833), Bildnis von Martin Knoller, um 1790: elf Jahre nach dessen Tod ließ er Joseph Haydn nach Eisenstadt überführen und in der Bergkirche beisetzen © Stiftung Esterházy

Maria Josepha Hermengilda Fürst Esterházy, geb. Prinzessin Liechteinstein, ein Förderin des Komponis

Maria Josepha Hermengilda Fürst Esterházy, geb. Prinzessin Liechteinstein, eine Förderin des Komponisten, Bildnis von Angelika Kauffmann, Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien © Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien

„Wie glücklich der Mann, der diesen Haydn im Leben besessen hat“.  Diesem Ausruf eines adeligen Musikliebhabers verdankt Haydn sein Grabmal.

„Joseph Haydn, Vornehmster der Musiker seines Zeitalters, geboren in Rohrau an der Leitha, am Tage des Monats Mai 1732, berühmtester Vorsteher des Musikchors des erhabenen Fürsten Nikolaus Esterhazy de Galantha, der die sieben letzten Worte unseres Heilands, die Schöpfung der Welt und die vier Jahreszeiten gut ... gesetzt [hat] und sich unsterblichen Ruhm bereitete, ein Meister, die Sorgen zu fliehen und die Herzen zu erfreuen, der erste [der] von der bedeutenden Universität der Wissenschaften in Oxford zum Doktor der musikalischen Kunst ernannt [wurde], ein Mann fromm, rechtschaffen, sanftmütig, äußerst wohltätig, gestorben in Wien am Tage des Monats Juni 1809, im 77. Jahre, durch das Streben seines Mäzens wurde [er] im Jahre 1820 mit feierlichem Zeremoniell hier übertragen und in diesem Grab geborgen"


So lautet in freier Übersetzung die Inschrift des schlichten, aber eleganten Grabsteins, den Fürst Esterházy nach dem Entwurf seines Hofarchitekten Charles de Moreau seinem Bediensteten Joseph Haydn 1820 setzen ließ.

Joseph Haydn bildet mit Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven die Trias der ersten Komponisten der Wiener Klassik. Seine 77 Lebensjahre, von denen er einen Großteil im Dienste der Familie Esterházy, einem der mächtigsten und vornehmsten Adelsgeschlechter der habsburgischen Monarchie, stand, waren von unterschiedlichen kulturellen Strömungen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. 1761 wurde er zweiter Kapellmeister bei Paul II. Anton Esterházy (1711-1762), ab 1762 bei Fürst Nikolaus I. dem „Prachtliebenden“ (1714-1790). Damit begann die weit über die Grenzen des Habsburgerreiches bekannte Glanzperiode des kulturellen Geschehens am fürstlich-esterházy’schen Hof. Als der erste Kapellmeister der fürstlichen Hofkapelle Gregor Joseph Werner 1766 verstarb, erhielt Haydn dessen Funktion und war von da an für alle Bereiche zuständig, von der Kirchenmusik über die Kammer- und Theatermusik bis zur Tafelmusik. Unter Haydns Leitung entwickelte sich das fürstliche Orchester zu einem bedeutenden Ensemble mit bis zu 25 Musikern. Fürst Nikolaus I., selbst musikalisch begabt, spielte das Baryton, ein der Viola da Gamba verwandtes Instrument, für das Haydn mehr als 160 Werke komponierte.

1768 wurde in der unter Nikolaus I. neu errichteten Sommerresidenz Eszterháza das Opernhaus mit der Uraufführung von Haydns Oper „Lo Speziale“ feierlich eröffnet. Bis etwa 1775 bestand die Hauptaufgabe des Komponisten darin, für den fürstlichen Hof Instrumentalmusik und Kirchenmusik zu komponieren und die Aufführungen zu leiten. Nach dem Tod von Nikolaus I. dem Prächtigen 1790 wurde das Hoforchester von dessen Nachfolger aus finanziellen Gründen aufgelöst und Haydn kehrte nach Wien zurück. Nominell behielt Haydn auch unter dem neuen Majoratsherrn Fürst Anton Esterházy (1738-1794) den Titel des fürstlichen Kapellmeisters mit einer Pension von 1400 Gulden. Zum Zeitpunkt seines Ruhestandes war Haydn bereits weit über die Grenzen der habsburgischen Monarchie berühmt. Vom Konzertunternehmer Johann Peter Salomon ließ er sich daher gerne zu einer Englandreise (1791/1792) überreden, die in der Verleihung des Ehrendoktorats für Musik in Oxford gipfelte. Aufgrund des großen künstlerischen und kommerziellen Erfolgs stimmte Haydn danach einem weiteren Englandaufenthalt (1794/95) zu. Unter dem Nachfolger Fürst Anton Esterházys, Nikolaus II. (1765-1833), erfolgte 1794 die Wiedererrichtung der fürstlichen Kapelle und Haydn wurde erneut zum Kapellmeister berufen. Er musste seine Aufgaben nur noch sporadisch wahrnehmen, eine Dienstpflicht war die Komposition einer Messe zum Namenstag der Fürstin Maria Josepha Hermengilde (1768-1845), der die Entstehung der sechs späten Messen (1796-1802) zu verdanken ist. Fürst Nikolaus war wie sein Großvater Nikolaus I. der großen Hofhaltung zugetan. Während seiner Herrschaft wurde eine große Kunstsammlung angelegt und die Bibliothek umfassend erweitert. Nikolaus II. ließ Eszterháza verfallen und machte Eisenstadt wieder zum repräsentativen Zentrum seiner Besitzungen.

