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November

Vom Guglbräu zum Gasthaus „Zur goldenen Kugel“Das Pfanzelter Haus in der Salzburger Judengasse

Detail der Wandmalerei im 1. OG, Ausschnitt © Tinzl

Detail der Wandmalerei im 1. OG © Tinzl

Die Fassade an der Judengasse

Detail der judengassenseitigen Portalzone

Detail der judengassenseitigen Portalzone mit Namenszug „Pfanzelter“

Der Grabendachstuhl während der Bauarbeiten

Archäologische Grabungen im Keller © Fa. ARDIG

Der Gewölbekeller

Grabungsfunde: sog. Handheller 14. Jh © Fa. ARDIG

Grabungsfunde: sog. Salzburger Zweier © Fa. ARDIG

Detail der Wandmalerei im 1. OG

Raumdetail aus dem 1. OG: Gastraum mit rekonstruierter historistischer Schablonenmalerei

Fast 400 Jahre lang war das Guglbräu an der Adresse Judengasse 3 in Salzburg eine beutende Brauerei und Gaststätte, ehe es 1872 geschlossen wurde. Nach mehr als 140 Jahren und einer umfangreichen Restaurierung öffnet hier nun wieder ein „Gasthaus zur Goldenen Kugel“ seine Pforten.

Braugaststätte an einem Durchgang zur Salzach
Schon im Jahr 1327 erstmals urkundlich belegt, befand sich von 1472 bis 1869 in dem ursprünglich recht schmalen, gegenüber der Brodgasse gelegenen Haus in der Judengasse das Guglbräu oder Kuglbräu, so benannt nach den ersten bekannten Eigentümern Hanns und Dorothea Gugler. Zum Gasthaus an der Judengasse gehörte dabei salzachseitig noch ein gesondertes Gebäude, in dem die Bräustätte untergebracht war. Ein offener, östlich des Hauses an der Judengasse anschließender Durchgang zur Salzach und zum Braugebäude wurde Ende des 16. Jahrhunderts zunächst überbaut, schließlich gänzlich geschlossen und in das Haus integriert. Heute erinnern nur mehr ein kleiner überdachter Innenhof sowie ein Fassadenknick an der Judengasse an diesen Durchgang. Bei seiner Überbauung erhielt das Gebäude an der Judengasse im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts auch seine heutige Höhe: Man setzte auf das damals dreigeschoßige Haus ein weiteres Wohngeschoß und ein Dachgeschoß mit Grabendach auf - der damals geschaffene einfache Grabendachstuhl ist in weiten Teilen noch heute erhalten.
Während das Haus an der Judengasse im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurde, blieb vom spätmittelalterlichen Gebäude an der Salzach nichts erhalten: Nach der Schließung von Brauerei und Gastwirtschaft wurde es im Jahr 1872 abgebrochen und völlig neu errichtet.
Bei diesem Neubau des salzachseitigen Traktes wurde außerdem ein gemeinsames Stiegenhaus für beide Gebäudeteile errichtet, das die beiden Trakte seither miteinander verbindet und gemeinsam erschließt.

Vom Guglbräu zum Pfanzelter-Haus
Mit dem Erwerb des Hauses durch die Familie Pfanzelter im Jahre 1873 bekam das Haus eine neue Nutzung. Während an der Judengasse das Tapezierergeschäft und die Wohnung der Familie eingerichtet wurden, brachte man an der Salzach die Tischlerwerkstatt von Franz Pfanzelter unter.
Eine bleibende Bereicherung für das Haus schuf die Familie Pfanzelter an der judengassenseitigen Fassade: Hier ließ Franz Pfanzelter jun. ein Geschäftsportal in sezessionistischen Formen errichten, das er 1905 selbst entworfen hatte. Diesem Jugendstilportal – das einzige seiner Art in Salzburg – verdankt das Haus seine markante äußere Erscheinung.
Nachdem das Vorhang- und Einrichtungsgeschäft Franz Pfanzelter 2005 geschlossen wurde, erwarb die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, Mehrheitseigentümerin der Augustiner-Bräu München das Haus und führte 2011 bis 2013 eine umfassende Restaurierung durch.

