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Salzburger Mirabellgarten unter Denkmalschutz
Die berühmte Gartenanlage ist endlich ein „echtes“ Gartendenkmal

Die "Faustkämpfer" am südlichen Eingang zum Mirabellgarten

Die berühmte Sichtachse mit Blick auf die Festung - schon am frühen Morgen Hauptattraktion für Touristen

Große Gartenachse mit Blick auf Schloss Mirabell

Raptusgruppe "Der Raub der Persephone" mit Barockbeet im Vordergrund

Raptusgruppe "Kampf des Herkules mit Antaeus "

Blick vom Rosenhügel

Bronzepegasus am Pegasusbrunnen

Einhörner flankieren den nördlichen Eingang zum Mirabellgarten

Steinerner Löwe am Eingang zum Bastionsgarten

Eingang zum Zwerglgarten

"Der Zwerg mit dem Holzbein" im Zwerglgarten

"Die Zwergin mit der Obstschürze" im Zwerglgarten

Einer der ersten öffentlich zugänglichen Barockgärten mit einer Vielzahl künstlerisch hochwertiger Statuen, Brunnen und Figurengruppen konnte auf Grund einer Eigentümlichkeit des österreichischen Denkmalschutzgesetzes erst kürzlich unter Denkmalschutz gestellt werden.

Österreich war lange das einzige Land Europas, in dem historische Gartenanlagen nicht vom Denkmalschutz erfasst werden konnten. Erst mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes (gültig mit 1. Jänner 2000) besteht die Möglichkeit, die wichtigsten 56 historischen Garten- und Parkanlagen in Österreich unter Schutz zu stellen. Für Salzburg sind dies die Schlossparks von Anif, Hellbrunn, Kleßheim, Leopoldskron und Mirabell. Nach der Gartenanlage von Schloss Kleßheim 2003 ist nun auch die barocke Anlage des Mirabellgartens rechtskräftig unter Denkmalschutz gestellt.

Wie der Garten einst als Lustgarten entstand …..

Erzbischof Wolf Dietrich ließ 1606 das Schloss „Altenau“ vor den Toren der damaligen Stadt auf einem Schwemmkegel am rechten Salzachufer als Lustschloss für seine Geliebte Salome Alt errichten. Die Benennung von Schloss und Garten als „Mirabell“ geht bereits auf Erzbischof Markus Sittikus im Jahr 1617 zurück. In der Zeit Erzbischofs Paris Lodron wurde das Schloss durch die Errichtung von wehrhaften Bastionen in das Stadtgebiet eingegliedert; die Anlage erhielt dadurch ihre heutigen Dimensionen. Von den ersten Gartenbereichen, die hier von 1606 bis 1687 bestanden, ist nichts mehr erhalten.

Die Gestaltung des heutigen Gartens geht auf Anfänge im 17. Jahrhundert zurück, als Erzbischof Johann Ernst von Thun-Hohenstein (1687-1709) den bedeutenden Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach mit einer Umplanung der Gesamtanlage im neuesten Stil der Zeit beauftragte. Der Garten des barocken Lustschlosses hatte nicht nur die Aufgabe eines Rekreationsraums zu erfüllen, sondern reflektierte als Repräsentationsbereich mit seiner Vielzahl an Gestaltungselementen die Ansprüche des Hofzeremoniells und befriedigte den Wunsch der barocken, höfischen Gesellschaft nach Selbstdarstellung, Spiegelung ihrer Macht und ihres universellen Herrschaftsanspruches.

Zu der üppigen Barockausstattung trugen bekannte in- und ausländische Bildhauerkünstler wie Johann Fröhlich, Andreas Götzinger, Ottavio Mosto, Bartholomäus von Opstal, Hans Schwäbl und Wolfgang Weißenkirchner bei.

