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Mordalarm in Fernitz

Fernitz

Das römerzeitliche Grab in Fernitz. Rechts oben das Gefäß. (Grabbeigabe)

Detailaufnahme des Gefässes im Fernitzer Grab.

Glasboden

Glasflasche

Glashenkel

Perlen

Südlich der Landeshauptstadt Graz in Fernitz: Erdwärmekollektoren sollen eingegraben werden. Der Bagger wirft aber plötzlich auch menschliche Knochen aus. Ganz korrekt werden die Gemeinde und die Polizeidienststelle Hausmannstätten, dann das Landeskriminalamt, das Gerichtsmedizinische Institut der Universität Graz und das Bundesdenkmalamt informiert.

Beim Lokalaugenschein zeigt sich schnell, dass hier nicht die KriminalistInnen, sondern die ArchäologInnen zuständig sind: Neben den Knochen hat der Bagger Scherben einer kleinen Glasflasche mit Bandhenkel herausgerissen. Danach ist es klar, dass es sich um eine Körperbestattung aus der späten römischen Kaiserzeit, wohl aus dem späteren 4. Jahrhundert nach Chr., handelt.
Aufgrund älterer, allerdings reichlich unklarer Fundnachrichten ist davon auszugehen, dass das neue entdeckte Grab zu einem größeren spätrömerzeitlichen Friedhof gehört. Dessen Gesamtausdehnung ist bislang ebenso unbekannt wie die zugehörige Siedlung, die vielleicht mit einem Murübergang in Verbindung zu bringen ist: am anderen Ufer des Flusses liegt der große römische vicus von Kalsdorf bei Graz.
MitarbeiterInnen des Bundesdenkmalamts begannen nach Verständigung durch den Grundeigentümer, der recht überrascht von der Entdeckung neben seinem neuen Wohnhaus war, sofort mit der Untersuchung des Grabes und begleiteten den weiteren Bau. Die Mehrkosten durch die Verzögerung der Baggerarbeiten hat der Staat übernommen.
Das durch die Baumaßnahmen bereits beschädigte (vermutlich weibliche) Skelett war Ost-West orientiert. Die gesamte linke Körperhälfte inklusive beider Beine fehlte, die Lage des Kopfes war nur noch als Negativabdruck im Profil zu dokumentieren. Im Kopf/Schulter-Bereich konnten mehrere schwarze, feine ca. 2 cm lange Röhrenperlen eines Haarnetzes oder einer Perlenkette aus Glas geborgen werden. Nordöstlich, direkt neben dem Kopf lag ein vollständig erhaltener Trinkbecher aus Keramik.
Im weiteren Verlauf der Künette traten Mauerfundamente zutage, die wahrscheinlich als Fundament eines repräsentativen römerzeitlichen Grabbaues mit zugehöriger Umfassungsmauer zu interpretieren sind.

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