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Mediathek im KlosterVom Bibliothekstrakt der Dominikaner zur Mediathek des 21. Jahrhunderts – die Restaurierung und Revitalisierung des ehemaligen Kremser Dominikanerklosters

Dominikanerkloster Krems, Bereich der Mediathek

Dominikanerkloster Krems, Fassade des Bibliothekstraktes

Dominikanerkloster Krems, Empfangsraum, vor der Restaurierung, Foto: J. Riedl

Dominikanerkloster Krems, Empfangsraum vor der Restaurierung, Foto: J.Riedl

Dominikanerkloster Krems, Putzkonsolidierung, Foto: J.Riedl

Dominikanerkloster Krems, Empfangsraum nach der Restaurierung, Foto: J. Riedl

Dominikanerkloster Krems, Empfangsraum nach der Restaurierung, Foto: J. Riedl

Dominikanerkloster Krems, Detail der Inschriften, Foto: J. Riedl

Dominikanerkloster Krems, Bereich der Mediathek

Dominikanerkloster Krems, Archivbereich

Dominikanerkloster Krems, Archivbereich

Dominikanerkloster Krems, Bibliothekstrakt

Dominikanerkloster Krems, Liftzubau

Anfang Dezember 2008 ist die Bibliothek und Mediathek der Stadt Krems in den bis auf das 13. Jahrhundert zurückgehenden Westtrakt des ehemaligen Kremser Dominikanerklosters übersiedelt. Vorangegangen ist ein aufwändiger Restaurierungs- und Sanierungsprozess.

Er musste sowohl den Erfordernissen einer Neunutzung - beginnend bei der Schaffung eines barrierefreien Zutritts bis hin zur Infrastruktur für Internet- und PC-Arbeitsplätze - Rechnung tragen als auch auf die historisch gewachsene Bausubstanz des westlichen Traktes des ehemaligen Dominikanerklosters eingehen.
Die Dominikaner ließen sich 1236 in Krems nieder. Die schriftlichen Quellen berichten, dass noch im selben Jahr ein dem Dompropst zu Passau und Propst zu Ardagger, Heinrich, gehörender Weingarten den Dominikanern zur Errichtung eines Klosters übergeben wurde. Während die Errichtung der zugehörigen Dominikanerkirche zeitlich relativ genau datierbar ist, ab 1240, kann für das Kloster nur eine ungefähre zeitliche Einordnung vorgenommen werden.
Die als Grundlagenermittlung für das Bauvorhaben vorgenommene Bauforschung schreibt die Außenmauern des West- und Bibliothekstraktes der Mitte des 13. Jahrhunderts zu. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Umstand, dass die westliche Außenmauer auch im Obergeschoß mittelalterliches, lagerhaft versetztes Bruchsteinmauerwerk aufweist. Es scheint also schon in der Gründungszeit des Klosters ein zweigeschossiger Klosterflügel bestanden zu haben. Die Bauforschung konnte auch die in den Quellen immer wieder beschriebene Brandkatastrophe von 1566 bestätigen. Damals explodierte ein im westlichen Klostertrakt untergebrachtes Pulvermagazin und färbte Steine und Mörtel des noch intakten Mauerwerks rötlich.
Ausschlaggebend für die aktuellen Planungen waren jedoch die Barockisierungsphasen um 1730 im Inneren und um 1740 an den Fassaden. In den Innenräumen war das Ziel – bis auf eine Ausnahme – die Raumschale des 18. Jahrhunderts zu präsentieren. Mit der Restaurierung der stuckierten Fassaden konnte so für das gesamte Objekt eine gemeinsame Leitschicht definiert werden.

Nach der Entdeckung von Wandmalereien und gemalten Inschriften entschloss man sich, in einem Raum des ersten Obergeschosses einen Teil der Baugeschichte in didaktischem Sinn sichtbar zu belassen. Der Raum beherbergte im Mittelalter vermutlich die Bibliothek des Dominikanerklosters, worauf die Inschriften mit Bezug auf das Alte und das Neue Testament schließen lassen.
An der Nordwand des zukünftigen Empfangsraumes der Bibliothek befinden sich das Fragment einer Verkündigungsszene sowie Inschriften in Secco-Technik, die beide um 1300 zu datieren sind. Die Ost- und Südwand des Empfangsraumes werden ebenfalls von Inschriftenbändern überzogen. Die Restauriermaßnahmen für diese Wandmalereien gestalteten sich insofern als besonders diffizil, da zuerst die Trägerschicht der Malereien – der Putzgrund – stabilisiert werden musste. Erst im Anschluss daran konnten Reinigungsmaßnahmen gesetzt und Retuschen vorgenommen werden.

Dieses Restaurierungsvorhaben zeichnen besonders - neben notwendigen statischen Sicherungsmaßnahmen - die denkmalrelevanten Maßnahmen aus. Der barocke Holzkastenfensterbestand konnte restauriert werden, die verwendeten Putz- und Malsysteme im Inneren wie an den Fassaden basieren auf Kalk, soweit wie möglich wurden denkmalgerechte Bodenbeläge, etwa Holzdielenböden, eingebracht, und die Neudeckung des Bibliothekstraktes bezieht historische Handwerkstechniken in Form von vermörtelten Firsten und Graten mit ein.
Dieses ambitionierte Projekt soll mit all den beschriebenen Maßnahmen das ehemalige Dominikanerkloster in eine nachhaltige Neunutzung des 21. Jahrhunderts weiterführen.

Literatur:
Buchinger Günther/ Schön Doris/ Schönfellner-Lechner Helga, Ehemaliges Dominikanerkloster in Krems – Körnermarkt 13 – 14, Bauforschung, Krems 2007/2008.
Dehio Handbuch – Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich – nördlich der Donau, Wien 1990, S. 563/ 564.
Kühnel Harry, das Dominikanerkloster, in: 1000 Jahre Kunst in Krems (Ausstellungskatalog), Krems 1971, S. 133 – 151.
Riedl Jörg, Krems, ehem. Dominikanerkloster, 1. OG, Empfangsraum (Arbeitsbericht), Wien 2008.

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