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Juli

Festung KufsteinTirol, Gemeinde Kufstein, polit. Bez. Kufstein

Kufstein, Festung

Gesamtansicht

Kufstein, Festung

Obere Schlosskaserne

Kufstein, Festung

Kaiserturm

Die mittelalterliche Burg wurde 1505 nach vorangegangener Belagerung von Maximilian I. für Österreich eingenommen.

Bis 1522 und zwischen 1552 und 1563 erfolgte der Ausbau zur stärksten und modernsten Festung des Landes. Eine letzte Erweiterung wurde 1675 bis 1740 u.a. mit der Errichtung der Josefsburg durchgeführt. 1882 wurde die Festung aufgelassen. Unter der Koordination der Top-City-Kufstein GesmbH und der Stadtgemeinde Kufstein wird die Festung 1998 bis 2001 in einem großangelegten Sanierungsprojekt restauriert und adaptiert. Schwerpunkte sind dabei die Obere Schloßkaserne, der Kaiserturm und die Josefsburg.

Obere Schloßkaserne
Der mittelalterliche Baukern blieb bis ins 17. Jahrhundert für das Erscheinungsbild der oberen Schloßkaserne ausschlaggebend. Ein grundlegender Umbau und eine Neugestaltung der Fassaden einschließlich einer Vereinheitlichung der Dachformen erfolgte 1734 bis 1745 nach Plänen von Hofbaumeister Johann Martin Gumpp. Diese Neufassadierung (mit einer dem Barock entsprechenden Farbfassung in weiß!) prägt bis heute das Erscheinungsbild der Oberen Schloßkaserne, da im 19. und 20. Jahrhundert lediglich Reparaturen der teilweise stark ausgewitterten und grau gewordenen Fassade durchgeführt wurden.
Aufgrund der Biographie des Bauwerkes ist die Gumpp´sche Umgestaltungsphase hinsichtlich des erhalten gebliebenen Putzbestandes als auch der damals erfolgten architektonischen Veränderungen restaurierungsrelevant. Die Hervorhebung eines Zustandes vor 1734 stünde im Widerspruch zur barocken Prägung des Bauwerkes und würde die Oberflächen zerstören.
Das Restaurierungskonzept zur barocken Fassung strebt die Balance zwischen einer ausschließlich in historischer Kalktechnik ausgeführten Restaurierungstechnologie und einer möglichsten Beibehaltung der Alterungsästhetik an, wobei dadurch vor allem der Mörtelbestand geschützt werden soll. Diese ideologische Vorgabe wird an der stark ausgewitterten Putzoberfläche durch eine dünne Überputzung mit Auswaschung der Oberflächen erreicht.

Kaiserturm
Der 1518 - 1522 errichtete Kaiserturm ist heute noch in seiner originalen Bauhöhe (mit Ausnahme des Dachstuhles) einschließlich der wesentlichen Architekturdetails erhalten. Die ursprünglichen Oberflächen zeichneten sich durch gotischen Putz und weiße Kalkfärbelung aus. 1734 bis 1745 erfolgte ein Umbau des obersten Geschoßes, indem der Dachstuhl verändert und aufgehöht wurde. Die hofseitig vorkragende Schildwand wurde dabei abgebrochen, der Kaiserturm neu verputzt und die Weißfärbelung wiederholt. Dieser barocke Umbau prägt auch heute noch das Erscheinungsbild. 1745 - 60 wurden Gefängniszellen in das oberste Geschoß eingebaut, wofür neben einem hofseitigen Abortzubau auch die Öffnungen im obersten Geschoß teilweise vermauert wurden. Im 20. Jahrhundert wurde der Abortturm abgetragen und die abgewitterte Fassade partiell ausgebessert.
Wie bei der Oberen Schloßkaserne ist auch hier die Gumpp´sche Umgestaltungsphase hinsichtlich des erhalten gebliebenen Putzbestandes als auch der dabei erfolgten architektonischen Veränderungen relevant. Das Restaurierungskonzept ist im wesentlichen das gleiche wie bei der Oberen Schloßkaserne. In der technischen Ausführung der Restaurierung kann auf eine dünne Überputzung verzichtet werden, da die Festigkeit der barocken Oberfläche am Kaiserturm noch in ausreichendem Maße gegeben ist. Der Oberflächenschutz erfolgte durch eine Kalkschlämme, die einmassiert wurde.

Josefsburg

Die Josefsburg stellt sich heute als barocker Festungsbau dar, der im Laufe der Jahrhunderte allmählich durch Teilabbrüche einen von Bewuchs begleiteten, ruinenhaft-romantischen Charakter angenommen hat. Dieser Zustand - halb Bauwerk, halb Ruine - prägt seit fast 100 Jahren diesen Festungsteil! Langsam nehmen die kontinuierlichen Verwitterungsprozesse an den alten Mauern und Gewölben jedoch irreversible Formen an, sodaß sich dieses Gleichgewicht zugunsten der Ruine zu verändern beginnt. Diese an sich natürliche Entwicklung würde langfristig den Verlust des Objektes bedeuten und vor allem die Benutzbarkeit in Frage stellen. In der Abwägung zwischen Rekonstruktion, reiner Konservierung und Restaurierung wurde letzteres gewählt, nämlich die Restaurierung der bestehenden Situation - die Aufrechterhaltung der Balance zwischen Bauwerk und Ruine, wie sie seit knapp 100 Jahren besteht. Um dieses labile Gleichgewicht weiterhin zu gewährleisten, mußte nach subtilen technischen Möglichkeiten gesucht werden, die vor allem eine langfristige Abdichtung gegen das weitere Eindringen von Wasser und somit Substanzsicherung in möglichst authentischer und reversibler Form erlauben. Die Lösung fand sich in der Rekonstruktion der ursprünglichen Lehmabdichtung in technisch verbesserter Form. Alle weiteren, funktionell motivierten Veränderungen der Anlage mußten sich in die Balance zwischen Bauwerk und Ruine einfügen. Dies führte u.a. zur Konsequenz der Grasabdeckung im gesamten Bastionsbereich und fand letztlich auch Berücksichtigung in den zahlreichen neuen Baudetails, die für die Nutzung der Josefsburg als Open-air-Veranstaltungsraum notwendig wurden.


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