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August

Mutter verzweifelt gesucht

Der Turm, in dem die Glocken hängen

alle Fotos © Fa. Grassmayr

Glocke mit neuen Beschlägen

Glocke mit alten Beschlägen

mehrere Beschläge am Boden

Detail des Beschlages mit passender Mutter

Detail des Beschlages

alte Beschläge

Die Glocken von Dürnstein hängen wieder an ihren historischen Aufhängungen. Einfach war das nicht.

Einer sicher in bester Absicht unternommenen, aber leider verfehlten Anstrengung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdankten die Glocken des Turms der ehemaligen Stiftskirche von Dürnstein eine plumpe und völlig unpassende Aufhängung - wie eine Prothese aus einem Science-Fiction-Film der 60er Jahre klammert sich der blanke Stahl an die 1736 von Johann Baptist Dival gegossenen bronzenen Körper.

Dival ist einer der bekannteren Barockgießer (neben den Glocken fertigte er, wie zu seiner Zeit üblich, auch Kanonen). Von ihm stammt etwa der Bronze-Baldachin des Vermählungsbrunnens in der Wiener Innenstadt am Hohen Markt, und es ist nachweisbar, dass er im selben und folgenden auch Glocken für die Karlskirche schuf.

Bei solchen hoch spezifischen Problemen unterstützend einzugreifen und in enger Zusammenarbeit mit den wartenden Firmen, in diesem Fall war es die Firma Grassmayr, Lösungen zu finden, die den Bestand sichern und auch behutsame Rückführungen ermöglichen – das ist eine der Aufgaben der neu aufgestellten Abteilung für Spezialmaterien des Bundesdenkmalamtes.

Im Fall Dürnstein schien dies zuerst eine leichte Übung zu sein, da die abgenommenen Originalaufhängungen in einer Ecke des Turmes überlebt hatten. Schon in ihrem noch ungereinigten Zustand fiel auf, wie aufwändig und kunstvoll die barocken Stücke gearbeitet waren: mit schmiedeeisernen Laubwerkverzierungen und in Formen, die leicht wirken, den Glocken nichts nehmen und ihre Funktion sehr dezent erfüllen. Und die Flacheisen ähneln denen der Wiener Schwestern in der Karlskirche frappierend: es dürfte der gleiche Schmied am Werk gewesen sein.

Allerdings waren zwar die Eisen selbst noch vollzählig vorhanden, eine, die kleinste der drei Glocken hatte ihren authentischen Zustand überhaupt behalten dürfen. Einige der Muttern aber, mit denen die Befestigung am Holzjoch erfolgt, waren abhanden gekommen. Und die Kunst, solche Teile passgenau zu den Gewinden zu schmieden, ist eine seltene geworden.

In Dürnstein ist es gelungen,  nicht nur die vorhandenen Muttern wie in einem Technik-Puzzle zu den passenden Gewinden zu sortieren, sondern auch einige Stücke nachzuarbeiten. Trotzdem sollte die Nachwuchssituation gerade in diesem alten Handwerk durchaus Besorgnis erregen.

 

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