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August

Neugotisches Glasmalereifenster "Johannes auf Patmos".
Restaurierung und Rekonstruktion
Tirol, Schwaz, Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt

Schwaz, Pfk Mariae Himmelfahrt, Glasmalereifenster

Schwaz, Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, Ausschnitt aus der Farbskizze zum Glasmalereifenster Johannes auf Patmos von Roman Pirchner, Bernard Rice und Konrad Mignon, 1910

Schwaz, Pfk Mariae Himmelfahrt, Glasmalereifenster

Schwaz, Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, Farbskizze zum Glasmalereifenster Johannes auf Patmos von Roman Pirchner, Bernard Rice und Konrad Mignon, 1910

Schwaz, Pfk Mariae Himmelfahrt, Glasmalereifenster

Karton

Schwaz, Pfk Mariae Himmelfahrt, Glasmalereifenster

Studie zu Johannes auf Patmos von Konrad Mignon

Zu den bedeutendsten Sakralbauten Tirols zählt die 1502 geweihte Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt in Schwaz, der größte und qualitätvollste gotische Kirchenbau des Landes.

Die treibende Kraft der Regotisierung der Pfarrkirche war der damalige Dekan Alois Wassermann, der am 19. Juli 1901 zum Dekan von Schwaz ernannt wurde und diese Funktion bis 1913 ausübte. Von der Zielrichtung der Innenrestaurierung der Pfarrkirche hatte Dekan Wassermann klare Vorstellungen: „So, jetzt fangen wir an, und zwar neugothisch!“ Dem ganzheitlichen Kunstverständnis jener Epoche entsprechend, entschloß man sich, auch die einfache Blankverglasung der Kirche durch künstlerisch gestaltete Glasmalereifenster zu ersetzen, da sich von den gotischen Glasgemälden nur einzelne Stücke erhalten hatten. Mit der Ausführung der Arbeiten wurde die Tiroler Glasmalerei und Mosaik-Anstalt betraut. Das ikonographische Konzept lieferte der Dekan selbst, der den einen großen Weltkampf zwischen Gut und Böse, Glauben und Unglauben, zwischen Sünde und Erlösung zur Darstellung bringen wollte. Als Einleitungsbild stiftete Wassermann selbst die szenische Darstellung der Vision des Johannes auf Patmos, die übrigen Fenster in den beiden Chören waren dem Marienzyklus vorbehalten, jene im Langhaus dem Leben Jesu. Durch die arbeitsteilige Produktionsweise des Unternehmens ist es heute oft nicht möglich, den Anteil der beteiligten Künstler an den jeweiligen Glasmalereifenstern klar zu definieren.
Das kompositorische Konzept dürfte jedoch auf Bernard Rice, den damaligen künstlerischen Leiter der Firma zurückgehen, die Architekturmalereien stammten vermutlich von Roman Pirchner, die figuralen Darstellungen in erster Linie von Konrad Mignon. Diese Glasmalereifenster wurden im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört. Einzelne Teilstücke, die überwiegend aus der Darstellung des hl. Johannes auf Patmos stammen, wurden sekundär in willkürlicher Anordnung in verschiedene Fensteröffnungen eingebaut. Auf einer Sonderausstellung des Museums im Rabalderhaus konnten im Sommer/Herbst 2003 sämtliche Entwürfe erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden, eine wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgte in den Schwazer Heimatblättern. Daraus entwickelte sich die Idee, die vorhandenen Glasmalereien des Johannesfensters am originalen Standort in richtiger Reihenfolge zusammenzusetzen und die fehlenden Felder nach den vorhandenen Entwürfen und Kartons zu rekonstruieren, zumal alle wesentlichen figuralen Partien erhalten waren. Mit der Fertigstellung des Fensters ist im Sommer/Herbst 2004 zu rechnen.


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