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Oktober

„ein Höchstmaß an Authentizität des überlieferten Zustands“Die Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg

Baumeister Harperger und Bischof Johann sind im Chor als Wandmalerei verewigt

Die Sanierung des Turms wurde bereits 2009 abgeschlossen.

Das bemerkenswerte Goldfenster an der Chorsüdwand

Teil des spätgotischen Abschlussfrieses

Mehrfach gestückeltes Hagelschutzgitter (Foto: E. Krebs)

Hinter Votivbildern wieder aufgefundenes Apostelmedaillon

Löwenkopf-Türklopfer an der Kirchentür

Teil des Kirchhofes mit Stöcklgebäude und östlichem Tor

Das Mesnerhaus von St. Leonhard

Teil der Wehranlage mit dem südwestlichen Tor

Das Kircheninnere

Markant erhebt sich die Wallfahrtskirche aus der Landschaft oberhalb von Tamsweg

Im September 2012 wurde nach mehrjährigen Arbeiten die Außensanierung der Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg abgeschlossen. Bei der Restaurierung wurde großes Augenmerk auf die Bewahrung des historisch gewachsenen Aussehens gelegt.

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg ist einer der wenigen rein gotischen Sakralbauten im Land Salzburg. Ab 1430 unter Leitung von Baumeister Peter Harperger als einschiffige, vierjochige Saalkirche aus Tuffstein erbaut, wurde die Kirche – die damals erst im Umfang des heutigen Chores fertig gestellt war – am 20. September 1433 von Bischof Johann Ebser von Chiemsee geweiht. Das Langhaus wurde in den Folgejahren errichtet. 

Der Bau des Turms zog sich dann über mehrere Jahrzehnte hin. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass das Holz des Glockenstuhls erst in den Jahren zwischen 1504 und 1513 gefällt wurde. Denn der Bau des Kirchturms war wegen der Türkeneinfälle in Kärnten und der Steiermark unterbrochen worden. Aus Sorge vor dieser Bedrohung wurde 1480 statt des Baues der oberen Turmgeschoße die Wallfahrtskirche mit einer Wehrmauer umgeben. Die heutige Dachform erhielt der Turm schließlich erst in den 1860er Jahren.

Wallfahrtsziel und Kunstkammer
St. Leonhard entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Wallfahrtsziel von überregionaler Bedeutung. Eine Bruderschaft zur Betreuung der Kirche und der Wallfahrer entstand schon kurz nach der Weihe der Kirche, Mitglieder aus ganz Mitteleuropa schlossen sich ihr an – Ende des 15. Jahrhunderts zählte sie rund 4.800 Mitglieder, darunter so prominente wie Kaiser Friedrich III. Die Bruderschaft bestand bis zum Ersten Weltkrieg und wurde 1989 wiederbelebt.

Der finanzielle Erfolg der Wallfahrt nach St. Leonhard spiegelt sich in der wertvollen Ausstattung der Kirche wieder. Heute dominieren barocke Altäre und Gemälde, aber auch der verbliebene Bestand an spätgotischer Ausstattung – etwa die Reste des Flügelaltars - lassen noch Qualität und Stellenwert der spätmittelalterlichen Einrichtung erahnen. Die Glasmalereien aus mehreren Jahrhunderten zählen zu den bedeutendsten in Österreich, unter ihnen strahlt das „Goldfenster“ (1433) mit seinen 33 Rechteck- und 4 Maßwerkscheiben heraus. Kleinode wie das 1700 gefertigte Abschlussgitter, der mit Weinranken umgebene Bronzelöwenkopf an der gotischen Kirchentüre oder die als Wandmalerei im Chor ausgeführten Abbildungen von Baumeister Harperger und Bischof Johann runden das Bild eines authentisch erhaltenen, über Jahrhunderte gewachsenen Kircheninnenraumes ab. 

Das Ziel der Restaurierung: Welches Aussehen soll die Kirche erhalten?
Entscheidend für die Außensanierung, die man nach mehrjährigen Vorarbeiten 2009 in Angriff nahm, war die Definition des Restaurierungszieles. Denn Fassadenuntersuchungen hatten ergeben, dass gotische mit barocken Putzflächen und Quaderungen abwechselten, barocke Anbauten ergänzten den gotischen Baubestand, Sanierungen aus dem späten 19. Jahrhundert und die große Restaurierung im Jahre 1912 hatten ihre Spuren ebenso hinterlassen wie Sanierungsmaßnahmen mit Zementputz aus dem 20. Jahrhundert.

