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Die Restaurierung der Nepomuk-Statue an der Kalvarienbergstiege in Oberndorf bei Salzburg

Die Nepomuk-Statue vor der Kalvarienbergstiege

Der Brunnen befindet sich in einer Nische am Fuß der Kalvarienbergstiege

Einer der beiden Putti der Nepomuk-Statue

Der zweite der beiden Putti

Die stark schadhafte Linke der Heiligenfigur vor der Restaurierung

Detail der Statue mit ergänzter Hand

Das Wappen von Fürsterzbischof  Franz  Anton Harrach am Podest der Heiligenstatue

Die Statue nach der Restaurierung

Nach der Sanierung der barocken Kalvarienbergstiege im Zuge der Wiedererrichtung einer Salzachbrücke zwischen Oberndorf und Laufen erfuhr auch die Nepomukstatue am Fuße der Treppe eine grundlegende Restaurierung.

Der Kalvarienberg von Oberndorf
Die Stadt Oberndorf bei Salzburg war lange Zeit Zentrum des Salzhandels und Salztransports. Zur Zeit des Salzabbaus in den Salinen Halleins, Berchtesgadens und Bad Reichenhalls, transportierten Schöffleute auf ihren Zillen/Plätten das Salz über die Salzach, den Inn und die Donau ins Schwarze Meer. In Oberndorf musste umgeladen werden.

Das Panorama von Oberndorf mit mittelalterlichen Schifferhäuschen entlang des Salzachufers wird von einem barocken Kalvarienberg dominiert. Dieser wurde in einer Achse mit der Brücke nach Laufen angelegt, die für viele Jahrhunderte die einzige Verbindung zwischen Oberndorf und Laufen war (bis zur Errichtung der „neuen“ Brücke 1903, deren Restaurierung 2007 abgeschlossen wurde, s. dazu den Bericht auf der Homepage des BDA), wiederholt durch Hochwässer zerstört und 2006 mit dem neu angelegten „Europasteg“ erneuert wurde. Der Kalvarienberg wird über eine monumentale Treppenanlage erschlossen – bestehend aus 139 Stufen, ursprünglich waren es 150, entsprechend den 15 Rosenkranz-Geheimnissen – und von einer hohen, halbrunden, nach vorne geöffneten Kalvarienberg-Kapelle bekrönt. Den unteren Abschluss der Anlage, die in den Jahren 1720-22 durch die Hofbaumeisterei im Auftrag von Erzbischof Franz Anton Harrach errichtet wurde, bildet eine überlebensgroße Statue des hl. Johann Nepomuk, der in den Zeiten der Salzschifffahrt und einer noch „wilden“ Salzach als Schutzpatron der Schiffer und Flößer sowie Brückenheiliger hier seinen Platz gefunden hat. Es handelt sich um ein Werk des bekannten Barockbildhauers Joseph Anton Pfaffinger, der auch die Figuren der Kalvarienkapelle schuf.

Mit dem Dammbau Anfang der 1920er Jahre wurde die Nepomuk-Statue in Richtung des Stiegenaufganges, an den heutigen Standort, zurückversetzt. In den 1940er Jahren kam es zu einer Anhebung des Niveaus des Areals und wiederum zu einer Neuversetzung des Denkmals.

Der Platz am Fuße des Kalvarienbergs erfuhr anlässlich der Errichtung der Europastegs eine ansprechende, der Geschichte des Ortes würdige Gestaltung: nach Abbruch des „Zechner-Hauses“ konnte der fehlende rechte Treppenlauf des Stiegenzugangs bestandsgerecht wieder hergestellt werden. Weiters wurde das Platzzentrum mit Nepomuk-Statue und dahinter gelegenem Brunnen restauriert.

Die Restaurierung des Nepomuk-Denkmals
Im Herbst 2006 wurden auf Basis einer umfangreichen Befunderhebung die erforderlichen Restaurierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt festgelegt. Mit dem Bildhauer und Restaurator Sebastian-Jan Bunia fand man einen anerkannten Fachmann für die Ausführung. Die Restaurierung wurde im Juli 2007 begonnen und konnte Anfang Oktober 2007 erfolgreich abgeschlossen werden.

Zunächst galt es, die Schadensursache für weit klaffende und kleinere Risse im oberen Bereich des Denkmals zu klären. Durch eine Anhebung der Figuren stellte man fest, dass korrodierende Armierungen sowie Frostsprengungen durch eindringendes Niederschlagswasser und durch offene Verfugung am Sockel zu einem großen Ausbruch sowie Rissbildungen mit der Gefahr weiterer Schäden geführt haben. Die Armierungs- und Verzapfungseisen der beiden Putti waren grob mit reinem Zementmörtel versetzt und ergänzt worden – die jüngsten Schadensbilder gingen somit auf Sanierungsmaßnahmen des 20. Jahrhunderts zurück. Durch das teilweise Einbringen zusätzlicher Armierungen und die Neuversetzung in historisch bewährter Kalkmörtel-Technik konnte die Statik des Denkmals instandgesetzt werden. Die Risse wurden geklebt und geschlossen. Die Restaurierung des Denkmals umfasste weiters eine Algizid-Behandlung sowie eine gründliche Reinigung der Oberfläche mit Wasserdampf. Die Verschmutzung am Untersberger Marmor konnte damit weitgehend gelöst werden; dunkle Sinterkrusten wurden mit Mikrostrahlgerät entfernt – unter Wahrung einer gewünschten Restpatina. Die Schließung von Fehlstellen wurde mit einer mineralischen Ergänzungsmasse auf Basis des Untersberger Marmormehls ausgeführt, wobei Rücksicht auf die verschiedenen Farbigkeiten des Werksteins (von hellgrau über hellrosa bis rötlich) genommen wurde. Besonders hervorzuheben sind in Naturstein gefertigte Ergänzungen. Die fehlenden Finger der linken Hand des hl. Nepomuk konnten nach Vorlage einer historischen Fotografie im Archiv des Landeskonservatorates Salzburg originalgetreu, anatomisch richtig und formschön nachgebildet werden. Dabei wurde ein ungewöhnliches ikonographisches Detail bekannt: die fehlende Hand der Statue hielt ursprünglich ein Tüchlein, das zu rekonstruieren man nun aus sicherheitstechnischen Gründen unterlassen hat. An exponierten Fehlstellen fügte man konturgerechte Stein-Inlays ein. Der Brunnen wurde nach dem gleichen Restaurierkonzept wie das Denkmal behandelt.

Parallel zum Denkmal wurde auch sein Stufenaufbau saniert: mit einer statischen Sicherung durch Setzung neuer Edelstahl-Verklammerungen im Bleibett, mit der Anhebung der vorderen Bodenplatten zur Ermöglichung des Wasserablaufs, einer Oberflächenreinigung sowie der Erneuerung der Fugen mit Kalkmörtel. Zur Verbesserung des Gesamtbildes wurden die bestehenden Vierungen durch Patinierung integriert. Die Gesamtkosten der Restaurierung betrugen rd. 26.000,- Euro, wobei ein Teil der Kosten durch Förderungen des Bundsdenkmalamtes und des Landes Salzburg abgedeckt wurde.

Nunmehr stellt der neu gestaltete Platz mit der restaurierten Statue des Hl. Johann Nepomuk und der in den Stiegenaufgang eingebetteten Brunnenanlage einen zentralen, ansprechenden Teil des Wallfahrerwegs, von Laufen kommend über den Kalvarienberg zur Wallfahrtskirche Maria-Bühel, dar.

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