Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

Der Draßburger Barockgarten"Das Schlösschen und der Garten sind im altfranzösischen Geschmack..."

Draßburg, Schlosspark

Draßburg, Schlosspark, Figur Diana, Zustand nach Restaurierung 2007

Draßburg, Schloss und Park, Zustand 1980

Draßburg, Schlosspark, Teilansicht, Zustand 2006

Draßburg, Schlosspark, historischer Plan von 1909

Draßburg, Schlosspark

Draßburg, Schlosspark

Draßburg, Schlosspark, "Diana", Zustand vor Restaurierung, 2006

Draßburg, Schlosspark, Figur Diana, Schemazeichnung

Draßburg, Schlosspark,

Östlich von Mattersburg im nördlichen Burgenland liegt am Rande des Ortes Draßburg ein weitgehend unbekannter Schlosspark, der jedoch zu den bedeutendsten historischen Gartenanlagen Österreichs zu zählen ist.

Das Hauptgewicht dieses barocken Gartens besteht in seinem umfangreichen Skulpturenschmuck, für dessen Ausführung kein geringerer als Jakob Schletterer verantwortlich zeichnet.


Die Anlage geht aus einem mittelalterlichen Edelhof im „Untergut“ von Draßburg hervor. Das großteils zweigeschossige Schloss über hufeisenförmigem Grundriss mit Hofarkaden und dreigeschossigem turmartigem Bau im Süden ist im Wesentlichen das Ergebnis mehrfacher Umbauten des 17. und 18. Jahrhunderts unter den Familien Nádasdy, Zichy und Meskó; weitere Überarbeitungen folgten im 19. Jahrhundert. Die Schlossanlage wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für den Hotelbetrieb adaptiert.

Der auf mehreren Terrassen von Osten nach Westen abgestuft angelegte Garten mit Glashäusern entstand unter Eva Maria Meskó ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, wobei vermutlich ihr damaliger Ehemann, Graf Herbeville, eine initiative Rolle gespielt haben dürfte. Laut einer Erwähnung aus dem frühen 19. Jahrhundert soll der Garten von einem Franzosen angelegt worden sein.
Neben der bemerkenswerten, an französische Vorbilder angelehnte Terrassenform prägt den Park vor allem die großzügige skulpturale Ausstattung, die ursprünglich aus 32 überlebensgroßen Statuen aus Kalksandstein bestand.
Für die Ausführung dieses reichen Skulpturenprogramms von Musen- und Götterfiguren sowie Jahreszeitenpersonifikationen konnte der aus Tirol gebürtige und ab 1751 an der Wiener Akademie neben Raphael Donner und Balthasar Moll als Professor lehrende Jakob Christoph Schletterer gewonnen werden. Bereits 1750 bestätigt Schletterer die Lieferung von 5 Statuen für den Draßburger Schlosspark, 1758 erhält er den Auftrag für einen Musenzyklus, was sich auch an einer mittlerweile verwitterten Inschrift „Schletterer fecit 1758“ am Sockel der Palas Athene dokumentiert hatte.
Zu jener Zeit pflegte der Bildhauer auffällig intensive Kontakte zum westungarischen Raum und zum ungarischen Adel. So hat Schletterer etwa die Mariensäule von 1754 in Ödenburg/ Sopron ausgeführt; auch lieferte er für den Esterházy’schen Schlosspark in Eisenstadt Gartenplastiken, die sich leider nicht erhalten haben.

Der Draßburger Barockgarten erfuhr anschließend diverse Umgestaltungen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde an die bestehende Gartenfläche ein der Mode entsprechender englischer Landschaftsgarten angeschlossen. Mehrmals, vor allem um 1900 und im frühen 20. Jahrhundert kam es zu Veränderungen am Figurenbestand.
Nach starken Beschädigungen 1945 erfolgte in den 1950er Jahren eine weitgehende Überarbeitung der Figuren, u.a. mit unsachgemäßen Ergänzungen, sodass die formale Qualität sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Teilrestaurierungen fanden auch 1983 statt, zur Zeit weisen jedoch zahlreiche Figuren bereits einen bedrohlichen Verfallszustand auf.
Die unpassenden Interventionen und der fortgeschrittene Verfallsprozess haben die Erscheinung der Figuren derart negativ beeinflusst, dass sogar Zweifel an der tatsächlichen Ausführung von Schletterer bzw. seiner Werkstatt aufgekommen sind und eine Datierung in das 19. Jahrhundert in Erwägung gezogen wurde.

