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Trinkhalle Bad Ischl – zur oö. Landesausstellung 2008 saniert

Die Trinkhalle von Bad Ischl - restauriert für die oö. Landesausstellung. Foto: Punz

Johann Sams, Das große Solbadhaus, Aquarell 1845. Reproduktion: Foto Hofer Bad Ischl

Handwerkliches Können beim neuen Blechdach: eingebundene Kehldeckung und Entlüftung über ein Firstrollgebinde

Licht durchflutet mit starkem Bezug nach außen.

Stimmiges Gesamtbild durch passende Steinfliesen, Färbelung und Beleuchtung.

Die Trinkhalle prägt das Bad Ischler Ortsbild.

Zustand der  Trinkhalle vor der Restaurierung.

Die Steinzeugfliesen wurden behutsam ergänzt.

Bad Ischl. Trinkhalle. Rotmarmorfußboden mit Standort des Trinkbrunnens

Kontinuierlich von Abbruchplänen bedroht und ebenso beharrlich von begeisterten Kurgästen und kulturbewussten Bewohnern verteidigt, ist die Trinkhalle heuer einer der Ausstellungsorte der oö. Landesaustellung, in denen der traditionsreiche Kurort seine Geschichte präsentiert.

„Gerade die Architektur ihres schönen und Licht durchfluteten Innenraumes gibt mit imperialer Geste, und dennoch ohne zu protzen, jedem Besucher eindringlicher als Bilder, Bücher und Prospekte es vermögen, ein gültiges Zeugnis von jener Zeit, da der Kurort jahrzehntelang das sommerliche Zentrum des Habsburgerreiches war.“ So verteidigte Architekt Heinz Karbus 1990 den Erhalt der Trinkhalle.

Kaiserlicher Nachwuchs
Die im Ischler Salzberg gewonnene Sole wurde 1819 vom Salinenarzt erstmalig genutzt, um kranke Bergarbeiter zu heilen. Als Begründer des Kurorts gilt Dr. Franz Wirer, Leibarzt der kaiserlichen Familie in Wien. Die Solebäder dienten als Ersatz für Bäder im Meer, denn weite Reisen waren damals für die meisten Menschen unerschwinglich. Im Heimatbuch der Stadt Bad Ischl wird berichtet, dass Dr. Wirer Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie wegen des ausbleibenden Kindersegens Solebäder in Bad Ischl empfahl. Als sich der Erfolg mit der Geburt des späteren Kaisers Franz Joseph 1830 einstellte, war der Ruf Ischls als Heilbad gesichert.
Dr. Wirer erkannte auch, dass neben Bäderbauten auch Voraussetzungen für das gesellschaftliche Leben geschaffen werden mussten. Aus dieser Erkenntnis kam der Auftrag zur Gestaltung eines Solbades an den Architekten Franz Lössl. Es entstand nicht nur eine Kureinrichtung, sondern zugleich ein wichtiger Treffpunkt des Kurpublikums.

Klassizistische Architektur
Die ursprüngliche Ischler Trinkhalle, ein langer von einem Säulenumgang umgebener Baublock, wurde in den Jahren 1829 bis 1831 – als "Wirerbad" oder auch "Solbad" bezeichnet – errichtet. Den Ursprungsbau prägten vor allem seine klassizistischen Formen wie der Säulenumgang und ein Würfelfries entlang des Gesimses.
1851 bis 1853 wurden zwei stark verglaste Seitenflügel hinzugefügt, wodurch ein t-förmiger Baukörper entstand. Der heutige Restbau erhielt seine Form im Jahr 1936, als der Längstrakt, die ehemaligen Badekabinen, abgetrennt wurden.

Farbgebung
1963/64 erfolgte eine umfassende Restaurierung, deren Erscheinungsbild die Vorgabe für die Restaurierung und Adaptierung der Jahre 2007/08 bildete.
Die Farbfassung des Jahres 1964 bestand aus einer einheitliche Kalkung der gesamten Architekturoberfläche in einem gebrochenen Weißton, innen wie außen. Die Sockelzone war in einem hellen Steingrau gefasst. Palmetten- und Akanthusblätter der Kapitelle waren rot unterlegt und ölvergoldet. Fenster und Türen zeigten als Erstfassung ein gebrochenes Weiß.
Nach Abnahme der dispersionshaltigen Übermalung wurde der ursprüngliche Weißton wiederhergestellt und die Palmetten- und Akanthusblätter mit einem Acrylanstrich vergoldet.

Sanierung vom Dach bis zum Boden
Das neue Blechdach hat mit dem Firstrollgebinde zur Lüftung und der eingebundenen Kehldeckung hohes handwerkliches Niveau. Steinzeugfliesen und Steinsockel außen wurden gereinigt und behutsam ergänzt, ebenso der Rotmarmorboden innen im Bereich des Trinkbrunnens. Dem Restaurierziel entsprechend wurden Jura-Platten verlegt und die Glasluster aus den 1960er Jahren restauriert.
Neue Sanitärbereiche im Keller und Akustikdecken mit Be- und Entlüftung ermöglichen die Nutzung als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum. Die Büros des Tourismusverbandes und der Kurdirektion von Bad Ischl sind künftig in der Trinkhalle zu finden. Nach der oö. Landesausstellung 2008 wird auch der Trinkbrunnen wieder aufgestellt.

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