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Juni

Das „Blaue Haus“ ein Baujuwel im oberösterreichischem Kremsmünster.

Fassade © Isiwal

Einblick in den Salon © Jürgen Wiltschko

Stuckdecke im Salon © Collon

Einblick in die Küche © Collon

Sichtfenster mit historistischer Deckenmalerei in der Küche © Jürgen Wiltschko

Einblick in das Badezimmer © Collon

Aussicht © Collon

Die Vereinbarkeit des zeitgemäßen Wohnens mit den Eigenheiten denkmalgeschützter Häuser zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Bundesdenkmalamtes. Das Blaue Haus im oberösterreichischem Kremsmünster ist ein gelungenes Bespiel für modernes Wohnen in alten Mauern. 

Das sog. Blaue Haus, das ehemalige Hofrichterhaus, erhielt seinen Namen durch seine auffallend blaue Farbgebung. Die ansprechende Kombination von Alt und Neu stellt ein besonderes Wohnerlebnis für seine Bewohnerinnen und Bewohner dar.

Kremsmünster wird gemeinhin mit der 777 von Herzog Tassilo von Bayern gegründeten berühmten Benediktinerabtei in Verbindung gebracht. Dass sich zu Füßen der barocken Stiftsanlage und hinauf bis zum Ortsteil Kirchberg auch ein Marktort mit einer Fülle bemerkenswerter, vielfach bis ins späte Mittelalter zurückreichender Baudenkmale erstreckt, ist weniger bekannt. 

Mit seinen Stuckfassaden und dem hohen schindelgedeckten Mansarddach aus dem 18. Jahrhundert stellt das Blaue Haus einen besonderen Höhepunkt in der Bebauung des Marktes dar. Das freistehende Objekt beeindruckt durch seine reiche Fassadengliederung. Auch die Ausstattung im Inneren stammt noch großteils aus der Bauzeit. Stuckdecken, Gewölbe, Türen, Stein- und Dielenböden erfreuen EigentümerInnen und beeindrucken BesucherInnen.

Ausgangspunkt der Instandsetzung war eine geplante Nutzungsänderung. Das Haus soll in Zukunft drei Generationen als Wohnhaus dienen. Die Herausforderung bestand darin, die bestehende Bausubstanz mit möglichst geringen Eingriffen für zeitgemäßes Wohnen zu adaptieren. Dies betraf sowohl die grundsätzliche Raumaufteilung als auch die Erneuerung von Heizung, Elektro- und Sanitärinstallationen. In vielen konstruktiven Gesprächen und Überlegungen kristallisierte sich die endgültige Planung heraus, die schließlich zu immer reduzierteren Eingriffen hin entwickelt werden konnte.

Durch intelligente Lösungen, wie die Konstruktion eines Glaswindfanges im Flur des Erdgeschosses, konnten historische Bauteile wie die barocke Eingangstür unverändert erhalten bleiben, ohne dass der Wohnkomfort leidet. Die notwendigen Installationen von Heizung und Elektroanlagen wurden mit besonderer Sorgfalt und Schonung der historischen Bausubstanz durchgeführt. Alte Holzböden, Türen mit den originalen Beschlägen und weitere Ausstattungsteile wurden fachmännisch restauriert, wobei besonders darauf zu achten war, dass die historische Dimension der gut 200 Jahre alten Bauteile spürbar bleibt.

Besonders wertvoll ist die historische Ausstattung im Obergeschoß mit Stuckdecken und unter jüngeren Malschichten verborgenen Wandmalereien. Die bereits vor Jahren freigelegten Stuckdecken waren teilweise durch ein ungünstiges Heizungssystem stark verschmutzt und erneut restaurierungsbedürftig. In der Küche, in der eine besonders schöne historistische Deckenmalerei unter der jetzigen Malschicht erhalten ist, wurde ein Sichtfenster geöffnet, das die ursprüngliche Wirkung der Decke erahnen lässt.

Die heute besonders stimmungsvoll wirkenden Gewölberäume im Erdgeschoß stellten aufgrund der gegebenen Bodenfeuchtigkeit bauphysikalisch eine große Herausforderung dar. Durch denkmalspezifische Maßnahmen – u. a. eine Bauteilheizung und Verdunstungsstreifen entlang der Wände – konnte ein angenehmes Raumklima erreicht werden, auch die Wände sind nun trocken.

Das einstige Hofrichterhaus demonstriert wieder die hohe Baukultur, die im Ort Kremsmünster aufzufinden ist. Bald wird das Haus mit neuem Leben erfüllt sein und aufgrund der nachhaltigen Sanierung hohen Wohnkomfort bieten.
 

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