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Der Grabstein eines "ersamen burger zu Wien"Renaissanceepitaph von St. Stephan

In den letzten 6 Jahren wurden in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des Bundesdenkmalamtes vermehrt gotische und spätgotische polychrome Reliefsteine aus Kirchen Ostösterreichs restauratorisch behandelt. 

In unmittelbarer Zusammenarbeit mit der Dombauhütte und dem Dombausekretariat des Stephansdomes gelang es, wertvolle steinerne Bildwerke im Arsenal zu restaurieren.

Unabhängig von ihrer kunsthistorischen und historischen Bedeutung sowie der anspruchsvollen konservierungstechnologischen Problemstellung stellten sie vor allem eine Bereicherung des aktuellen Wissensstandes zu Farbfassungen auf Stein zur Zeitenwende des 15/16. Jahrhunderts dar.

Zuletzt wurde der Epitaph von Andre Feder, einem „ersamen burger zu Wien“, der 1499 verstarb, in Angriff genommen.

Der um 1500 geschaffene Epitaph besteht aus zwei Breitenbrunner Kalksandsteinblöcken und misst 128x123x25cm. Die Säulen samt Kapitel und Sockel sind mit dem Zentralrelief aus einem Steinblock gehauen. Ein Inschriftaufsatz fehlt.

Restaurierungsmaßnahmen des 20. Jahrhunderts überzogen sämtliche Oberflächen mit Eisenoxidrot. Dabei wurden Auflageschichten aus Russ, Gipssinter und Staub ebenfalls fixiert, sodass die heute notwendige Reinigung erschwert wurde. Daneben wurden zahlreichen Fehlstellen am Stein belassen, andere hingegen durch qualitätsvolle, meist kleinteilige Steinergänzungen im Figuralbereich geschlossen. Zumindest drei Restaurierungsphasen lassen sich fassen: meist wurden die Kittungen bzw. Verlebungen aus Kalk, Zement und Kunstharzmassen ausgeführt.

Aufgrund dieser komplexen Lage wurden verschiedene Reinigungstests vorgenommen. Neben organischen Lösungsmittelkombinationen wurden Ammoniumkarbonatskompressen für die Reinigung erfolgreich beprobt. Damit konnte mit einer ursprünglich aus der Wandmalereikonservierung stammenden Methode ein überzeugendes Ergebnis auf Steinoberflächen erzielt werden. Bei hartnäckigen Übermalungen bzw. Verschmutzungen konnte partiell auch mit dem Laser substanzschonend nachgereinigt werden (Nd-YAG Laser 1064nm).

Fassungsspezifische Beobachtungen:
Insgesamt liegen zwei Ölfassungen in Resten vor (16., bzw. 18. Jh.). Wobei für die ältere nur ein lückenhafter Befund besteht.

Dieser ist umso bemerkenswerter, da die rosa Grundierung, die den Bildhintergrund mitdefiniert aus einer Pigmentausmischung aus Bleiweiß, Flussspat, Rotocker und etwas Minium besteht. Auch der Mantel Christi ist zeigt eine besondere Ausmischung des Violettones: er besteht Hämatit und Bleiweiß. Durch eine massive Säurereinigung im 19.Jh. ging der Rest dieser aufwendigen Fassung verloren.

Die Folgefassung ist nahezu lückenlos mit einer Untermalung aus Eisenoxidrot, Rotocker etwas Calzitkreide und Bleiweiß erhalten. Belegt sind Minium für das Kleid des Judas im Hintergrund, Blauviolett aus Smalte, Bleiweiß und Eisenoxid für den Mantel Christi, Hellgrün aus Bleiweiß, Bleizinngelb und Kupferpigmente für das Kleid des Johannes. Rot (Minium) für den Mantel des Petrus, Teile des Hintergrundes sind in Gelb (Ocker), Braun, Rot (Rotocker) oder Grün (Malachit) gehalten. Der ein Kreuz tragende Engel besitzt ein hellblaues Kleid (Smalte und Bleiweiß).

Das Beispiel der Konservierung des Felderepitaphs belegt wiederholt die Notwendigkeit naturwissenschaftlicher Voruntersuchungen vor jeglicher Festigung und Reinigung von entstellenden Verkrustungen. Erst die Definition der Materialität der Farbgestaltungen lies die Notwendigkeit eines differenzierten Reinigungsverfahrens zu.

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