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Die Restaurierung der Silbernen Kapelle in der Hofkirche in Innsbruck hat begonnen...

Engel der freskierten Decke im nördlichen Teil. Zust. nach Reinigung.

Grundriss

Blick vom nördlichen in den südlichen Teil

Nördlicher Teil mit freskierter Decke und Gemälden von Johann Baptist Fontana, 1578

Südlicher Teil, Sterngewölbe und Marmorrippen

Freilegungsprobe am Trenngitter.

Wandnische mit freigelegter Vorhangsdraperie u. Retuschenprobe

Setzen von Retuschen an den freigelegten Fresken der Rundbogennische.

Aufgedeckter Engelskopf in der Wandnische des nördlichen Teiles

Nördlicher Teil, zentrale Wappenkartusche mit Lichtauslass

Die Silberne Kapelle in Innsbruck wurde unter Erzherzog Ferdinand II. als Grabkapelle für ihn selbst und seine beiden Frauen Philippine Welser und Anna Katharina Gonzaga in zwei Etappen erbaut.

Der nördliche Teil entstand zwischen 1577/78 durch den Hofbaumeister Hans Lucchese, die südliche Erweiterung 1586/87 durch dessen Sohn Albrecht, der nach dem Tod seines Vaters ab 1581 das Amt des Hofbaumeisters innehatte. Die Silberne Kapelle erhielt ihren Namen von den Silberreliefs des Marienaltares, der 1577/78 von Hoftischler Konrad Gottlieb gefertigt wurde, die Silberreliefs stammen vom Hofgoldschmied Anton Ort.
Die Kapelle besteht aus zwei rechteckigen, in Nord-Südrichtung neben der Hofkirche aneinander gebauten Gruftkapellen, die nur durch einen Gurtbogen und ein Gitter voneinander getrennt sind. Die ursprüngliche Raumplanung der Kapelle, die nur den südlichen Teil vorsah, änderte sich durch den frühen Tod von Philippine Welser und die zweite Ehe des Erzherzogs.
Die Belichtung der Kapelle erfolgt über zwei große Rundbogenfenster und ein mittleres Ochsenauge an der Südseite. Der Hauptzugang liegt in Form eines rechteckigen Marmorportals an der Ostseite, wo eine ansteigende Treppe unter die Nordempore der Hofkirche führt.
Die beiden Gruftkapellen sind kreuzrippengewölbt, die nördliche Kapelle ist zweijochig, die südliche dreijochig ausgeführt. Im nördlichen, von Hans Lucchese erbauten Teil wurde an der Ostwand neben dem Eingang eine niedere Nische für das Grabmal der Philippine Welser nachträglich aus der Kirchenwand ausgebrochen. Der Sarkophag mit der Liegefigur der Toten und den Reliefs an der Vorderseite stammen von Alexander Colin. Das südliche Joch wird an dieser Seite in der ganzen Breite und Höhe von einer Rundbogennische eingenommen. Das Kreuzgewölbe zeigt Marmorrippen mit Blatt- u. Perlstab auf ionischen Kapitellen, Pilaster in Marmorino gliedern die Wandflächen. Die übrigen Wände und das Gewölbe sind ab einer Höhe von etwa zwei Metern mit Renaissancemalereien geschmückt. Sie zeigen geflügelte Engelsköpfe auf rotem Grund, im Gewölbe sind sechseckige, in Stuck gerahmte Felder mit Szenen aus dem Leben Christi und Mariens von Johann Baptist Fontana eingelassen. Die später übermalten und erst bei der letzten grundlegenden Restaurierung 1948/49 freigelegten Puttenköpfe sind durch unterschiedliche Gesichtsausdrücke charakterisiert, die fehlenden Gesichter wurden nicht ergänzt. Im Zentrum befindet sich das marmorne Wappen des Erzherzogs mit Fürstenhut und Kette des Goldenen-Vlies-Ordens.