Nachdem an Musterflächen die Wiederherstellung des gotischen Erscheinungsbildes versucht worden war, kam letztlich ein von den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes erarbeitetes Restaurierungskonzept zur Umsetzung, das „das historisch gewachsene Erscheinungsbild der markant in der Landschaft stehenden und mit der Landschaft verbundenen Wallfahrtskirche“ in den Mittelpunkt stellte. Denn die verschiedenen Gestaltungsphasen seien durch gemeinsame Alterung und gemeinsame Tönung zu einem harmonischen Gesamtbild geworden: "Es liegt daher nahe, als Restaurierziel die Erhaltung des überlieferten Erscheinungsbildes und damit ein Höchstmaß an Authentizität des überlieferten Zustands anzustreben, das durch Rekonstruktionen keinesfalls in gleichem Maße glaubwürdig und nachvollziehbar zu erzielen wäre. Eine Rückführung auf eine bestimmte historische Phase im Erscheinungsbild ließe sich nicht konsequent umsetzen und wäre nur durch Rekonstruktionsmaßnahmen zu bewerkstelligen."

Schrittweise wurde daher in den vergangenen vier Jahren der Bestand an Putz und Stein an der Fassade konservatorisch gesichert, ausgebessert und harmonisiert. Notwendige Ergänzungen wurden dem jeweils umliegenden Bestand angeglichen.

Besonders heikel war der Umgang mit dem umlaufenden spätgotischen Abschlussfries. Der Fassungsbestand war abschnittsweise so stark reduziert, dass auch eine Retusche nicht mehr in Frage gekommen wäre. Schließlich wurde auch beim Fries – das ursprünglich in kräftigen Farben die spätgotische Fassade abgeschlossen hatte - im Gesamtzusammenhang der Außensanierung lediglich eine Konservierung des Bestandes vorgenommen.

Mit der Restaurierung der Putz- und Steinoberflächen Hand in Hand gingen Maßnahmen zur Sicherung des Baubestandes vor Witterungseinflüssen. Das Holzschindeldach wurde jeweils der Fassadeneinrüstung folgend abschnittsweise neu gedeckt, Regenrinnen und Fallrohre werden künftig die Ableitung des Dachwassers in geordnete und für die Fassaden entlastende Bahnen führen. Großzügige Bleiverblechungen sollen ein Übriges tun, um die Fassaden zu schützen.

Gleichzeitig wurden auch die Fenster mit ihren berühmten Glasmalereien – der wohl wertvollste Kunstbestand der Wallfahrtskirche - gewartet. Erst in den 1980er Jahren hatte man die Mehrzahl der Fenster sorgsam restauriert und Schutzverglasungen angebracht, bei der jetzigen Restaurierung wurde der Erfolg der damaligen Maßnahmen geprüft und wo nötig nachgearbeitet.

Eine erstaunliche Entdeckung brachte die Restaurierungsarbeit an den Gittern der hohen Spitzbogenfenster zu Tage. Es stellte sich heraus, dass an der Südseite und am Chor noch zahlreiche barocke Hagelgitter erhalten geblieben waren – in einem Fall sogar mit einem noch älteren Gitter „gestückelt“. Mit großem Aufwand wurden auch diese raren Schätze historischer Handwerkskunst restauriert, mit modernen Mitteln verstärkt und erneut versetzt.

Die für St. Leonhard so typische Wehrmauer hatte vor allem durch die unbefriedigende Entwässerung des Kirchhofareals gelitten. Risse und Ausbrüche ließen mancherorts an ihrer statischen Sicherheit zweifeln. Fein säuberlich wurden die Fehlstellen wieder ausgemauert, die offenen Fugen im Steinmauerwerk geschlossen und die verputzten Flächen ausgebessert.

Erste Etappe der Generalsanierung abgeschlossen 
Mit dem Abschluss der Außensanierung ist eine erste Etappe der Restaurierungsarbeiten in St. Leonhard im September zu ihrem Ende gekommen. Die großen Anstrengungen der Pfarre, der unermüdliche Einsatz der Restauratoren und Handwerker, der Beitrag zahlreicher Spender und freiwilliger Helfer und die Unterstützung von Diözese, Gemeinde, Land und Bund haben ein bemerkenswertes Ergebnis ermöglicht. Aber auch das Kircheninnere mit seinen Schätzen wartet schon seit langem auf eine Restaurierung - eine große Aufgabe, die in den kommenden Jahren vorbereitet werden wird!

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