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„Ein ziemlich stattlicher Saal“
Erbämtersaal im Salzburger Residenz-Neugebäude wiederhergestellt

Das Wappen der Lodron

Das Residenz-Neugebäude mit dem Glockenspiel-Turm vom Residenzplatz aus

Der Erbämtersaal nach abgeschlossener Restaurierung

Das Kuenburgsche Wappen war verloren gegangen und wurde 1892 neu geschnitzt

Geschnitzte Rankenornamente in den Eckfeldern vor der Reinigung

Boden Vorraum

Der historische Boden des Vorraums aus Adneter und Untersberger Marmor

Deckenstuck im Vorraum

Um ein Schmuckstück reicher ist das Residenz-Neugebäude in der Stadt Salzburg. Nachdem er rund 300 Jahre durch Zwischenwände unterteilt und in Amts- und Archivräume verbaut war, konnte der sog. Erbämtersaal mit seiner eindrucksvollen Holzkassettendecke wiederhergestellt werden.

Um 1675 hatte der Salzburger Fürsterzbischof und Kardinal Max Gandolf Graf Kuenburg im von Wolf Dietrich errichteten Residenz-Neugebäude den Westflügel als „Bibliothekstrakt“ fertig stellen und ausbauen lassen. Im 1. OG dieses auch als Kuenburgtrakt bekannten Teils des Neugebäudes wurde in prunkvollen, von Marmorsäulen unterstützten Gewölberäumen eine Bibliothek untergebracht, im darüber befindlichen Stockwerk schuf der Erzbischof Räume für die Salzburger Landstände.

Denn schon Erzbischof Paris Lodron hatte 1620 angesichts der Gefahren des Dreißigjährigen Krieges die salzburgische Landschaft wieder einberufen und ihr Versammlungs- und Kanzleiräumlichkeiten im Neugebäude zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Erweiterung des Neugebäudes unter Max Gandolf erhielten die Landstände dann weitere Räume auch in diesem neuen Trakt.

Der Erbämtersaal war dabei jenen Familien gewidmet, die zu dieser Zeit als Inhaber der „Erzämter“ – Kämmerer, Marschall, Truchsess und Mundschenk bzw. die Familien Törring, Lodron, Kuenburg, Tannhausen - unter dem landständischen Adel besondere Privilegien und Freiheiten genossen und den ersten Rang einnahmen. Die geschnitzten Wappen dieser Familien zierten in vier Eckfeldern die aus Nadelhölzern gefertigte Holzkassettendecke des Saales, während im Mittelfeld vermutlich ein weiteres, heute jedoch verschollenes Wappen angebracht war – möglicherweise das Wappen des Fürsterzbischofs oder des Landes. Ein schmaler Vorraum mit Stuckdecke verband den Saal mit dem Stiegenhaus.

Verbauung bald nach der Errichtung
Schon wenige Jahre nach der Errichtung des Saales - Bauforschung und restauratorische Befunde lassen auf die Zeit um 1700 schließen - wurde der Erbämtersaal jedoch ohne Rücksicht auf die einheitliche Deckengestaltung durch zwei Trennwände unterteilt. Das im Mittelfeld des Saales angebrachte große Wappen wurde vermutlich bei dieser Gelegenheit abgenommen. Ein Bestandsplan von Hofbaumeister Wolfgang Hagenauer zeigt, dass im Jahr 1784 auch der Vorraum schon durch eine Zwischenwand geteilt war. Weitere Einbauten kamen in den folgenden Jahrhunderten hinzu.

Als 1890 auf Initiative des damaligen Salzburger k.k.-Conservators Vitus Berger eine Restaurierung aller Prunkräume des Residenz-Neugebäudes in Angriff genommen wurde, wies die Kassettendecke im Erbämtersaal bereits erhebliche Schäden auf. Neben dem Mittelwappen fehlte inzwischen auch eine der vier Erbämter-Wappentafeln, geschnitzte Ornamente und Eckfüllungen mussten ergänzt werden. Darüber hinaus war auch das Wissen um die ursprüngliche Bedeutung und Nutzung dieses „ziemlich stattlichen Saales“ verloren gegangen. Erst gründliche Nachforschungen deckten den Zusammenhang der Wappen wieder auf und ließen zumindest eine Ergänzung des vierten Erbämterwappens – jenes der Kuenburger – wieder zu. Die Trennwände blieben jedoch bestehen, da auch weiterhin die Räume als Amts-, Archiv- und Kanzleiräume benötigt wurden.

Wiederherstellung des großen Saales
Erst vor wenigen Jahren entschloss sich das Land Salzburg zu einer Rückführung des Saales. Ausführliche statische, bauhistorische und restauratorische Untersuchungen gingen der denkmalpflegerischen Entscheidung voran, auch die bereits kurz nach der Erbauung des Saales errichteten barocken Zwischenwände abzubrechen und dadurch den ursprünglichen Raum und die machtvolle Wirkung der reichen Holzkassettendecke wiederherzustellen.

Ein Restauratorenteam untersuchte, reinigte und konservierte im vergangenen Jahr die Holzdecke und band ihre durch die untergestellten Zwischenwände verfärbten Teile farblich in den Gesamtverband der Decke ein. Da sich alle Hinweise auf Gestaltung und Verbleib des Wappens im Mittelfeld letztlich als nicht belegbare Spekulationen erwiesen, wurde das Mittelfeld aber auch bei dieser Restaurierung leer belassen.

Auch einige weitere Details der Raumgestaltung sowohl im Erbämtersaal als auch im Vorraum waren nicht mehr festzustellen, etwa ob der Raum ursprünglich eine Vertäfelung oder Tapetenbespannung aufwies.

Von den Zwischenwänden und weiteren späteren Eingriffen befreit, lässt der Erbämtersaal mit seiner schweren Kassettendecke nun wieder ein wenig von der Pracht und dem Reichtum der barocken Hofhaltung im Salzburg der Fürsterzbischöfe erahnen.

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