Nur in Weiß-Schwarz ist die südliche Kapelle ganz auf das Grabmal Erzherzog Ferdinands II. abgestimmt. Die Wände sind aus Marmorino, durch geschichtete Marmorinopilaster mit blattbesetzten Marmorrippen gegliedert. Im ersten Joch an der Ostseite liegt das Grabmal Erzherzog Ferdinands II. mit der Liegefigur und Marmorreliefs mit Szenen aus dem Leben des Erzherzogs und Figuren von Alexander Colin, über der Reliefzone befindet sich das farbig eingelegte Marmorwappen Ferdinans II. Am Pfeiler rechts über der Nische kniet die Porträtfigur des Fürsten mit dem Leibharnisch von Hans Jakob Topf. Die vorderste Nische, die ursprünglich für das Grabmal von Ferdinands zweiter Gattin Anna Katharina Gonzaga bestimmt war, beherbergt die aus Italien stammende Spätrenaissance-Orgel (um 1585). Vom ehem. Flügelaltar hat sich nur der Mittelteil aus Ebenholz, Elfenbein, geschmückt mit getriebenen Silberreliefs erhalten. Die Westseite öffnet sich über Rechtecktüren zu zwei Sakristeiräumlichkeiten mit Felderdecken.
Die noch laufende Restaurierungsarbeiten begannen mit Reinigung und Ergänzungen der Marmorinowände, Marmorinopilaster, Marmorportale u. Marmorrippen der Kapelle. Gleichzeitig entfernte man die nicht originale Goldfassung an den Rippen, den Stuckrahmen und dem zentralen Wappen der nördlichen Kapelle mittels Skalpell und Laserstrahlung. Weiters wurden die Grabmäler von Erzherzog Ferdinand II. und Philippine Welser mit einer leichten Schmierseifenlösung gereinigt. Die Renaissancemalereien der Wandflächen der nördlichen Kapelle wurden trocken gereinigt, ebenso die Deckengemälde von Johann Baptist Fontana. Die Befundungen des Hochaltares brachten bemerkenswerte Ergebnisse, eine separate Zusammenfassung auf dieser Seite ist geplant. Die kniende Figurine von Erzherzog Ferdinand II. mit polychromiertem Porträtkopf und Harnisch wurde während der Restaurierung entfernt, die aus der Zeit der letzten Restaurierung stammende unpassende Konsole wird durch die von alten Fotografien kopierbare originale Konsole ersetzt.
Zu sensationellen Ergebnissen führten die Befundungen an den gekalkten Wandflächen der breiten Rundbogennische der nördlichen Kapelle und am Trenngitter. Der gesamte Rundbogen wird von einer Vorhangsdraperie eingenommen, an den Seitenflächen der Nische konnten - entsprechend den übrigen Wandflächen - geflügelte Engelsköpfe auf rotem Grund aufgedeckt werden. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes entschied man sich für die Freilegung der Vorhangsdraperie, die mechanisch mittels Skalpell erfolgt. Bei den Engelsköpfen wird aufgrund des rudimentären Zustandes nur ein Fenster zu Dokumentationszwecken freigelegt. Bei dieser mühevollen Arbeit schaffen die Restauratoren ca. 0,5 m² pro Tag. Die Fehlstellen werden in der Folge zur besseren Lesbarkeit leicht ausretuschiert. Die Untersuchung des Abschlussgitter, das urkundlich 1588 vom Hofschlosser Hans Peck gefertigt wurde, ergab einen ungewöhnlichen Befund: das Gitter war blau gefasst, die Rosetten waren vergoldet. Die Freilegung auf die Erstfassung konnte ebenso wie bei der Rundbogennische dank der zusätzlichen Finanzierung durch die Burghauptmannschaft beschlossen werden.
Als weitere Maßnahmen sind die Restaurierung des Marmorbodens, die Reinigung der Felderdecken in den Sakristeien sowie die Verlegung des Stromauslasses vom zentralen Wappen in die flankierenden leeren Tondi geplant. Das ursprünglich vorhandene Schmiedeeisengitter um das Grabmal Ferdinands wird nach alten Fotografien nachgebildet. Die Fertigstellung der Restaurierungsmaßnahmen ist für das Frühjahr 2009 geplant.

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