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März

Wiederauferstehung einer Architekturikone der Moderne.

Haus Dellacher von Raimund Abraham © BDA

 Drehknopf © BDA

Flur mit Wendeltreppe © BDA 

 Flur mit Einbaukasten © BDA

Esszimmer  © BDA

Wohnraum mit Einbaumöbel © BDA 

Die Restaurierung des Hauses Dellacher von Raimund Abraham in Oberwart (Burgenland)

Die Villa ist in Hanglage am Waldesrand außerhalb der südburgenländischen Bezirkshauptstadt situiert. Dieses bedeutende Frühwerk des 2010 bei einem Autounfall in Los Angeles tödlich verunglückten Architekten stand lange Zeit leer und war allmählich vom Verfall bedroht. Mit Architekt Johannes Handler fand sich 2015 ein engagierter Eigentümer, der die aufwändige Restaurierung mit viel Einsatz und Liebe zum Detail betreibt.

Raimund Abraham, 1933 in Lienz in Osttirol geboren, arbeitete nach seinem Studium an der Technischen Hochschule Graz als Architekt in Wien. 1964 übersiedelte er in die USA, wo er fortan vor allem in der Lehre wirkte.

„All you need is a piece of paper, a pencil, and the desire to make architecture“ lautete seine Maxime, mit der er seine letzte Vorlesung „The Profanation of Solitude“ nur wenige Stunden vor seinem plötzlichen Tod beschloss. Neben nicht realisierten Entwürfen und wenigen gebauten Projekten setzte sich Abraham zeichnerisch mit „Imaginärer Architektur“ auseinander. Im Kontrast zu seinen technischen Utopien von Städten als „Altäre mechanischer Eingeweide“ (1962) setzte er sich wenig später in „Elementare Architektur“ anhand anonymer Nutzbauten in den Alpen mit den Ursprüngen der Baukultur auseinander. In diesem Spannungsfeld zwischen streng symmetrisch-maschinenhaften Strukturen und archaischen Formen entwickelte Abraham eine poetische „Architektur-Kunst“.

Das Haus in Oberwart entwarf er 1963 für seinen Jugendfreund, den Fotografen Max Dellacher und dessen burgenländische Gattin Gisela. Von den USA schickte Abraham in den kommenden Jahren Skizzen und Zeichnungen, die vor Ort vom lokalen Architekten Rudolf Schober zu Bauplänen umgearbeitet wurden. Abraham über den Bauherrn, der sich intensiv bei Planung und Verwirklichung einbrachte: „Er hat sich sehr mit dem Haus identifiziert und wir haben eng zusammengearbeitet. Ein Bauherr muss die Sensibilität mit dem Architekten teilen, sonst funktioniert es nicht. Man kann es ja einem Bewohner nicht aufzwingen. Er muss das erwarten und zelebrieren – und das hat er auch getan.“ 1970 konnte das Haus bezogen werden.

Mit seiner solitären Lage vor einem Waldstreifen bestimmt das Gebäude die hügelige Landschaft oberhalb der Stadt. Das schmale, in seiner Außenerscheinung symmetrisch und in Kuben angelegte, weiß gestrichene Gebäude, das sich talwärts nach Süden in einem überdeckten Gang und einer mächtigen doppelläufigen Freitreppe zum Garten mit Swimmingpool öffnet, steht in der Tradition italienischer Villen der Renaissance. Zur viel befahrenen Bundesstraße hin wird die Anlage von einer hohen, weiß verputzten Mauer abgeschirmt. Unterhalb des Pools findet sich ein Essigbaumhain, der einen Teil des Gesamtkonzepts bildet.

Das Haustor befindet sich an der Nordseite, wo ein gedeckter Zugang von der Garage in den Flur führt. Bestimmendes Element ist hier – wie auch bei anderen Projekten Abrahams – die von einem Oberlicht erhellte Wendeltreppe, welche die Räume des Untergeschosses erschließt. Die in der Außenerscheinung so wichtige Symmetrie, die dem Gebäude einen repräsentativen Charakter verleiht, spielt in den Wohnräumen keine wesentliche Rolle. Im Essraum, den eine Oberlichte erhellt, wird etwa auf den schönen Ausblick in das einsame Tal verzichtet, ebenso im Kaminzimmer, das wie eine Reminiszenz an Adolf Loos wirkt. Erhalten haben sich neben originalen Fußböden auch Beleuchtungskörper und Einbaumöbel, die bei der jüngsten Restaurierung minutiös instand gesetzt wurden. Ein markantes Detail, das auf Abrahams amerikanischen Lebensraum und Einfluss verweist, sind die Türgriffe, die als Drehknöpfe ausgebildet sind und in den USA gebräuchlich sind.

Der Eigentümer hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Rahmen der „Dellacher foundation“ das Haus Dellacher nach der aufwändigen Instandsetzung auch öffentlich zugänglich machen. Am heurigen Tag des Denkmals berichtet er selbst über den Umgang und seine Erfahrungen mit einem Architekturjuwel der Moderne.
 

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