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Verborgenes Orgel-GesamtkunstwerkEntdeckung im Mönchschor der Franziskanerkirche

Detail der freigelegten Wandmalerei im Mönchschor der Franziskanerkirche

Wöckherl-Orgel in der Franziskanerkirche Wien vor der Restaurierung (copyright Franziskanerkloster Wien)

Wöckherl-Orgel, Außenansicht des rechten Orgelflügels

Detail des Orgelflügels in mit der Wandmalerei vergleichbarer Formensprache.

Detail der Orgel-Tafelbilder mit der Bezeichnung 1643

Wöckherl-Orgel, Außenansicht des linken Orgelflügels, Hl. Cäcilia

Freigelegte Malerei in einer Chornische von 1607/1609, Engel und Beschlagwerk

Die älteste erhaltene Orgel Wiens, die sogenannte Wöckherlorgel, wird restauriert. Dabei traten Überraschungen zu Tage: Im Zuge der Abnahme der Flügel wurden Grisaillemalereien von höchster kunst- und kulturhistorischer Bedeutung gefunden.

Der Mönchschor der Franziskanerkirche verbirgt sich - nach oberitalienischem Vorbild - hinter einem raumhohen Kulissenaltar von Andrea Pozzo. Vom Kirchenschiff her nicht einsehbar und nur vom Konvent aus zugänglich, bleibt er den Franziskanern vorbehalten, wird jedoch im Rahmen von Spezialführungen zugänglich gemacht.

In der zentralen Chornische befindet sich die Orgel der Franziskanerkirche. Sie wurde 1642/43 durch den Wiener Orgelbauer Johann Wöckherl errichtet. Das Orgelwerk im zeitgleich hergestellten Gehäuse mit reichem ornamentalem Schnitzdekor und bemalten Flügeltüren machen die „Wöckherlorgel“ zu einem frühbarocken Instrument von überregionaler kunst- und musikhistorischer Bedeutung.

Die Restaurierung der Orgel wurde zum Anlass genommen, den gesamten in den Jahren 1603 bis 1607 nach Plänen von Pater Bonaventura Daum errichteten Betchor samt Kulissenaltar zu restaurieren. Dabei brachten Befundungen von Restaurator Michael Podbelsek bisher unentdeckte Grisaillemalereien zum Vorschein, die der bauzeitlichen Ausstattungsphase des frühen 17. Jahrhunderts zuzuordnen sind.

Die Malerei besticht durch ihr kompositionell ausgewogenes Zusammenspiel von Engelsköpfen alternierend mit gemaltem Beschlagwerksdekor in den Gesimszonen und illusionistischen Architekturgliederungen an den Wänden. Die künstlerisch hochwertige Ausführung und der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand machen die Malerei zu einem für Wien bis dato unbekannten und einmaligen Dokument frühbarocker Wandmalerei von hoher kunsthistorischer Bedeutung.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass die dekorativen und figuralen Elemente der Wandmalerei in den knapp vierzig Jahre später gebauten und gestalteten Flügeltüren rezipiert wurden. Somit scheint klar, dass die Orgel, deren Tafelbilder derzeit in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes untersucht und konserviert werden, bewusst für diesen Raum geschaffen wurde.

Mit einer vorsichtigen Freilegung und Sicherung der entdeckten Malerei gelänge es, die „Wöckherl-Orgel“ in der ursprünglich für sie konzipierten Umgebung zu präsentieren und somit ein wohl einzigartiges frühbarockes Gesamtkunstwerk wiederherzustellen.

Nähere Details zur Wöckherlorgel:
Die Orgel der Franziskanerkirche wurde 1642/43 durch den Wiener Orgelbauer Johann Wöckherl (um 1594 – 1660) errichtet. Der am 14. Juli 1642 dafür geschlossene Werkvertrag ist noch heute vorhanden, sie ist damit die älteste erhaltene Kirchenorgel Wiens. Sie besitzt 20 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal mit gebrochener Unteroktav in zeittypischer mitteltöniger Stimmung. Das Orgelwerk im zeitgleich hergestellten Gehäuse mit reichem ornamentalen Schnitzdekor kann durch seine figural bemalten Flügeltüren den liturgischen und musikalischen Bedürfnissen entsprechend im geöffneten wie auch im geschlossenen Zustand gespielt werden und stellt somit auch in dieser Besonderheit ein Unikum in der Wiener Orgellandschaft dar.

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