Für den geplanten umfassenden Umbau der Schlossanlage zu einer zeitgemäßen Residenz konnte er den französischen Architekten Charles de Moreau (1758-1840) gewinnen, den er in Rom kennen gelernt und bereits 1794 nach Eisenstadt eingeladen hatte. Moreau, mehrfach ausgezeichneter Schüler der Pariser Architekturakademie, war wesentlich von den Werken des französischen Revolutionsklassizismus beeinflusst. Die in seinem Schaffen wiederholt merkbare Monumentalität, Geschlossenheit der Baublöcke und Betonung der Horizontalen verdeutlichen die Vorbildwirkung von Claude-Nicolas Ledoux und Etienne-Louis Boullée. Seit 1803 stand der Architekt in den Diensten der Familie Esterházy. Sein Projekt für die Umgestaltung und Erweiterung des Eisenstädter Schlosses blieb ein eindrucksvoller Torso. Seine Bauten, vor allem in Wien, verschafften ihm breite Anerkennung. Sie entsprachen, wie der bedeutende Kunstkritiker Ludwig Hevesi 1908 vom Standpunkt seiner Zeit abschätzig vermerkt, „ganz dem Ideal der anbrechenden Baubeamtenzeit“ und beeinflussten in weiterer Folge Wiener Architekten des Vormärz, wie etwa Joseph Kornhäusel.

Auch Joseph Haydn schuf in dieser kulturellen Glanzzeit des Esterhazy’schen Fürstenhofes Hauptwerke: Mit den Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ legte er für beinahe ein ganzes Jahrhundert den Rahmen für „moderne“ Instrumentation in der symphonischen Musik fest. Die Neuerungen wurden im Wesentlichen im Dienst der Esterházy entwickelt und ausgearbeitet. Als Joseph Haydn am 31. Mai 1809 in Wien starb, stand die Kaiserstadt im Zeichen der Besetzung durch die Franzosen, das Begräbnis fand daher in aller Stille auf dem Hundsturmer Friedhof statt. Haydns Leichnam ruhte dort – angeblich unberührt und auch vom Haus Esterházy, dem er sein Leben lang gedient hatte, unbeachtet – über ein Jahrzehnt lang. Erst 1820, nachdem der Duke von Cambridge nach einer Aufführung des Haydn-Oratoriums „Die Schöpfung“, der er anlässlich eines Besuches in Eisenstadt beigewohnt hatte, ausgerufen haben soll: „Wie glücklich der Mann, der diesen Haydn im Leben besessen hat und noch im Besitz seiner irdischen Reste ist!“, wurde das Haus Esterházy wieder auf seinen Diener aufmerksam und Fürst Nikolaus II., der bereits 1813 seine Eisenstädter Hofhaltung weitgehend aufgelöst und nach Wien verlegt hatte, veranlasste die Überführung der Gebeine Haydns nach Eisenstadt.

Mit der Gestaltung des Epitaphs wurden – aufgrund der vorliegenden, signierten Pläne nun eindeutig nachweisbar - der fürstliche Hofarchitekt Charles de Moreau, seit 1810 überwiegend in Wien tätig, und der fürstliche Bibliothekar und Sammlungsleiter Georg Gaál (1783-1855) beauftragt. Moreau unterwarf sich dieser Aufgabe mit gewohnter Präzision, nach seiner akribischen Handzeichnung in Bleistift, mit Anweisungen zur Ausführung auf Französisch, entstand die repräsentative Reinzeichnung eines Grabmals in den Formen eines strengen Klassizismus. Eine Detailzeichnung setzt sich zudem mit der ornamentalen Gestaltung der Lyra auseinander. Die Zuschreibung des Grabmal-Entwurfs an Charles von Moreau war bisher lediglich eine Vermutung und kann durch die nunmehr vorliegenden Blätter als gegeben angesehen werden. Das in den klassischen Formen einer antiken Grabstele ausgeführte Epitaph befindet sich unter der Musikempore der Bergkirche: über dem dreifach abgestuften Sockel erhebt sich die marmorne Inschrifttafel mit flacher Verdachung mit Akroterien, im Giebelfeld ein Lorbeerkranz. Als Bekrönung dient eine Leier, reich ornamentiert mit Palmettenmotiv und Rankenwerk, verhüllt von einer Draperie, die bis zu den Seiten der Inschrifttafel herabreicht: ein sprechendes Zeichen der Trauer über den Heros der Musik, verdeutlicht durch die lateinische Inschrift.

Aufgrund ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung wurden die Entwürfe, die sich nun in österreichischem Privatbesitz befinden, im Rahmen einer Auktion des Wiener Dorotheums unter Denkmalschutz gestellt.

Im heurigen Jahr wird der Todestag des Komponisten mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt.

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