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Juni

Stammhaus des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum
Graz, Raubergasse 10

Landesmuseum Joanneum, Innenhof.

Landesmuseum Joanneum, Fassade Raubergasse.

Figurale Hermenpilaster im zweiten Obergeschoss.

Gang zum Arkadenhof.

Innenraum.

Das Museumsgebäude ist ein frühbarocker Bau, der 1665 bis 1674 unter der Leitung des bedeutenden Architekten Domenico Sciassia, der unter anderem auch für den barocken Umbau der Wallfahrtskirche Mariazell verantwortlich war, errichtet wurde. 1811 wurde das Gebäude von den steirischen Ständen angekauft, um darin die von Erzherzog Johann gestifteten Sammlungen unterzubringen, wodurch der Bau zum Stammhaus des Landesmuseums Joanneum wurde.

Bauherr war das Benediktinerstift St. Lambrecht, das den großzügig angelegten Bau als Stiftshof in Auftrag gab. An der Stelle befand sich vorher der im frühen 16. Jh. errichtete "Rauberhof", dessen Fundamente im Innenhof des Gebäudes gefunden werden konnten. Von 1684 bis 1802 war der Bau im Eigentum der Grafen von Leslie, weshalb das Objekt ehemals als "Lesliehof" bezeichnet wurde. Die Wappen über dem Portal in der Raubergasse erinnern an die Verordneten des Steiermärkischen Landtages, die Mitglieder jenes Bauausschusses waren, unter dessen Ägide der Lesliehof 1811 zum Museum umgewandelt wurde.

Heute sind in dem Bau die naturwissenschaftlichen Sammlungen des Landesmuseums, die Direktion sowie die Referate "Innere Dienste" und "Kommunikation" untergebracht. Im Rahmen einer Neustrukturierung des gesamten Landesmuseums wurde 1996 in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt die bauliche Generalsanierung des Gebäudes begonnen, wobei zunächst die Arbeiten an der Fassade zur Raubergasse in Angriff genommen wurden. Ziel der Restaurierung war es, die Fassade im ursprünglichen Zustand des 17. Jhs. wiederherzustellen. Dabei wurden neben dem restauratorischen Befund auch Ansichten aus dem 18. Jh. herangezogen. Die barocke Schauseite zeigt eine Gliederung durch Pilaster, die im zweiten Obergeschoß als figurale Hermenpilaster gestaltet sind. Eine besonders reiche Stuckzier (unter anderem mit Maskarons und Waffentrophäen) weist das Konsolkranzgesims auf. Zur Anwendung gelangte die alte Technik der händischen Anbringung reinen Kalkputzes mit durchgefärbtem Rieselputz im Bereich der Nullflächen und geglätteten Gliederungs- und Zierelementen, wodurch die Fassadenstruktur besonders gut zur Geltung kommt.

Hervorgehoben sei auch der Gehsteig vor dem Gebäude in der Raubergasse, wo der in großen Teilen erhaltene barocke Gehsteig aus der Zeit um 1670 ergraben werden konnte und jetzt in seinem ursprünglichen Niveau sichtbar ist. In aufwendiger Arbeit wurde über einem notwendigen Trockengürtel der Belag aus Stainzerplatten und "Murnockerln" wieder aufgebracht. Die Fortsetzung des Restaurierungsprogrammes betraf die 1825/26 in Angleichung an den barocken Bestand errichteten Teile der Gebäudefront und den Innenhof, wo die Arbeiten 1998 zum Abschluss kamen. Der bemerkenswerte Arkadenhof mit Stuck-Maskarons in den Scheiteln der Arkadenbögen wurde nach den gleichen Prinzipien wie die Schauseite saniert, wodurch auch im Hof das Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts in eindrucksvoller Weise wiederhergestellt werden konnte.

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