Unter Erzbischof Franz Anton Harrach (1709 - 1727) schritt die Gestaltung des Gartens weiter fort. In den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die Gesamtanlage nach Entwürfen von Johann Lukas von Hildebrandt gravierend verändert. Nach seinen Plänen entstand um 1710 die heute nicht mehr bestehende sala terrena. Auch der Umbau des Schlosses von 1721 – 1727 ging auf seine Planung zurück. Die Gartengestaltung oblag dem Gartenkünstler Franz Anton Danreiter, der von 1724 bis um 1750 als Hofgarteninspektor des Erzbischofs tätig war. In der Regierungszeit Kronprinz Ludwigs von Bayern in Salzburg (1810 - 1816) gab es Pläne zur Modernisierung des barocken Mirabellgartens im englischen Stil, die Strukturen der barocken Gartenkonzeption wurden jedoch weiterhin beibehalten. Ab 1866 wurden weite Teile der den Garten umgebenden Befestigungsanlagen abgetragen; durch diverse Neubauten bis zum Ersten Weltkrieg wurde die Anlage räumlich stark eingeengt.

…. und wie ihn die ganze Welt kennt

1854 wurde der Mirabellgarten durch Kaiser Franz Joseph der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so dass sich Salzburger wie Besucher der Stadt an der einst ausschließlich für die Fürsten bestimmten Pracht erfreuen und den Garten als wichtigen innerstädtischen Erholungsraum nutzen konnten und können. Seit 1866 befinden sich Schloss und Garten Mirabell im Besitz der Stadt Salzburg. Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Mirabellgarten zu einem symbolträchtigen Zentrum des beständig wachsenden Tourismus in Salzburg.

Der Mirabellgarten in Salzburg gehört zweifellos neben Schönbrunn und dem Belvedere in Wien sowie Hellbrunn in Salzburg zu den wichtigsten touristischen Aushängeschildern Österreichs. Das weltberühmt gewordene Bildmotiv, der Blick von Norden nach Süden mit der Festung Hohensalzburg im Hintergrund, verleiht diesem Barockgarten besondere Prominenz, der mit seiner reichen architektonischen und bildhauerischen sowie pflanzlichen Instrumentierung ein Denkmal von internationalem Rang darstellt.

Denkmalschutz, erst jetzt?

Umso erstaunlicher erscheint es, dass die Unterschutzstellung einer so bedeutenden Schloss- und Gartenanlage - noch dazu im Eigentum der Stadt! - erst in den vergangenen Jahren in Angriff genommen werden konnte.

Baudenkmale in öffentlichem Eigentum standen schon bisher kraft gesetzlicher Vermutung unter Denkmalschutz; wenn das Bundesdenkmalamt oder die Eigentümer dies für erforderlich halten, kann dieser Status überprüft und durch Bescheid festgestellt werden, ob die Erhaltung tatsächlich im öffentlichen Interesse gelegen ist oder nicht. Auch das Schloss Mirabell war somit denkmalgeschützt – nicht aber der Garten als Anlage! Mit der Gesetzesnovelle 2000 konnten nunmehr sowohl  das Schloss als auch die Gartenanlage per Bescheid unter Denkmalschutz gestellt werden.

Die Erhebungen im Vorfeld der Unterschutzstellung historischer Gärten unterscheiden sich von denen über Baudenkmäler durch die akribische Aufnahme des botanischen Bestandes sowie der Erforschung der Entwicklung des Gartens im Lauf der Geschichte mittels der Einrichtung eines eigenen Parkpflegewerks. Ein Parkpflegewerk ist ein Instrument zur Analyse, zur Dokumentation, zur denkmalgerechten Pflege, zur Erhaltung und Restaurierung historischer Gärten, Parks, Plätze und Grünanlagen. Das Parkpflegewerk bewertet die Gartenanlage aufgrund ihrer historischen Entwicklung und ihres aktuellen Bestands. Anschließend wird ein gemeinsames Leitkonzept erarbeitet, das die denkmalpflegerische Zielsetzung und Maßnahmenpläne für den weiteren Umgang mit dem Gartendenkmal enthält.

Beete, Wege und Brunnen - Die Struktur der Anlage

Der Mirabellgarten besteht aus der Großen und Kleinen Achse als Parterrebereiche südlich bzw. westlich des Schlosses, dem Rosengarten unmittelbar vor der Südfront des Hauptgebäudes, dem Orangeriegarten, der Bastion vor dem Vogelhaus, dem Bastionsgarten, dem Heckentheater, dem Zwerglgarten sowie dem Innenhof und den Vorbereichen des Schlosses. Die Anlage umfasst neben dem Schloss selbst und diversen Gebäuden wie Orangerie, Barockmuseum und Vogelhaus eine große Anzahl von gartenarchitektonischen Elementen wie Brunnen, Mauern, Treppen, Figurengruppen und Balustraden mit Vasen aus Stein.