Viele verborgene Schätze
Bereits im Vorfeld der Umbau- und Sanierungsarbeiten ließ die neue Eigentümerin – die gemäß ihrem Stiftungsziel großes Interesse an der Erhaltung und Restaurierung der historischen Substanz hatte - eine genaue bauhistorische und restauratorische Bestandsaufnahme durchführen. Diese Arbeitsgrundlage ermöglichte eine Planung, mit der die Eingriffe in die historische Bausubstanz für die künftige gastronomische Nutzung auf ein Mindestmaß reduziert werden konnten.
Dabei steckte der Umbau voller Überraschungen. Schon bei den Aushubarbeiten im zementverputzten Gewölbekeller förderte der Abtrag der jahrhundertealten Aufschüttungen mehrere unterschiedliche Bodenniveaus mit Ziegelplattenbelägen bzw. Rollsteinpflasterungen und diverse Einbauten zutage. Der wohl schon im 15. Jh. errichtete Gewölbekeller überlagerte Reste der romanischen Stadtmauer und lag mit seinem ältesten Bodenniveau ca. 1,5 m unter dem zuletzt angetroffenen Betonestrich.
Eine auffällige Konzentration an Münzen des ausgehenden 16. bzw. beginnenden 17. Jh. legt zumindest für diesen Zeitraum eine Nutzung des Gewölbekellers als Schankstube nahe.
Die unansehnlichen und niedrigen Keller selbst entpuppten sich nach der Abnahme der modernen Zementüberputzungen und eines Bitumenanstrichs als spätmittelalterliche Tuffsteingewölbe. Nach sorgfältiger Reinigung und Ausbesserung von Fehlstellen wurde das stark reduzierte Fugenbild wieder ergänzt, eine abschließende Lasur soll nicht nur das weitere Absanden der Tuffsteinquader verhindern, sie erzielte auch ein homogeneres Erscheinungsbild des mehrfach umgebauten Kellers.
Mit der Absenkung des Bodenniveaus um rund 1,5m gewann der Raum zudem seine ursprüngliche Höhe zurück, die Wiederverlegung des historischen Ziegelbodens und die Freilegung und Restaurierung der historischen Stufenanlage geben dem Keller ein bemerkenswertes Erscheinungsbild.
Einen unerwarteten Fund erbrachten die Bauarbeiten auch im 1. Obergeschoß: An einer Wand zum östlichen Nachbargebäude wurde eine Seccomalerei mit floralen Motiven aus der Mitte des 18. Jahrhunderts entdeckt. Ein etwa 70cm hohes Sichtfenster wurde freigelegt, sorgsam gereinigt und sparsam retuschiert und wird künftig - durch eine Verglasung geschützt – den Gästen präsentiert werden.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Restaurierung der judengassenseitigen Fassade gelegt, war die Putzfassade über dem zwischen 1905 und 1908 errichteten Jugendstilportal doch im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach und teilweise nachteilig verändert worden.
Bei Errichtung des Portals hatte Franz Pfanzelter jun. auch die Fassade im 1. Obergeschoß überarbeiten lassen und einen groben Kratzputz in dunklem Grau aufbringen lassen. Spätere Überarbeitungen hatten dieses Geschoß in die zuletzt ockerfarbene Fassade einbezogen, sodass die Wirkung der zweigeschossigen Sockelzone deutlich reduziert war.

Die aktuelle Fassaden-Restaurierung 2013 kehrte wieder zur dunkelgrauen, von der übrigen Fassade deutlich abgehobenen Farbgebung des 1. Obergeschoß zurück und stellte auch die Kalkfassade in den übrigen Obergeschoßen wieder her.
Das Jugendstilportal selbst hatte die Zeiten hingegen weitgehend unverändert überdauert. Die nunmehr erfolgte zurückhaltende Reinigung und Restaurierung der Metall- und Steinoberflächen, der fein geschliffenen Gläser und zarten Holzelemente lassen die Eleganz und Feingliedrigkeit dieser Fassade wieder deutlich ins Auge fallen.

Über Jahrhunderte gewachsene Denkmalqualitäten
Mit der (Wieder-)Eröffnung des „Gasthauses zur Goldenen Kugel“ lebt nicht nur die alte Gasthaustradition in diesem Gebäude wieder auf, das Pfanzelter-Hauses stellt auch ein ausgezeichnetes Beispiel für ein Salzburger Altstadthaus dar, bei dem eine sorgsame und sorgfältig vorbereitete Restaurierung die über viele Jahrhunderte gewachsenen Denkmalqualitäten wieder zu ihrer verdienten Geltung bringen.

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