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Dechantshof in Tamsweg erhielt wieder eine Kalkfassade Barocker Riesel statt moderner Zementoberfläche

Der Tamsweger Dechantshof nach der Fassadensanierung

Die Ostseite mit dem Haupteingang

Fassadendetail mit barocken Fenstergittern im EG

Die 2005 angelegte Musterachse

Pfarrkirche und Dechantshof bilden ein imposantes Ensemble

Der Lungauer Bezirkshauptort Tamsweg verfügt über eine Reihe bemerkenswerter historischer Bauten, die das Zentrum dieser Marktgemeinde prägen. Eines dieser auffälligen Bauwerke, der Pfarr- oder Dechantshof, erhielt 2007 durch eine Fassadensanierung sein historisches Gesicht zurück.

Entwurf von Wolfgang Hagenauer
Der Dechantshof liegt in leichter Hanglage am Tamsweger Kirchbichl etwas unterhalb der Dekanatspfarrkirche. Er wurde 1763/64 auf einem in den Hang hineinragenden Untergeschoß mit Putzquadern errichtet, über dem silhouettierte Putzpilaster das Mittel- und Obergeschoß unterteilen.

Den Grundriss für das stattliche Gebäude lieferte der Salzburger Hofbaumeister Wolfgang Hagenauer (1726-1801), bekannt vor allem als Architekt des Neutors durch den Mönchsberg und als Planer der Mariensäule auf dem Salzburger Domplatz.

Kalkfassade statt Zementputz
Der Fassadensanierung gingen seit 2004 umfangreiche restauratorische Befundungen voraus. Sie förderten unter einer zementhaltigen Überputzungsschicht aus dem Jahr 1967 den originalen barocken Rieselputz mit einer Oberfläche zutage, die sich in ihrer Feinkörnigkeit deutlich vom bisher sichtbaren groben Zementputz abhob. Freigelegt wurden auch die weißen Fugenstriche der barocken Quaderung im Sockelgeschoß, sodass bei der Neuverputzung auf diese Originalmuster zurückgegriffen werden konnte.

Die Herausforderung bei der Fassadensanierung bestand darin, die Qualitäten des barocken Rieselputzes wieder zur Geltung zu bringen und eine Kalkfassade nach historischem Muster wiederherzustellen.

Im Frühsommer 2005 wurde unter der Leitung von Restaurator Heinz Michael, der die Befundung durchgeführt hatte und die gesamte Sanierung restauratorisch betreute, eine Musterachse an der Südostecke des Dechantshofes nach Vorbild des barocken Kalkrieselputzes angelegt. Nachdem an dieser Musterfläche noch mit unterschiedlichen Farbtönen experimentiert wurde, fiel im Einvernehmen zwischen Eigentümer und Bundesdenkmalamt schließlich die Entscheidung, für den Pfarrhof wieder die historische Farbgebung in kühlem Grau zu wählen.

Während des Sommers und Frühherbstes 2007 folgte unter ständiger restauratorischer Begleitung die Umsetzung des detailliert ausgearbeiteten Sanierungskonzeptes. Der Zementputz wurde händisch abgenommen, nur an der Westseite mussten auch die barocken Putzreste wegen Schäden durch langjährige Hinterfeuchtung entfernt werden. An dieser Fassadenseite konnte vom barocken Bestand nur die Hohlkehle erhalten werden.

Die Nullflächen wurden nach Vorbild der Musterachse mit einem dem barocken Putz entsprechenden, eingefärbten Kalkriesel überputzt. Der Kalkputz wurde dabei – in historischer Handwerkstechnik - auf der Baustelle in Trockenlöschung hergestellt. Nur im Sockelbereich wurde vom reinen Kalkputz abgegangen und ein vor Ort gemischter Spezialputz eingesetzt, um in dieser kritischen Zone Schäden möglichst hintan zu halten.

Bei den Gliederungselementen der Fassade war vielfach das barocke Original erhalten. Wo 1967 hingegen neue Faschen in Kalk-Zement-Putz aufgebracht worden waren – wie vor allem an der Nordfassade - behielt man diese in ihrer Substanz stabilen Gliederungselemente bei. Sie wurden jedoch mit einer Kalkschlämme überzogen und dadurch in das Gesamterscheinungsbild der Fassade eingebunden.

Neu gestaltet wurde auch der moderne Stiegenaufgang zum Haupteingang des Pfarrhofes, dessen massive Türe ebenfalls restauriert wurde. Die Fenstergitter, von denen ein Teil ebenfalls auf das 18. Jahrhundert zurückgeht, wurden von Metallrestauratorin Mag. Monika Riemer saniert und konserviert.

Vorteile einer langfristigen Planung und Vorbereitung
Die langfristige Planung und Vorbereitung dieser Fassadensanierung ermöglichte nicht nur gründliche Untersuchungen, sondern sie erlaubte es auch, eine Musterachse über zwei Winter der Witterung auszusetzen und damit die Alltagstauglichkeit dieses Kalkrieselputzes zu testen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrn, Bundesdenkmalamt, Restaurator und Baufirma hat letztlich zu einem sehr erfreulichen Ergebnis geführt.

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