Nach der Unterschutzstellung der Baulichkeiten samt Figuren im Jahr 1983 fand schließlich auch die Gartenanlage selbst Aufnahme in die Liste der für die Unterschutzstellung vorgesehenen historischen Gärten innerhalb der Novelle des Denkmalschutzgesetzes von 2000.
Gleichzeitig gab es von der Gemeinde immer wieder Bemühungen, Teile des nach wie vor in Privatbesitz befindlichen Parks der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Obwohl man in den letzten Jahren bestrebt war, den bereits sehr verwachsenen Garten zumindest notdürftig instand zu halten, weist er einen bedauerlichen Zustand auf, da nur eine regelmäßige Pflege von Vegetation und Skulpturen die langfristige Erhaltung gewährleisten kann. Erschwerend kommt dazu, dass die gesamte Schlossanlage zum Verkauf steht und daher keine wesentlichen Aktivitäten zu erwarten sind.

Von Seiten des Bundesdenkmalamts wurde als Grundlage für weitere Schritte ein sogenanntes „Parkpflegewerk“ in Auftrag gegeben, das sich derzeit in der Ausarbeitungsphase befindet und neben einer Nutzungsstudie den Ist- sowie den Soll-Zustand samt notwendigem Maßnahmenkatalog erstellt.
Als weitere Initiative des Bundesdenkmalamts boten die amtseigenen Restaurierwerkstätten die Übernahme von zwei Figuren, eine Diana sowie einen männlichen Torso, für eine Musterrestaurierung an, um wieder eine Vorstellung vom ursprünglichen Erscheinungsbild der Gartenplastiken zu erhalten und so das Interesse für weitere Sanierungsschritte zu wecken.

Der stark abgewitterte Zustand der Dianafigur machte umfangreiche Maßnahmen notwendig. Großteils fehlten bereits 5 – 10 mm der ursprünglichen Oberfläche, zusätzlich überzogen biogene Belege und Gipssinterkrusten große Teile der Figur. Schalenbildungen, Absandungen sowie Abschuppungen waren in unterschiedlicher Intensität vorhanden. Aufgrund der Versalzungen mussten die untere Hälfte der Figur und der Sockel dreimal mit Zellstoffkompressen behandelt werden. Ein aufwändiger Teil der Restaurierung bestand schließlich in der Anfertigung zahlreicher Ergänzungen von Fehlstellen, wie die Neuschaffung der rechten Hand oder des Hundekopfes.
Die begleitend vom Labor des Bundesdenkmalamts durchgeführte Analyse der Fassungsreste am männlichen Torso bestätigte anhand mehrerer Bleiweißschichten schließlich auch die eindeutig barocke Herkunft der Figuren.
Der heurige „Tag des Denkmals“, an dem auch im Draßburger Schlosspark eine Führung stattfand, bot den Anlass, die mittlerweile fertig gestellte Diana wieder an ihrem angestammten Ort zu präsentieren.
Das Ergebnis der Arbeit unterstreicht in beeindruckender Weise die Möglichkeiten einer fachgerechten Restaurierung und bringt die tatsächliche künstlerische Qualität der Figur wieder zutage, sodass nun wohl alle Bedenken gegen Schletterers Urheberschaft ausgeräumt sind.
Das Fragment der zweiten Figur befindet sich derzeit noch in Restaurierung.

Es bleibt zu hoffen, dass die jüngsten Initiativen bald zu einem nachhaltigen Konzept für die Restaurierung und Erhaltung dieses prachtvollen Gartens mit seinen bedeutenden Plastiken führen.

Druckersymbol Druckversion