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Juni

Das Kruzifix aus der Wiener Michaelerkirche

Kruzifix, Detailaufnahme vor der Restaurierung 1961/62, © BDA

 

Kruzifix, Detailaufnahme während der Restaurierung 2010/11, © BDA


 

 

Arbeitsaufnahme, Restaurierung 2010/11 durch Frau Dr. Sara Giuliani, © BDA 

 

 

 

Kruzifix, Detailaufnahme während der Restaurierung 2010/11, © BDA

 
 

 

Kruzifix, Detailaufnahme nach der Restaurierung 2010/11, © BDA



 

2012 konnte die Konservierung und Restaurierung des spätgotischen Kruzifix aus der Wiener Michaelerkirche, das dem Wiener Bildhauer Hans Schlais zugeschrieben wird, abgeschlossen werden.

Das spätgotische lebensgroße Kruzifix wurde 2010 zur Konservierung und Restaurierung auf Grund der geplanten Innenrestaurierung aus der Kreuzkapelle der Michaelerkirche in das Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung, übernommen.
 
Die Christusskulptur wird dem Wiener Bildhauer Hans Schlais um 1510/15 zugeschrieben. Sein ursprünglicher Standort in der Michaelerkirche ist unbekannt. Wahrscheinlich befand sich die Figur bis ca. 1643 in einem Kreuzaltar unter dem Triumphbogen des Mittelschiffes. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war das Kruzifix in der Vorhalle des ehemaligen Barnabitenklosters aufgestellt - seit 1973 wird die Skulptur an der Chorwand der Kreuzkapelle präsentiert.  
 
Technologischer Befund
Der Corpus ist mit weit ausgebreiteten, zugleich schräg nach oben gerichteten Armen und gestreckten Beinen an einen Kreuzbalken jüngeren Datums befestigt. Der schmächtige, durch eine eingezogene Taille und sehnige, muskulöse Gliedmaßen bestimmte Körper ist mit einem kunstvoll drapierten Lendentuch, welches im rechten Hüftbereich verknotet wurde, versehen. Hervorzuheben ist die differenzierte Gestaltung des Oberkörpers, dessen Rippen sich unter der Haut abzeichnen und mit einer tiefen Seitenwunde versehen sind. Arme und Beine werden von einem netzartigen Adergeflecht, welches teilweise plastisch herausgearbeitet wurde, überzogen. Das zur Seite geneigte, in seinen Detailformen etwas überzeichnete Haupt ist von einer Dornenkrone sowie einem Kreuznimbus umgeben. Augen und Mund sind leicht geöffnet. Die Christusskulptur besteht aus einem Werkblock sowie mehreren Anstückungen im Bereich der Arme und der seitlichen Lendentuchdraperien. Der Corpus ist vollrund geschnitzt und polychrom gefasst. 
 
Restauriergeschichte
Das Kruzifix wurde bereits in den 1960er Jahren in den Restaurierwerkstätten des BDA untersucht und restauriert. Fotoaufnahmen vor der Restaurierung zeigen den Corpus mit einer flächigen und wenig qualitätsvollen Überfassung. Das Haupt wird von einer Metallkrone bekrönt. Reste einer ursprünglich aus dem Holz geschnittenen Dornenkrone sind an Stirn und Hinterhaupt auffindbar. Mehrere exponierte Teilelemente, vor allem im Bereich des Lendentuches, fehlen. Bei der im Jahre 1961/62 durchgeführten Restaurierung erfolgte eine Abnahme der Überfassung. Die darunterliegende, fragmentarisch erhaltene Erstfassung wurde, um eine verbesserte Lesbarkeit zu ermöglichen, durch Retuschen und Lasuren optisch zusammengezogen. Ebenfalls erfolgte zu diesem Zeitpunkt die Ersetzung der Metallkrone durch die rezent vorhandene Dornenkrone und durch den Kreuznimbus sowie eine Ergänzung mehrere fehlender Teilelemente. 
 
Zustand und Massnahmen
Im Zuge der aktuellen Restaurierung wurden erweiterte technologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen ausgeführt. Im Bereich des Inkarnates konnte größtenteils nur mehr die ursprünglich hellrosa eingefärbte Grundierung mit dem dunklen netzartigen Adergeflecht, welche als Untermalungen angelegt wurden, befundet werden. Die darüber gelegene, naturalistische Inkarnatfarbe mit den expressiven dunkelroten Blutströmen ist nur mehr fragmentarisch erhalten. Das weiße Lendentuch mit seinem ockerfarbenen Saum und dem blauen Innenfutter weist im Gegensatz zum Inkarnat einen weitaus besseren Zustand des originalen Fassungsaufbaues auf. Das Erscheinungsbild der qualitativ hochwertigen Skulptur war durch stärkere Verschmutzungen, gealterte sekundäre Lasuren und Retuschen sehr beeinträchtigt. Die restauratorische Herausforderung bestand darin, ein ästhetisch schlüssiges und zusammenhängendes Erscheinungsbild des Kruzifixes zu erreichen ohne jedoch die ursprüngliche Polychromie der Oberfläche zu rekonstruieren. Durch eine detaillierte Reinigung und eine zurückhaltende Integration der zum Teil fragmentarischen Fassung konnte eine Klärung erreicht und die Qualität der Skulptur wieder verstärkt zur Geltung gebracht werden.

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