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Die Wehranlage in Mandling bei Radstadt Einst umstrittene Grenze zwischen Salzburg und Österreich

Teile des 2007 sanierten Abschnittes der Wehranlage

Bauphasenplan eines Mauerabschnittes an der Enns: Blauschraffierte Flächen verweisen auf bauzeitliches Mauerwerk, die roten Linien auf Ausgleichslagen, gelbe Felder bezeichnen spätere Ausbesserungen (Photo: Fuchsberger)

Schadenskartierung desselben Abschnittes (Photo: Fuchsberger)

Dichter Bewuchs trug seinen Teil zum Verfall der Wehrmauer bei

Das geschichtete Mauerwerk des ausgehenden 13. Jahrhunderts

Aufmaßplan der Wehranlage: Ausschnitt mit Bastion an der Enns (Plan: Linsinger Vermessung)

Teil des bereits 2002 instand gesetzten Mauerabschnittes am Steilhang

Die Befestigungsanlage von Mandling an der Grenze zwischen Salzburg und der Steiermark wurde in den vergangenen Jahren in ihrem Bestand dokumentiert und gesichert.

Bis zur Eingliederung Salzburgs in die Habsburger-Monarchie im Zuge der Napoleonischen Kriege (endgültig 1816) verlief die Grenze zwischen der habsburgischen Steiermark und dem Fürsterzbistum Salzburg durch das obere Ennstal.

Eine gefälschte, mit 890 datierte Urkunde versuchte schon im Hochmittelalter den Mandlingpass als Grenze zwischen der österreichischen Herrschaft und Salzburg festzulegen. Der unsichere Grenzverlauf führte jedoch zu dauernden Grenzstreitigkeiten, in deren Folge zunächst von Herzog Albrecht 1287 eine Befestigung von habsburgischer Seite her vorgenommen wurde, die aber zwei Jahre später durch das Fürsterzbistum Salzburg wieder zerstört wurde. Im Jahre 1295 ließ der Salzburger Fürsterzbischof Konrad IV. seinerseits die Grenze am Mandlingpass zur Talsperre ausbauen - ohne dass damit der Grenzkonflikt endete.

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden die Befestigungen ausgebessert und verstärkt. Nach den Napoleonischen Kriegen und dem endgültigen Verlust der staatlichen Selbständigkeit Salzburgs 1816 verlor die - jetzt innerösterreichische - Landesgrenze ihre Bedeutung, die Wehrmauer verfiel und wurde schließlich teilweise für Straßen- und Bahnbau abgebrochen.

Heute zieht sich die Wehrmauer am Mandlingpass als mehrfach abgewinkelter Mauerzug den Steilhang oberhalb der Passstraße hinauf, während im Talboden eine noch mannshohe Mauer mit dahinter angeschüttetem Wall bis ans Ufer der Enns führt. Dort bildet ein spitz abgewinkelter Mauerteil den Rest einer früheren Bastion. Weitere Mauerteile sind nur mehr in Fragmenten erhalten, v.a. der zentrale Teil der Passbefestigung – das Mauthaus mit Besatzungsunterkunft und der anschließende Torbau - fielen der Straßenerweiterung und dem Eisenbahnbau zum Opfer.

Nachdem bereits 2002 ein erster Mauerabschnitt gesichert worden war, folgten seit 2004 eine Reihe von Voruntersuchungen des in schlechtem Zustand befindlichen Bestandes der Wehranlage (Dokumentation des Bestandes, Analyse der Baugeschichte, Kartierung des Schadensbildes, archäologische und technische Untersuchungen).

Das Mauerwerk der Anlage zeigt die für das ausgehende 13. Jahrhundert typische Schichtung aus Bruchsteinen, dazu eher ungeordnete Verbesserungen und Erhöhungen vom Anfang des 17. Jahrhunderts. 

Nach der Entfernung des schädigenden Bewuchses wurde der untere Bereich der Anlage im Talboden an der Enns (Köhlerweg) mit dem Rest des früheren Bollwerkes einer Bestandssicherung unterzogen. Neben einer Teilfreilegung des Mauerwerks unter partieller Abtragung des Erdwalles wurden das einsturzgefährdete Gewölbe der Torgasse wiederhergestellt und Mauerausbrüche fachgerecht verschlossen.

Zur Instandsetzung wurden die Fehlstellen im Mauerwerk mit passendem Gesteinsmaterial ausgemauert, die Horizonte vervollständigt und die Verfugungen mit Kalk-Trassmörtel ergänzt. Die Abdeckung der Mauerkrone erfolgte mit Grassoden. Die Stabilisierung von Maueranrissen (im Bereich der Brücke und einer privaten Einfahrt) erfolgte durch Aufmauern einer „Verschleißschicht“ und Verbürsten mit Fasermörtel.

In enger Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern und mit finanzieller Förderung durch Bundesdenkmalamt, Land Salzburg und Gemeinde Radstadt gelang es, diese geschichtsträchtige Wehranlage auch für die Zukunft in ihrem Bestand zu sichern.

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