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Die Deutschvilla in Strobl am Wolfgangsee
Eine großbürgerliche Sommerfrische-Villa im Salzkammergut

Die Deutschvilla im Sommer 2008

… und vor der Sanierung

An der nach Osten ausgerichteten Gebäuderückseite war das Erdgeschoß ursprünglich als durchgehende Loggia geöffnet

Stiegenaufgang in der vertäfelten Halle

Wiederhergestellte Leimfarb-Malerei im Vestibül

Der Keller wartet noch auf eine vollständige Restaurierung

Die künftige Gestaltung des großzügigen Parks ist derzeit noch offen

Nachdem Kaiser Franz Josef jahrzehntelang seine Sommer in Bad Ischl verbrachte, begann sich die Sommerfrische im Salzkammergut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmender Beliebtheit bei Adel und Großbürgertum der Habsburgermonarchie zu erfreuen.

Diese Mode, die sich bis in die Zwischenkriegszeit fortsetzte, erreichte vor allem mit dem Bau der Salzkammergut-Lokalbahn - sie verband seit 1890 Bad Ischl mit Strobl und seit 1893 mit der Stadt Salzburg - auch den Wolfgangsee.

Wiener und Prager Großbürger als Bauherren in Strobl
In der Salzburger Wolfgangsee-Gemeinde Strobl hatte die „Sommerfrische“ zwischen 1880 und 1930 eine rege Bautätigkeit zur Folge, als reiche Bürger vor allem aus Wien, aber auch aus Prag sich großzügige Sommerhäuser nach ihrem Geschmack und ihren gehobenen Ansprüchen errichten ließen.

Im Zuge dieser Bautätigkeit erwarb 1896 der Wiener Fabriksdirektor George Schinteliffe-Blakey ein Areal nahe dem Strobler Ortszentrum und ließ zehn Jahre später darauf ein einstöckiges Sommerhaus errichten. Aber erst mit einem großzügigen Umbau 1923/24 durch die neuen Besitzer Bankdirektor Otto und Maria Deutsch entstand die stattliche Villa, die heute nach diesen Bauherren auch als Deutschvilla bekannt ist.

Als jüdisches Eigentum im Jahr 1942 arisiert wurde die Villa 1948 an die Familie Deutsch restituiert, später verkauft, um einen seitlichen Anbau erweitert und dann jahrzehntelang Sitz des „Vereins der Freunde der Sommerhochschule der Universität Wien“.

Im Jahre 1988 erwarb die Gemeinde Strobl das Haus, das als Sitz des Vereins „Deutschvilla - Verein zur Förderung aktueller Kunst“ in der Folge zu einem viel beachteten Standort für Gegenwartskunst wurde. Ein Feststellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes bekräftigte im Jahr 2000 die Bedeutung der Deutschvilla als Denkmal, und in der Folge bemühte sich der Verein „Deutschvilla“ trotz knapper finanzieller Mittel beherzt, gemeinsam mit der Gemeinde und dem Bundesdenkmalamt um eine schrittweise Instandsetzung von Bausubstanz und Ausstattung.

Landesausstellung als Chance für Sanierung
Seit dem Sommer 2007 bot sich die Gelegenheit einer umfassenden Sanierung der Villa: Strobl wurde – obwohl am Salzburger Ufer des Wolfgangsees gelegen – in die oberösterreichische Landesausstellung „Salzkammergut“ einbezogen, die Deutschvilla zum Standort einer Ausstellung gewählt.

Unter großem Zeitdruck wurden bis zur Eröffnung der Landesausstellung seither die Innenrestaurierungsmaßnahmen ebenso wie Trockenlegungsmaßnahmen und die Dach- und Fassadensanierung vorangetrieben.

Die bereits 2003 begonnene Restaurierung der mit Holzvertäfelungen ausgestatteten großen Halle und des anschließenden Salons konnten inzwischen ebenso abgeschlossen werden wie die Restaurierung des Vestibüls, in dem die Wandbespannungen und Leimfarbmalereien aus den zwanziger Jahren wiederhergestellt wurden.

Ein besonderes Augenmerk galt der Außenerscheinung der Villa, waren doch die Fensterläden und Spaliere verloren gegangen und die Fassade im Laufe der Jahre schadhaft und unansehnlich geworden. Die Fassade wurde auf Basis einer restauratorischen Befundung in Kalk-Technik mit der Farbgebung von 1924 wiederhergestellt, Türen und Fenster – großteils ebenfalls noch aus den 1920er Jahren – waren schon in den letzten Jahren ebenfalls nach Befund in einem hellen Grauton gestrichen worden.

Ein Rätsel blieb lange Zeit die Farbgebung der Fensterläden und Spaliere, die nachgebaut werden mussten: Zwar lagen Planansichten und Photographien der Deutschvilla und selbst Konstruktionspläne der originalen Fensterläden vor, sie ließen jedoch keine Rückschlüsse auf die Farbigkeit zu. Erst im Laufe der Sanierungsarbeiten löste sich das Problem allmählich: Zunächst wurde bei der Restaurierung von Regensinkkästen festgestellt, dass die Fallrohre ursprünglich grün gestrichen waren; und schließlich kamen bei Sanierungsmaßnahmen im Dachgeschoß zwei Verandatüren aus der Umbauphase 1923/24 ans Licht, deren erster Anstrich ein kräftiges Grün mit dem hellen Grauton der Fenster als Schmuckfarbe war.

Nicht in allen Details konnte die großzügige Villenarchitektur freilich wiederhergestellt werden, war doch auch auf die Nutzung des Hauses für Kunstwerkstätten und Ausstellungen Rücksicht zu nehmen: So bleiben die im Laufe der Jahrzehnte geschlossenen Loggien der Deutschvilla weiterhin als ganzjährig nutzbare Räumen ausgebaut, einzelne später eingezogene Zwischenwände wurden beibehalten und von einer Wiederherstellung der Schablonenmalereien wurde wegen der regelmäßigen künstlerischen Nutzung der Wandflächen ebenfalls abgesehen.

Noch nicht abgeschlossen sind die Arbeiten im Keller: das Souterrain hatte ursprünglich die Küche und andere Arbeitsräume beherbergt und beeindruckt noch heute – nachdem es jahrzehntelang ungenutzt blieb und unter Feuchtigkeit litt – durch Wand- und Bodenfliesen aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Der die Villa umgebende großzügige Park – der Salzburger Gartenarchitekten Hans Kern hatte im Jahr 1924 u.a. einen Rosengarten mit Laubengang und ein Teehäuschen vorgesehen – orientiert sich am Vorbild englischer Landschaftsgärten, das Gartenkonzept ist aber heute nur in Ansätzen zu erkennen.

Der Gemeinde Strobl ist es gelungen, mit der Deutschvilla ein beeindruckendes Beispiel einer Sommerfrischevilla aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zu erhalten. Mit großzügiger Unterstützung durch das Land Salzburg und durch das Bundesdenkmalamt kann nach der jetzigen Sanierung wieder ein Eindruck von der Qualität und Eleganz dieser Villenarchitektur vermittelt werden.

Bis 2. November d. J. wird die Deutschvilla im Rahmen der oberösterreichischen Landesausstellung „Salzkammergut“ noch die Ausstellung „un.SICHTBAR. Widerständiges im Salzkammergut“ (verlinken mit Ausstellungshomepage) beherbergen, die sich dokumentarisch und künstlerisch mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie den wechselhaften Erinnerungen daran auseinander setzt.

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