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Ein Arkadenhof in neuem Glanz
Mauterndorf, Ehemalige Pflegverwaltung des Salzburger Domkapitels

Arkadengang an der Westseite des Hofes

Blick auf den Haupttrakt

Detail der Ostfassade

Die Fassade am Marktplatz wurde 1994 wieder hergestellt

Der ehemalige Pfleghof in Mauterndorf verfügt über einen bemerkenswerten Innenhof, der in den vergangenen Jahren restauriert wurde.

Eine Reihe von Treppengiebelhäusern prägt das Zentrum der Lungauer Marktgemeinde Mauterndorf. Eines davon, der ehemalige Pfleghof des Salzburger Domkapitels, verfügt neben der auffälligen Straßenfassade auch über einen bemerkenswerten Innenhof mit einem auf das 17. Jahrhundert zurückgehenden Arkadengang.

Umbauten und Brände seit dem 16. Jahrhundert ablesbar

Die Baugeschichte des in vier Flügeln um einen Hof errichteten Hauses am Marktplatz reicht bis ins Spätmittelalter zurück, wesentliche Veränderungen erfolgten vor allem im 17. Jahrhundert, als der Innenhof neu gestaltet wurde. Brände zogen das Gebäude immer wieder arg in Mitleidenschaft, in den Jahren 1880 und 1912 schließlich zerstörten sie den Dachstuhl, Teile der Obergeschoße und vor allem des Osttraktes, in dem sich bis dahin u.a. die Kapelle der Pflegverwaltung befunden hatte.
Jahrzehntelang erfolgte ein schleichender Verfall des Gebäudes, ehe neue Besitzer sich seit den 1980er Jahren an die Revitalisierung machten. In den Neunziger Jahren wurde zunächst die kunstvoll ausgestattete Treppengiebelfassade zum Marktplatz wiederhergestellt, seit 2003 arbeiteten die Eigentümer in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt an der Sanierung des Innenhofes.

Innenhof mit Arkadengang aus dem 17. Jahrhundert

Der mit großen Toröffnungen und Durchfahrten erschlossene Innenhof trägt an drei Seiten Lärchenholz-Balkone. Besonderes Augenmerk verdient aber vor allem der über geschlämmten Tuffsteinsäulen gemauerte Arkadengang mit Stichkappengewölben aus dem 17. Jahrhundert. In diesem Bereich des Hofes förderte die restauratorische Befundung Putze und Quaderritzungen aus dem 17. Jahrhundert zu Tage, auch einzelne Eisentüren und Fensterflügel mit Bleiverglasung aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie Türen und Fenster aus dem 19. Jahrhundert waren noch erhalten.
Nach den Bränden von 1880 und 1912 waren die Hoffassaden mit Romanzement und schließlich mit einem zementhaltigen Rieselputz überarbeitet worden, der in den folgenden Jahrzehnten immer wieder mit Zementplomben ausgebessert worden war. Statische Probleme, die man bereits nach den Bränden mit Eisenankern zu bewältigen versucht hatte, führten nach wie vor zu Rissbildungen in den Gewölben und Mauern des Osttraktes.

Oberflächen aus vier Jahrhunderten

Der Statik und der Schließung des Mauerwerks galten dann auch wesentliche Vorarbeiten für die Fassadensanierung des Hofes, deren Ziel die Entfernung der zementhaltigen Überputzungen und die Wiederherstellung der historischen Kalkoberflächen war.
Auf Basis einer detaillierten Fassadenbefundung, die Putz- und Tüncheschichten aus vier Jahrhunderten nachwies, wurden die Kalkoberflächen in teilweise mühevoller Kleinarbeit wieder frei gelegt und anschließend in Kalktechnik zu einer einheitlichen glatten Oberfläche geschlossen. An einzelnen Stelle werden aber auch die Putze mit Ritzungen aus dem 17. Jahrhundert als Musterfenster präsentiert.
Gleichzeitig wurde der Innenhof, der im Laufe der Zeit deutlich aufgeschüttet worden war, auf sein früheres Niveau abgesenkt und ein Betonsockel vor den Arkadensäulen entfernt, wodurch der Arkadengang wieder seine ursprüngliche Gestalt erhielt.
Eine zurückhaltende Sanierung der Lärchenholz-Balkone und zahlreicher schmiedeeiserner Fenstergitter und Holztüren sowie eine Hofpflasterung ergänzten die Fassadensanierung und bringen diesen Arkadenhof, mit dem es im Lungau wenig Vergleichbares gibt, wieder in seiner ganzen Qualität zu Geltung.
Der Initiative der Eigentümer und ihrem Verständnis für die Denkmalpflege ist es zu verdanken, dass dieses bemerkenswerte und geschichtsträchtige Gebäude vor einem weiteren Verfall bewahrt und mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes schrittweise saniert werden konnte.

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