Antikenrezeption, Mythologie, Zwerge und mehr

Zu den wichtigsten und bekanntesten Figurengruppen zählen die beiden sich gegenüber stehenden Faustkämpfer am südlichen Eingang zum Mirabellgarten. Sie sind Werke des Bildhauers Andreas Götzinger und wurden um 1700 wohl in Anlehnung an den Borghesischen Fechter geschaffen.

Symmetrisch um den zentralen Springbrunnen angeordnet, bilden die vier Raptusgruppen den künstlerischen Höhepunkt innerhalb der Großen Gartenachse. Sie symbolisieren die vier Elemente: der Raub der Persephone durch Hades steht für die Erde, der Kampf des Herkules mit Antaeus für die Luft, die Rettung des Anchises und Ascanios durch Aeneas aus dem brennenden Troia für das Feuer und die Entführung der Helena durch Paris für das Wasser. Die imposanten Figurengruppen wurden von dem bedeutenden italienischen Bildhauerkünstler Ottavio Mosto um 1690 geschaffen und finden ihre Vorbilder im Garten von Versailles.

Im Bastionsgarten befindet sich heute der sogenannte Zwerglgarten. Ursprünglich (ab 1715) war dieser in dem unterhalb des Bastionsgartens gelegenen Bereich situiert gewesen, der derzeit als Spielplatz genutzt wird. Die dort aufgestellten in den 1690er Jahren geschaffenen grotesken Zwergenfiguren aus Untersberger Marmor entsprachen ganz der Mode der Zeit. In vielen Schlössern entstanden damals sogenannte Zwergengalerien, deren Figuren Vorbilder in den Stichserien des französischen Künstlers Jacques Callots hatten. Aufgrund ihrer eigenwilligen, oft derben Gestaltung wurden die Zwergenkabinette in späteren Zeiten oft wieder aufgelöst, so auch in Salzburg. Die Figuren wurden 1811 einzeln verkauft; erst 1921 gelang es, neun der ursprünglich insgesamt 28 Zwergenfiguren wieder im Mirabellgarten zu vereinen. Durch Rückkäufe und Kopien stehen dort inzwischen  15 Skulpturen.

Auch der im kleinen Parterre direkt vor dem Schlossportal gelegene Pegasusbrunnen ist aus dem Gesamtbild des Mirabellgartens nicht mehr wegzudenken, obwohl er erst 1913 in der jetzigen Form aufgestellt wurde. Die in rundem Steinbecken auf einer mittigen Felsformation sich aufbäumende, als Bronzeguss gefertigte, geflügelte Pferdefigur wurde 1661 vom Innsbrucker Künstler Caspar Gras geschaffen. Ihr ursprünglicher Aufstellungsort ist nicht gesichert, jedoch war sie - bereits in Sekundärverwendung - Teil der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten Pferdeschwemme am Mirabellplatz.

2000 - Die barocke Pflanzenwelt kehrt zurück

Auf Anregung des Bundesdenkmalamtes konnten im Zeitraum von 2000 bis 2004 in den vier begleitenden Kompartimenten des zentralen Springbrunnens mit den Raptusgruppen Rekonstruktionen der originalen, barocken Beetbepflanzungen des 18. Jahrhunderts vorgenommen werden. Die Planung dieser für die Denkmalpflege wichtigen Maßnahme erfolgte durch das Wiener Büro der Gartenarchitektin und Leiterin der Bundesgärten DI Brigitte Mang. Die barocken Beetanlagen wurden durch das Team des Salzburger Stadtgartenamts in vorbildlicher Weise umgesetzt und im Rahmen des Tags des Denkmals 2000 der Öffentlichkeit das erste Musterbeet präsentiert.

Mit dem Abschluss des Unterschutzstellungverfahrens von Schloss und Garten Mirabell zu Beginn des Jahres 2008 ist nunmehr die Voraussetzung für alle weiteren im Rahmen des Parkpflegewerks gemeinsam mit dem Stadtgartenamt und dem Bundesdenkmalamt erarbeiteten, denkmalpflegerischen Maßnahmen zur Erhaltung und gartendenkmalpflegerischen Rekonstruktion dieser einzigartigen, barocken Gartenanlage geschaffen worden.

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