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Der Bergisel bei Innsbruck - "Schicksalsberg" der Tiroler Archäologie

Die Gedenkstätte des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 auf einer Postkarte um 1900 (Stadtarchiv Innsbruck).

Topografische Aufnahme der im Gelände sichtbaren, archäologisch relevanten Strukturen auf der Kuppe des Bergisel (PLan: Inst. f. Archäologien, Univ. Innsbruck).

Überblick von Süden über die Grabungsfläche am Ende der archäologischen Untersuchungen (Foto: BDA).

Fragmentierte Schlangenfibel aus der Späthallstattzeit in unrestauriertem Zustand (Foto: BDA).

Blaue Glasperlen aus der späten Eisenzeit (Foto: BDA).

Auswahl vernmutlich neolithischer Silexabschläge (Foto: BDA).

Grabungen des Bundesdenkmalamtes auf dem Bergisel erbrachten Siedlungsnachweise von der Jungsteinzeit bis in die Eisenzeit

Das 200-Jahr-Jubiläum der für die Tiroler Landesgeschichte so bedeutsamen Franzosenkriege, die mit der Ergreifung, Inhaftierung und Exekution des Tiroler Volkshelden Andreas Hofer 1810 einen Höhepunkt erfuhren, wirft bereits seine Schatten voraus. Einen Markstein im Rahmen einer Reihe von Gedenkveranstaltungen soll die Eröffnung eines neuen Museums auf dem Bergisel bilden.
Der geplante Neubau erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 3.000 m² in Nord-Süd-Richtung am nordöstlichen Plateauausläufer des Bergisels. Von Februar bis Juni 2007 wurden hier vom Bundesdenkmalamt archäologische Grabungen durchgeführt, die sich auf den nördlichen Bereich des Museumsareals konzentrierten.

Neuzeitliche Befunde 
Unter den neuzeitlichen Befunden sind vor allem die neben- bzw. übereinanderliegenden Fundamente zweier rechteckiger Gebäude zu nennen, von denen das ältere als Gaststätte diente, zu welcher auch die Grundmauern eines südlich gelegenen Eiskellers gehörten. Gaststätte und Eiskeller waren Teil eines größeren Bauprojektes um die Mitte des 19. Jahrhunderts, welches das spätere Kaiserjägermuseum als zentralen Bau sowie ein westseitig gelegenes Wachhaus umfasste.

Eisenzeitlicher Opferplatz 
Zwischen den neuzeitlichen Gebäuderesten und dem Bergiselrestaurant trat eine eisenzeitliche Kulturschicht zu Tage, die unter anderem mehrere Pfostensetzungen, diverse Steinansammlungen, einen seichten Aschenhügel sowie eine größere und eine kleinere Feuerstelle umfasste. Während die Pfosten auf einen überdachten Bereich hinweisen, dürften der Aschenhügel und die beiden Feuerstellen eher einen offenen Außenbereich bezeichnen.
Die genannten Bereiche wurden im Osten von einem Wegbelag begrenzt, der im Norden zu einem Bereich aus dunkelgrauem Erdmaterial führte, das neben Brandspuren und zahlreichen Knochen auch ausgesprochen viele jüngereisenzeitliche Keramikfragmente enthielt. Die eisenzeitlichen Befunde deuten somit eher auf einen weiteren Opferplatz hin.

Jungsteinzeitlicher Pfostenbau 
Einen Höhepunkt der Grabung bildete die Freilegung eines kleinen Pfostenbaues, der nach derzeitigem Kenntnisstand in die späte Jungsteinzeit (Spätneolithikum) oder die frühe Bronzezeit zu datieren ist. Es handelt sich um sechs symmetrisch angeordnete Pfostenlöcher, die eine deutliche Nordwest-Südost-Orientierung aufwiesen. Das zugehörige Fundmaterial beinhaltet auch Geräte aus Silex (Feuerstein).
Die Bedeutung dieses auf den ersten Blick unscheinbaren Befundes ergibt sich aus dem speziellen Tiroler Forschungsstand. Die Epoche der Jungsteinzeit ist in Nordtirol bis heute schlecht greifbar. Im Umfeld des Pfostenbaues am Bergisel kann man nun eine spätjungsteinzeitliche Siedlungsstelle vermuten, von der möglicherweise in den unverbauten Zonen Richtung Westen hin noch weitere Spuren erhalten sind.

Exemplarisch haben die aktuellen Ausgrabungen am Tiroler „Schicksalsberg“ den enormen Informationsgehalt einer archäologischen Fundstelle ins Blickfeld gerückt. Das im Boden verborgene Wissen ist aber nicht einfach abrufbar. Seine Erschließung ist an die Möglichkeit gebunden, einen Fundplatz vor seiner durch ein Bauvorhaben drohenden Zerstörung großflächig untersuchen zu können. Erst damit wird gewährleistet, dass zukünftige Generationen am stetig im Schwinden begriffenen ältesten kulturellen Erbe teilhaben können.

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