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Die Restaurierung des Ostergrabes in Obsteig

Gesamtansicht. Zustand vor der Restaurierung.

Leinwandtafel nach Trockenreinigung und Retuschierung.
© J. Faimann, Obsteig

Landschaftshintergrund, Zustand nach Trockenreinigung und Retuschierung.
© J. Faimann, Obsteig

Himmel. Da die Bindung der Leimtempera nachgelassen hat, war der Auftrag einer dünnen Fixierung nach Reinigung und Retuschierung notwendig.
© J. Faimann, Obsteig

Engeldarstellungen im oberen Kulissenbogen. Zustand nach Trockenreinigung und Retuschierung.
© J. Faimann, Obsteig

Grabwächter.
© J. Faimann, Obsteig

Engel der Ölbergszene. Wie bei den Gräbwächtern war nur eine leichte Oberflächenreinigung dieser Bretterfiguren notwendig.
© J. Faimann, Obsteig

Grablieger, 1983 in barocker Manier als Ergänzugn zum Ostergrab vom Innsbrucker Künstler Wolfram Köberl geschaffen.
© J. Faimann, Obsteig

Zu den österlichen Bräuchen gehört in der Karwoche das Aufstellen eines Heiligen Grabes.

Dieser österliche Brauch ist Ausdruck des bis ins Mittelalter zurückreichenden Bestrebens, den Gläubigen das Geschehen von Golgatha zu vergegenwärtigen. Heilige Gräber lassen sich bereits im 14. Jahrhundert im süddeutschen und alpenländischen Raum nachweisen. Die Sitte, in den Passionstagen in den Kirchen ein Heiliges Grab aufzustellen, ist somit älter als jene des Krippenbauens. Seit einiger Zeit ist eine Renaissance dieser im Volk tief verankerten Tradition spürbar. Es kommt neues Leben in diese kulturgeschichtlich bedeutenden Denkmäler, die im Volksmund auch Ostergräber genannt werden.
Das Heilige Grab von Obsteig unterscheidet sich in Konzeption, Aufbau und Ikonographie von den klassischen Beispielen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Zu den weiter tradierten reich gegliederten Scheinarchitekturen in mehreren Kulissenschichten mit kunstvoll täuschender Perspektive tritt im 19. Jahrhundert ein neuer Grabtypus, der aus weiten Bühnenhintergründen mit Landschaftsdarstellungen, Stadtansichten und eingefügten Figurenkompositionen besteht. Beim Obsteiger Grabaufbau sind die figuralen Darstellungen gegenüber anderen Beispielen aus der gleichen Zeit stark reduziert, er besteht zum gößten Teil aus Landschaft und Himmel.
Die Grabarchitektur besteht aus einer bogenförmigen Schautafel mit Seitenflügeln, die den gesamten Chor der Pfarrkirche ausfüllt. Dem Aufbau vorgestellt ist die klassizistisch gestaltete Grabesnische Christi, die von bunten Grabkugeln beleuchtet wird. Dahinter zieht sich eine weite Landschaft hin. Den Vordergrund zu beiden Seiten der Grabeshöhle bildet, abgegrenzt durch einen kleinen Zaun, der Garten Gethsemane, in dem Jesus verraten wird. Links davon zeigt sich die Stadtsilhouette von Jerusalem, rechts der Berg Golgatha mit den zwei leeren Kreuzen der Schächer. Die restliche Kulisse wird von einer gemalten Himmelsszenerie eingenommen, in die versatzstückhaft Figurengruppen eingesetzt sind: Zwei Engel, die das am Berg Golgatha fehlende Kreuz Christi tragen, darüber eine halbfigürliche Gottvaterdarstellung im Wolkenkranz mit Heiliggeisttaube (Bretterfigur) und umgebender Engelsschar. Die Darstellung Gottvaters vereint sich mit der Heiliggeisttaube und dem Kreuz Christi zur Dreifaltigkeit, die im göttlichen Dreieck hinter Gottvater bereits symbolhaft dargestellt ist. Das auf dem Kulissenbogen applizierte Kreuz Christi wird durch Glühbirnen in Nägeln nachempfundener Form von hinten her beleuchtet.
Zur Gründonnerstagsliturgie zeigt sich die Grabeshöhle noch verschlossen. Oberhalb der Grabarchitektur wird mit Bretterfiguren die Ölbergszene (schlafende Jünger, Christus und Engel mit Kelch) aufgestellt. Am Karfreitag liegt der Leichnam Christi im Grab, bewacht von zwei Soldaten (Bretterfiguren). Der Grablieger wurde 1983 von Wolfram Köberl in barocker Manier geschaffen. Über der Grabesnische wird das Allerheiligste in einer von Engeln umgebenen Gloriole ausgesetzt. In dieser erscheint während der Osternacht der Auferstandene. Zum weiteren Grabzubehör zählen die als Bretterbilder ausgeführten Propheten Jesajas und Jeremias, vier Bäume, zwei Laternen, zwei Büsche und eine Strahlengloriole. Als interessantes Detail zeigt sich auf der Rückseite der linken Seitentafel die Skizze eines Grabaufbaus.
Das Grab ist zwar nicht signiert, der Landschaftshintergrund kann aber aufgrund der charakteristischen Malweise dem Thaurer Maler Andrä Leitl (1815-1899) zugeschrieben werden, einem begabten Krippenmaler im Stil des romantischen Heroismus. Leitl war ein besonders feiner Landschaftsmaler mit zarter Lichtführung. Er arbeitete gemeinsam mit Johann Kramer (geb. 23.08.1809 in Thaur). Seine auch am Ostergrab von Obsteig dargestellten typischen Landschaften sind in einigen Weihnachtskrippen zu finden (z. B. zweite Kirchenkrippe von Thaur, Krippe beim Bartlhof in Absam, so genannte Kitzkrippe in Absam).

Durch die jahrzehntelange Lagerung war das Grab in schlechtem Zustand. Als notwendige Restaurierungsmaßnahmen erwiesen sich Trockenreinigung und Festigung der Malschicht sowie die Auftragung einer dünnen Fixierung, da die Bindung der Leimtempera nachgelassen hat. Daneben mussten auch alle Leinwände nachgespannt werden. Frühere Retuschen wurden abgenommen und weicher ergänzt, besonders an der stark übermalten Gottvaterfigur. Neben den Restaurierungsmaßnahmen wurde im Anbau der Volksschule ein eigenes Depot für das Ostergrab geschaffen, um künftige Schäden durch eine falsche Lagerung hintanzuhalten. Die feierliche Segnung des Grabes erfolgt am Gründonnerstag 2008.



 

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