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Großprojekt am Schöndorferplatz in Hallein abgeschlossen
Revitalisierung und Denkmalpflege in großem Maßstab

Westseite des Schöndorferplatzes mit Häusern 1 bis 4

Die Häuser 10 und 11 an der Ostseite des Schöndorferplatzes

Schmale Gassen und Durchgänge prägen die Halleiner Altstadt, wie hier neben dem Haus Schöndorferplatz 1

Stiegenhaus im Haus Schöndorferplatz 2

Raum mit Stuckdecken im Haus Schöndorferplatz 11

Das "Stüberl" im Haus Schöndorferplatz 3

Schöndorferplatz 2, Kapelle

Dachboden

Eingangshalle Schöndorferplatz 3

Die Altdeutsche Stube am Schöndorferplatz 3

Detail der Vertäfelung in der Altdeutschen Stube

Stiegenaufgang im Haus Schöndorferplatz 4

Stuckdecke mit religiösen Texten im Haus Schöndorferplatz 10

Detail

Jahrzehntelang hatte das historische Zentrum der Salzburger Industriestadt Hallein zu den Sorgenkindern der österreichischen Denkmalpflege gezählt, ehe in den 1990er Jahren mit der Ensemble-Unterschutzstellung von insg. 330 Objekten durch das BDA ein Umschwung bei der Behandlung der alten Bausubstanz begann. Publikation zum Thema

Mit dem Abschluss der Sanierung von sieben historischen Bürgerhäusern am Schöndorferplatz wurde jetzt ein Meilenstein in der seit 20 Jahren betriebenen Revitalisierung und denkmalgerechten Sanierung der früheren Salinenstadt gesetzt.

Der Schöndorferplatz – ein historischer Kern Halleins
Der schmale, dreieckförmigen Straßenplatz zählt zu den historischen Keimzellen der Stadt Hallein. Durch ihn führt seit dem Hochmittelalter die Straße, die die fürsterzbischöfliche Residenzstadt Salzburg mit ihrer Haupteinnahmequelle, den Salzbergwerken am Dürrnberg, verband. Hier entwickelte sich auch das Zentrum der städtischen Selbstverwaltung, von dem etwa das Halleiner Rathaus an der Ostseite des Platzes zeugt.

Geprägt ist der Platz von der typischen Erscheinung der Inn-Salzach-Häuser: nach oben gezogene Häuserfronten mit Grabendächern, deren straßenseitige Giebel durch hochgezogene, z.T. mit Gesimsen verzierte Mauern verdeckt sind, so dass oft mehrere Häuser durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble bilden. Die meist vierstöckigen Bürgerhäuser wirken dadurch kubisch und monumental.

Abwanderungsgebiet neu belebt
Die schattige Lage unterhalb des Dürrnbergs, ein aufgrund mangelnder Instandhaltung schlechter Erhaltungszustand der Gebäude, zum Teil niedrige Wohnungsstandards sowie ein hoher Ausländeranteil hatten schon seit den 1970er Jahren zur Abwanderung vieler Althalleiner vom Schöndorferplatz in sonnigere Lagen im Nahbereich der Altstadt geführt. Investitionen in die Altbauten unterblieben weitgehend, Feuchtigkeitseintritt aufgrund undichter Dächer sowie fehlende Beheizung und Durchlüftung der Häuser hatten die zunehmende Zerstörung von Bausubstanz zur Folge. Im Jahr 1998 standen bereits fünf der jetzt sanierten Häuser leer, im Jahre 2000 waren es sechs.

Mit dem Einstieg der Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Heimat Österreich“ - der gemeinnützige Bauträger erwarb bis 2006 insgesamt sieben Häuser am Platz (Schöndorferplatz 1-5, 10 und 11) – kam seit Ende der 1990er Jahre ein Hoffnungsschimmer auf. Da ein Ausbau für Mietwohnungen sich bald als unrealistisch erwies, in der Schulstadt Hallein aber Bedarf an Schüler- und Lehrlings-Heimplätzen besteht, wurde schließlich die Idee eines Kolping-Projektes mit mehr als 200 Wohnplätzen in diesen Gebäuden geboren.

In einem über 10 Jahre laufenden, vom Landeskonservatorat für Salzburg intensiv begleiteten Prozess wurde versucht, die wirtschaftlichen Interessen des Bauträgers mit den Anforderungen der Denkmalpflege zu vereinen, Erhaltung und Restaurierung mit modernen Wohnwünschen zu verbinden. Denn natürlich wäre auch beim Projekt Schöndorferplatz eine vollständige Entkernung der Gebäude der einfachste Weg für Planung und Umsetzung gewesen - ein Neubau hinter historischen Fassaden. Dem setzte die Denkmalpflege ein strukturiertes Vorgehen entgegen, arbeitete mit detaillierten Voruntersuchungen die Denkmalqualitäten der sieben Häuser heraus und konnte im Einvernehmen mit dem Bauträger diese Qualitäten schließlich zum maßgebenden Rahmen für Planung und Baudurchführung machen.

