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Majolika im KlimatestRestaurierung der Keramikeinrichtung in der katholischen Pfarrkirche von Mariasdorf

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Einblick

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Blick zum Hochaltar

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Entwurf für Hochaltar

Entwurf für die Kanzel in der Pfarrkirche Mariasdorf

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Kanzeldetail

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Probeentnahme am Hochaltar

Mariasdorf, r.k. Pfarrkirche, Untersuchung der Kanzel

Die in malerischer Lage über dem kleinen Ort thronende Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariae Himmelfahrt gehört mit ihrer regotisierenden Neugestaltung zu den beeindruckendsten sakralen Baudenkmälern des ehemaligen westungarischen Raums. Nun müssen die einzigartige Keramik restauriert und zuvor die Eigenheiten des Raumklimas erforscht werden.

Als prototypische Restaurierung des Historismus kommt der Kirche ein hoher Rang in der Kunstgeschichte, aber auch in der Geschichte der Denkmalpflege zu.

Gegen 1400 über einem romanischen Vorgängerbau errichtet und im Laufe des 15. Jahrhunderts erweitert, erhielt die Kirche zunächst eine durchgreifende Barockisierung. Ab 1882 schließlich fand nach den Entwürfen von Imre (Emmerich) Steindl die Regotisierung des gesamten Bauwerks statt. Steindl, einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit in der ungarischen Reichshälfte und Erbauer des Budapester Parlamentgebäudes, schließt hier an die Auffassung seines Wiener Lehrers Friedrich von Schmidt an und steht unter dem unverkennbaren Einfluss französischer Formulierungen von Violet-le-Duc.

Im Sinne eines einheitlichen Gesamtkunstwerkes wurden auch die Entwürfe für die weitgehend neue Einrichtung auf das formale Konzept abgestimmt, darunter vor allem der Hochaltar, die Kanzel und das Taufbecken, welche bemerkenswerterweise aus glasierter Keramik bestehen und aus der Manufaktur der Gebrüder Zsolnay in Fünfkirchen stammen.
Obwohl der bedeutende Kunsthistoriker Dagobert Frey noch 1929 die Regotisierung von Mariasdorf als wenig glücklich und die Keramikeinrichtung als eigenartig ansah, ist zwischenzeitlich eine deutliche Wende in der Beurteilung eingetreten. Heute stellt die Kirche insbesondere durch die Umformung von Steindl und mit der Zsolnayer Majolikaeinrichtung den herausragenden Stellenwert dar.

Gerade an der Keramik waren in den letzten Jahren vermehrt Oberflächenschäden und Risse wahrzunehmen, sodass nun eine grundlegende Restaurierung ansteht. Die ersten diesbezüglichen Untersuchungen der Werkstätten des BDA ergaben, dass das Raumklima als wesentlicher Verursacher betrachtet werden muss, zumal bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert im Presbyteriumsbereich Feuchtigkeitsprobleme dokumentiert sind, die sich auch durch das an der Chornordwand im Außenbereich wesentlich höhere Erdniveau und die damit verbundene Temperaturdifferenz ergeben. Nach einer Innenrestaurierung in den 1990er Jahren entstanden an dieser Wand bereits bald wieder erste Schäden, woraufhin schon vor knapp 10 Jahren Georadaruntersuchungen in Auftrag gegeben wurden, die jedoch keine nennenswerten Aufschlüsse erbrachten.

Zum einen weist der Hochaltar von 1884 in den unteren Bereichen ein dichtes Schadensbild an Salzausblühungen mit Absprengungen der Glasur und der oberen Keramikauflagen auf.
Die Laborauswertungen der Proben zeigten, dass bereits im originalen, zum Aufbau der Majolikateile verwendeten Mörtel Zuschlagstoffe aus Weißzement vorhanden waren, was aufgrund der aufsteigenden Feuchtigkeit, der Raumklimaschwankungen und dem damit verbundenen Kondensat immer wieder zu Salzausblühungen führen musste. Vor jeder restauratorischen Intervention sind daher zunächst effiziente Maßnahmen zur Stabilisierung der Luftfeuchtigkeit zu setzten. Derzeit laufen Raum- und Wandfeuchtemessungen über einen gesamten Jahreszyklus, um die Werte als Grundlage für ein zu erstellendes Klimakonzept zu erhalten. Als begleitende Maßnahme werden jedenfalls die zugeputzten Lüftungslöcher der Gewölbe wieder geöffnet, wobei lediglich im spätgotischen Langhausgewölbe, nicht aber im historistischen Chorgewölbe derartige Öffnungen vorhandenen sind.

An der Kanzel kommt schließlich noch ein weiteres Schadensbild zum Tragen, da hier nicht nur Ausblühungen und Abplatzungen von Glasur- und Keramikschichten wie am Altar festzustellen sind, sondern darüber hinaus auch feine, durchgehende Rissbildungen, die vermutlich auf ein statisches Problem im Gefüge der Aufhängung hinweisen.

Das Bundesdenkmalamt ist derzeit nicht nur über das Landeskonservatorat für Burgenland regelmäßig in den Ablauf eingebunden, sondern bietet darüber hinaus unverzichtbare Vorbereitungsarbeiten an: Nachdem durch die Architekturabteilung bereits die Erstellung von photogrammetrischen Aufnahmen erfolgte, laufen zurzeit eingehende Klimamessungen und Laboruntersuchungen, die von den Werkstätten übernommen wurden.
Erst nach Auswertung dieser Daten und nach Umsetzung der dementsprechenden Raumklimamaßnahmen kann im Jahr 2009 mit den restauratorischen Arbeiten begonnen werden.

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