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100 Jahre Rädlerfabrik in Linz-Kleinmünchen

Die "neue Rädler" heute. Der Schornstein der Fabrik wurde zum Kirchturm der Pfarre.

Der Abbruch schien unabwendbar - heute ist das Objekt saniert: mit 22 Eigentumswohnungen, einem Geschäft und der Pfarre Marcel Callo wieder belebt.

Kirchenraum der Pfarre Marcel Callo im ehemaligen Haspelsaal der Spinnerei

Pioniere der frühen Industrialisierung des Linzer Stadtteils Kleinmünchen waren die Gebrüder Rädler aus Vorarlberg. Die ehemaligen Spinnerei aus 1907 beherbergt heute auch die Pfarre Marcel Callo (Schörgenhubstr.39).

Das Jubiläumsjahr wird am
Sonntag, 9. März 2008 um 11 Uhr mit der Ausstellung "Neuer Nutzen in alten Industriebauten" eröffnet. Es spricht der Industriearchäologe Univ.Prof. Dr. Gerhard. A. Stadler.

1830 errichteten die Gebrüder Rädler mit einer Baumwoll-Spinnfabrik den ersten bedeutenden mechanischen Großbetrieb in Linz-Kleinmünchen. Die vielen alten Mühlen mit ihren Wasserrechten entlang der Traun und große, unbebaute Flächen boten die dafür nötigen Voraussetzungen.

Von "Mule Jennies" und "Selfaktoren"
Die ersten Maschinen mussten teilweise mit der Hand betätigt werden, wurden jedoch bald mit nach englischem Vorbild hergestellten Maschinen ersetzt. Bei den ersten von Rädler verwendeten Maschinen handelte es sich wahrscheinlich um so genannte „Mule Jennies“ oder „Spinning Mules“, Universalspinnmaschinen, die alle Garnsorten herstellen konnten. Sie erforderten großes Geschick vom Spinner, da bei unsachgemäßer Handhabung Hunderte Fäden reißen konnten.
Um 1850 kamen halbautomatische Spinnmaschinen in Verwendung, die so genannten Halb-Selfaktoren, etwa 20 Jahre später wurde die Fabrik auf vollautomatische Spinnmaschinen (Selfaktoren) umgerüstet.

Neubau der Rädlerfabrik 1907 /1908
Die rasante Entwicklung der Spinnereimaschinen verlangte 1907/1908 einen Neubau des Fabriksgebäudes. Als nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges keine Baumwolle mehr importiert werden konnte, stieg die Baumwollspinnerei Rädler auf die Produktion von Papiergarnen um. Der Neubeginn und Aufschwung nach dem Krieg währte nicht lange: nach der Weltwirtschaftskrise musste das Unternehmen 1931 Konkurs anmelden. (Vgl. Lackner/Stadler, Fabriken in der Stadt. Eine Industriegeschichte der Stadt Linz. Hg. Archiv der Stadt Linz. Linz 1990, S.120ff).

Linzer Tuchfabrik Himmelreich & Zwicker
Unter einem neuen Eigentümer wurde von 1934 bis 1985 gefärbt, gewebt und gesponnen. Dann schien das endgültige Aus für das industriegeschichtliche Denkmal gekommen und der Abbruch beschlossen zu sein. Nach Bürgerprotesten und dank politischer Anstrengungen von Stadt Linz und Land Oberösterreich sowie einer versierten Immobilienfirma sind heute 22 Wohnungseigentümer, ein Geschäftslokal und die katholische Pfarre Auwiesen in der "Rädlerfabrik" zu Hause.

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