Aufschlussreiche Befunde
Schon 1998 wurde nach genauen Vorgaben des BDA mit dem Erstellen der Bestandspläne begonnen, 2002 folgte eine detaillierte bauhistorische Untersuchung der Gebäude, wobei wegen des Projektumfanges eine eigene Arbeitsgemeinschaft aus in- und ausländischen Fachleuten gebildet wurde. Nach Planung, Behördenverfahren, Ausschreibungs- und Vergabeverfahren wurden 2006 die Bau- und Sanierungsarbeiten selbst in Angriff genommen, bis Anfang 2007 noch begleitet von archäologischen und bauarchäologischen Untersuchungen.

Aber nicht nur für die Projektentwicklung waren diese Untersuchungen maßgeblich, sie bieten auch faszinierende Einblicke in die Besiedlung und Geschichte Halleins und des Schöndorferplatzes.

So ergaben die archäologischen Untersuchungen, dass der Schöndorferplatz zu den ältesten Siedlungsbereichen in Hallein zählt, das Fundmaterial reicht bis in die Latène-Zeit (jüngere Eisenzeit, ca. 5.-1. Jh. v.Chr.) zurück. Teile des heutigen Gebäudebestandes ließen sich aufgrund angelagerter Keramik bis ins 13. Jahrhundert zurück datieren. Die Forschung war schon seit den 1970er Jahren davon ausgegangen, dass die Entstehung der Stadt Hallein erst im ausgehenden 12. Jahrhundert einsetzt, und die Befunde von Archäologie und Bauforschung legen nun nahe, dass der Schöndorferplatz ein, wenn nicht das Zentrum dieser städtischen Entwicklung war. Seit dem Spätmittelalter wurden die Grundstücke dann zunehmend massiv überbaut, ehe im 16./17. Jahrhundert weitgehend der heutige Bebauungszustand erreicht war.

Wie schon bei früheren bauhistorischen Untersuchungen wurde hier auch für Hallein dezidiert nachgewiesen, dass die Bauten jeweils ausgehend von einzelnen Kernen schrittweise sowohl bezüglich der Grundfläche wie auch in die Höhe gewachsen sind. Die Untersuchungen gaben eindrucksvollen Aufschluss über die bauliche Entwicklung einzelner Häuser wie ganzer Häuserblocks.

Denkmalpflegerische Projektsteuerung
Aber nicht nur bei Voruntersuchungen und Planung brachte sich die Denkmalpflege ein, der Bauträger stimmte auch einer Projektsteuerung durch einen Baufachmann mit langjähriger Erfahrung in der Denkmalpflege zu. Dank dieser Projektsteuerung gelang ein frühzeitiges Erkennen und Ausräumen von Problemen, die der Denkmalsubstanz der Gebäude hätten Schaden zufügen können. Dabei wurden mitunter Problemlösungen erreicht, die nicht nur denkmalgerecht waren, sondern sogar zu Kostenersparnissen führten – etwa die Wiederentdeckung und neuerliche Nutzbarmachung eines in den 1930er Jahren errichteten, später aber wieder aufgegeben Liftschachtes.

Diese Projektsteuerung stellte auch die Erhaltung und fachgerechte Restaurierung vieler historischer Bau- und Ausstattungsteile sicher, sodass die Häuser heute über sanierte Wandoberflächen, zahlreiche historische Türen und eine ganze Reihe wieder instand gesetzter Stuckdecken verfügen.

Auch manche Überraschungen brachte der Baufortschritt mit sich. Zu den negativen zählte v.a. das wiederholte Auftreten des Hausschwamms, einer erheblichen Bedrohung für alle Holzbauteile. Erheblicher Aufwand war nötig, um dieses Problem bei möglichst geringem Substanzverlust in den Griff zu bekommen.

Zu den erstaunlichen Funden zählte auf der anderen Seite eine Stuckdecke im Haus Nr. 10, die Mitte des 18. Jahrhunderts vollständig mit Textzeilen zur Marienverehrung beschrieben wurde – an der Decke in Spiegelschrift, in der Hohlkehle in Normalschrift. Verfasser und Zweck dieser eigenwilligen Bemalung liegen im Dunkeln, ein bemerkenswertes Zeitdokument iat diese Decke auf jeden Fall.

Impuls für die gesamte Altstadt
Knapp zehn Jahre nahm die Revitalisierung der Häuser am Halleiner Schöndorferplatz in Anspruch, wobei neben Zuschüssen von Land Salzburg und der Stadt Hallein auch großzügige Bundesmittel aus der Denkmalpflege für die Sanierung zur Verfügung gestellt wurden.

Schon im Mai erfolgte die Übergabe der Gebäude an den Bauträger, am 18. Oktober wird das Kolpingheim als Wohnheim für Lehrlinge und Schüler und als Begegnungsstätte feierliche eingeweiht und in Betrieb genommen.

Die Halleiner Altstadt erhält durch dieses neue Wohnheim einen wichtigen Impuls zur Revitalisierung des historischen Zentrums, wovon nicht nur die betroffenen Gebäude, sondern – etwa durch eine verbesserte Nahversorger-Infrastruktur - die gesamte Altstadt profitieren werden. Der Denkmalschutz aber hat nicht nur die Erhaltung der historischen Substanz der vom Verfall bedrohten Gebäude erreicht, sondern das gesamte historische Ensemble einer neuen, zukunftsträchtigen Nutzung zugeführt.

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